«Hier kann ich auf höchstem Niveau arbeiten und mehr bewegen als in Paris, München oder Wien»: Andreas Homoki im Zürcher Opernhaus.

Andreas Homoki: «Liebe auf das erste Hören»

Andreas Homoki, Intendant am Opernhaus Zürich, über die Übertragung des «Fliegenden Holländers» auf SRF, seine Liebe zu Wagner auf das erste Hören und sein Leben in der Schweiz.

Coopzeitung: Mit der Ausstrahlung Ihres gefeierten «Fliegenden Holländers» auf SRF1 wird das Wagner-Jahr in der Schweiz so richtig lanciert. Weshalb haben Sie diese Oper für Ihre erste Regiearbeit in Zürich ausgewählt?
Andreas Homoki: Der «Holländer» ist knapp und dramatisch und war eine jener interessanten Wagner-Opern, die ich noch nie inszeniert hatte. Ausserdem wollte ich einige spannende Sänger erstmals am Opernhaus präsentieren, unter ihnen den Waliser Bassbariton Bryn Terfel.

Wie ist es zu dieser Fernsehaufzeichnung gekommen?
Arte und SWR bahnten dies im Hinblick auf das Wagner-Jahr an und fanden im Schweizer Fernsehen den passenden Koproduktionspartner. Das Publikum zu Hause kann neben der Fernsehausstrahlung der Aufführung im Internet verfolgen, was parallel hinter der Bühne passiert ist. TV-Moderatorin Sandra Studer interviewt dort verschiedenste Beteiligte.

Wagners Opern gelten als schwer. Haben Sie dieses Image zu Recht?
Sie dauern oft lange und Wagners Texte, die er teils selbst verfasst hat, wirken manchmal antiquiert, doch seine Musik macht das mehr als wett. Meine Aufgabe als Regisseur besteht darin, die spannenden Geschichten so zu erzählen, dass sie für den heutigen Zuschauer nachvollziehbar sind. Ich finde sie in jeder Sekunde grossartiges Theater!

Sie und Wagner – war das Liebe auf den ersten Blick?
Ja, aber keine Jugendliebe. Ich komme zwar aus einer Musikerfamilie – mein Vater ist Klarinettist und Opernbesuche gehörten zum Alltag. Mit Wagner kam ich aber erst in Kontakt, als ich Ambitionen als Opernregisseur hegte. Dann knöpfte ich ihn mir als Erstes vor. Ich sagte mir: «Wenn du in diesem Beruf Erfolg haben willst, musst du diese Nuss knacken!» Ich besorgte mir den «Ring», las den Text und hörte mir die Musik mit der Partitur an. Ich war gefangen. Es war Liebe auf das erste Hören!

Wagner emigrierte nach Zürich und Luzern. Wie wichtig waren diese Jahre für sein Schaffen?
In der Schweiz hatte er die Möglichkeit, Distanz zu seiner Welt in Deutschland zu bekommen, mit der er politisch unzufrieden war. Hier fand er Freiraum und Ruhe, um innezuhalten und in entspannter Atmosphäre sein musikdramatisches Denken als Komponist zu überprüfen. Er begann in der Schweiz mit der Komposition des «Rings», eines völlig neu konzipierten musikdramatischen Gesamtkunstwerks, und von «Tristan und Isolde». Es war eine überaus produktive Zeit.

Weshalb sind Sie von Berlin nach Zürich gezogen?
Für mich ist Zürich einer der wichtigen europäischen Opernstandorte, eine veritable Metropole mit einer grossen kulturellen Tradition. Als man mich anfragte, musste ich daher nicht lange überlegen, da ich in Zürich mehr verwirklichen kann als in Paris, München oder Wien. Ich verfüge über die nötigen Mittel, um auf höchstem Niveau zu arbeiten, und kann Produktionen realisieren, die meinem inhaltlichen Anspruch genügen. Es geht nicht darum, einzelne Stars zu präsentieren, sondern um das Gesamtkunstwerk.

«

Die Menschen hier in Zürich sind viel höflicher als in Deutschland.»

Wie haben Sie Ihre 611 Mitarbeiter nach 21 Jahren unter der Führung von Alexander Pereira von Ihrem Kurs zu überzeugen versucht?
Ich glaube, man muss sich darüber im Klaren sein, dass Dinge vorher anders gelaufen sind, und versuchen, seine Leute bei den Veränderungen mitzunehmen. Nach so langer Zeit haben Personal und Publikum auch Lust auf Neues. Diese Chance haben wir recht gut genutzt. Unser Programm wurde bisher sehr positiv aufgenommen – aber, toi, toi, toi!

