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Filmkritik: Flight

Was passiert, wenn ein Pilot erst nach dem Verlassen des Cockpits in die grössten Turbulenzen gerät und wie die Alkoholabhängigkeit in der heutigen Gesellschaft bereits verankert ist, erzählt uns Flight in kurzweiligen zwei Stunden Kinovergnügen.

 

Captain Whitaker ist ein Held. Soeben hat er das Unmögliche geschafft und ein defektes Passagierflugzeug aus schlimmen Turbulenzen heraus manövriert und mehr oder weniger heil zu Boden gebracht. Von den über hundert Passagieren überleben den Absturz wie durch ein Wunder die Meisten. Alles sieht nach einer märchenhaften Erzählung aus, welche Captain Whip Whitaker als Held darstellt und ihn von der Presse dank der erfolgreichen Notlandung und der Rettung vieler Menschenleben umjubeln und feiern lässt. Was der Zuschauer jedoch bereits weiss und langsam auch den Darstellern im Film klar wird, lässt das Geschehene aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Denn die Hauptrolle, Denzel Washington alias charmanter Captain Whip Whitaker, trinkt. Regelmässig und viel. So viel, dass er sich bereits selber als Säufer bezeichnet. Logischerweise keine gute Voraussetzung, um als Linienpilot zu arbeiten. Vor allem nicht, wenn er in der Nacht vor dem Schicksalsflug anstatt zu schlafen sich lieber mit seiner hübschen Stewardess vergnügt – wie es sich gehört, bei weitem nicht nüchtern. So passiert es nicht zum ersten Mal, dass Captain Whitaker alkoholisiert ein Flugzeug besteigt.

Unbewusst ob dem schlechten Zustand des Passagierfliegers und der fehlenden Wartung am Material begibt sich der Flug South Jet 227 in die Luft, wo er sogleich von starken Turbulenzen heimgesucht wird. Plötzlich fallen Hydraulik, Anzeigen und Instrumente aus und zwingen den Jet in einen rasanten Sturzflug. Um den Flieger wieder zu kontrollieren, besinnt sich Whitaker ganz auf seine Erfahrung und zwingt dank seinen ungewöhnlichen Fähigkeiten mit haarsträubendsten Manövern den Flieger in den Segelflug zu Boden.

Leider überleben nicht alle Passagiere die dramatische Notlandung, weshalb die Ermittlungsbehörden eine intensive Untersuchung des Falles anstreben. Schnell wird klar, dass die Folgen von Whitakers exzessivem Alkoholkonsum nebst dem Karriereende auch eine Gefängnisstrafe mit sich ziehen können. Die Untersuchung wirft deshalb ein neues Licht auf den Lebensretter. Dass Whitaker etwas zu verbergen hat, lässt sich nur noch schlecht verheimlichen. So kommt es, dass er sich entscheiden muss: Zwischen der Lüge, mit der er seinen Ruf rettet oder einer schmerzhaften Wahrheit, die viel Mut erfordert.

Als Glücksgriff kann für Flight die Besetzung der Hauptrollen bezeichnet werden. Allen voran glänzt Denzel Washington in seiner bekannten Manier und präsentiert sich omnipräsent und eindrücklich auf der Leinwand. Sein Leben mit und sein Kampf gegen den Alkohol werden dabei realistisch beleuchtet und stellen die für unsere Gesellschaft relevante Frage in den Vordergrund, wie weit Alkoholsucht heutzutage bereits verbreitet, toleriert oder erkannt wird. Flight versucht dabei stets, beide Seiten zu zeigen. Dass ein Leben mit der Sucht funktionieren kann, wird genauso dargestellt wie die tiefen Abgründe dieser Drogenabhängigkeit.

Das Rüstzeug für ein spannender Kinobesuch ist demnach gegeben. Leider lässt die Story phasenweise gewisse Spannung vermissen. Gerne hätte man ein wenig mehr über die Figuren und deren familiäre Umfelder erfahren, um die persönlichen Schicksale anhand zusätzlichen Rückblicken einzuordnen. Zudem scheinen mögliche Endungen bereits früh absehbar. Ein oder zwei unerwartete Storywendungen hätten der Geschichte sicherlich gut getan. Alles in allem lädt Flight jedoch zu einem kurzweiligen Kinobesuch ein.

Regie
Robert Zemeckis

Drehbuch
John Gatins

Cast
Denzel Washington
John Goodman
Don Cheadle
Bruce Greenwood
Kelly Reilly

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Stefan Kempf

Online-Redaktor / Mediamatiker

Foto:
ZVG
Veröffentlicht:
Montag 28.01.2013, 00:00 Uhr

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