Am Eröffnungsfest im letzten September grillierten Sie Bratwürste. Um Ihre Bevölkerungsnähe zu dokumentieren oder aus kulinarischer Affinität?
Bratwürste lege ich auch zu Hause oft auf den Grill. Das macht Spass, ich koche gerne. Als Intendant, der für eine Öffnung plädiert, zeige ich mich gerne auf verschiedenen Ebenen und von verschiedenen Seiten.

Wie schnell haben Sie sich eingelebt?
Ich fühle mich hier sehr wohl. Die Menschen sind freundlich, zugänglich und viel höflicher als in Deutschland. Man geht auf den anderen zu, hat eine grössere Sensibilität im Umgang miteinander, auch das Opernhaus betreffend. Es ist wichtig, dass man den Kontakt mit Freunden und Förderern des Hauses pflegt. Die Kulturpolitik bekommt so ein Gesicht. Alle Abläufe und Entscheidungen sind transparenter, näher und direkter.

Wohnen Sie mit Ihrer Familie in Zürich anders als in Berlin?
Nein, ganz ähnlich. In Berlin besitzen wir ein Haus mit Garten, hier haben wir eines gemietet. Ein sehr schönes, notabene. Für mich ist es ein sehr wichtiger Rückzugsort – wie die Familie. Deswegen muss ich jetzt nach Hause, denn mein Sohn feiert heute seinen 15. Geburtstag.

Andreas Homoki

Beruf: Opernregisseur und -intendant
Geburtsdatum:
16. Februar 1960 in Marl (Ruhrgebiet) als Sohn von Exil-Ungarn
Zivilstand:
verheiratet mit Aurelia, einer Opernsängerin, Sohn Alexander (15)
Wohnort:
Zürich
Laufbahn:
Abitur in Bremen, Studium in Berlin. 1992 lancierte Homoki seine Karriere als Opernregisseur in Genf. Von 2004 bis zu seiner Berufung ans Zürcher Opernhaus 2012 leitete er die Komische Oper Berlin (Opernhaus des Jahres 2007).
Aktuell:
«Der fliegende Holländer» (Aufzeichnung am 20. Mai um 20 Uhr auf Fernsehen SRF1 und www.srf.ch, live am 3. und 5. Juli im Zürcher Opernhaus).

Weitere Informationen auf der Internetseite des Zürcher Opernhauses

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?

«Verdis letzte Versuchung» von Lea Singer

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?

Huckleberry Finn

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?

Mit 53 Jahren hat man nicht mehr so viele Vorbilder …

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

«An einem Samstag» von Aleksandr Mindadze; handelt von den ersten 36 Stunden nach der Katastrophe in Tschernobyl.

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?

«Die Kinder des Olymp» von Marcel Carné

Ihr Lieblings-Filmheld?

James Bond

Was für Musik hören Sie gerade?

Ich höre eigentlich privat gar keine Musik.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?

Bachs Goldberg Variationen, gespielt von Glenn Gould

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?

Mit W.A. Mozart.

Was kochen Sie selbst?

Fast alles.

Ihre Lieblingsspeise?

Zumeist italienische Pastagerichte.

Ihr Lieblingsgetränk?

Mineralwasser mit Gas.

Mit wem essen Sie am liebsten?

Mit meiner Familie

Und wo essen Sie am liebsten?

Mal zu Hause, mal im Restaurant.

Mac oder PC?

Eindeutig: Mac!

Auto oder Zug?

Je nachdem.

Wein oder Bier?

Nach einer Probe zuerst ein Bier, zum Essen eher Wein.

Pasta oder Fondue?

Variiert nach Jahreszeit.

Joggen oder Walken?

No Sports!

Berge oder Meer?

Im Sommer Meer, im Winter Berge.

Wann haben Sie zuletzt geweint?

In der Oper.

Wie bringt man Sie zum Lachen?

Mit Ironie.

Welches Tier wären Sie am liebsten?

Ein Delphin

Wovon träumen Sie?

Ein Delphin zu sein, natürlich.

Was ist für Sie das grösste Glück?

Ausschlafen.

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 06.05.2013, 17:54 Uhr

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