Unterwegs im Berner Oberland: Pascal Bourquin auf einer Anhöhe nahe Lenk. 

In 28 Jahren durch die Schweiz

Pascal Bourquin will alle Wanderwege der Schweiz ablaufen. Insgesamt sind das über 65 000 Kilometer – etwa eineinhalb Mal um die Welt.

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Der Mount Everest ist schuld», erklärt Pascal Bourquin (50) mit einem Schmunzeln. Lange hatte der passionierte Wanderer und Bergsteiger davon geträumt, einmal den höchsten Berg der Welt zu besteigen. Als er eines Tages über ein Foto stolperte, das die Abfallberge zeigte, die von Alpintouristen am Achttausender zurückgelassen wurden, entschied sich der Journalist um: «Was sollte ich dort? Ich wollte etwas tun, was vor mir noch niemand gemacht hat. Etwas Einzigartiges.»

In der Gegend von Lauenen nahe der Gelten-Hütte kann man auch mal Yaks begegnen.

In der Gegend von Lauenen nahe der Gelten-Hütte kann man auch mal Yaks begegnen.
http://www.coopzeitung.ch/in+28+Jahren+durch+die+Schweiz In der Gegend von Lauenen nahe der Gelten-Hütte kann man auch mal Yaks begegnen.

Eine App machte es möglich 

Getrieben vom Wunsch, seine Leidenschaften Fotografie und Sport zu verbinden, machte Pascal Bourquin vor rund drei Jahren eine Entdeckung. Im Internet fand er eine Karte, auf der alle gelb markierten Wanderwege der Schweiz eingezeichnet waren. «Da wurde mir klar: Es ist möglich. Ich kann das wirklich machen.»  Der Plan hört sich simpel an, tatsächlich hat sich der zweifache Vater aber eine Mammutaufgabe vorgenommen: Alle Wanderwege der Schweiz abzulaufen bedeutet, eine Strecke von total 65 000 Kilometern zurückzulegen, und dies in oft bergiger Landschaft. Ohne die moderne Technik hätte er sich wohl nicht in dieses Abenteuer gestürzt. «Ich nutze die App Swiss Mobile, um die Wege einzuzeichnen, die ich wandern möchte. Die GPS-Funktion auf meinem Smartphone ist auch sehr hilfreich, sie zeigt mir nämlich, wo ich gerade bin.» Auf seinem Blog und via Facebook teilt er seine Erlebnisse mit aktuell rund 7400 Interessierten. Sein Projekt trägt den Namen «La vie en jaune» – in Anlehnung an das Chanson von Edith Piaf.

«

Ich wollte etwas machen, das noch niemand getan hat. Etwas Einzigartiges.»

Pascal Bourquin (50), Journalist und Rekordwanderer

Manchmal joggt er auch 

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Rund 7200 Kilometer ist Pascal Bourquin seit dem Start seines Projekts 2014 schon gewandert. Damit liegen bereits elf Prozent der Gesamtstrecke von 65 000 Kilometern hinter ihm. Unterwegs entdeckte er, dass die Schweiz für sein Projekt perfekt geeignet ist: «Für mich ist sie das ideale Wanderland. Die Schweiz ist gebirgig und daher sportlich eine echte Herausforderung. Ausserdem liegen alle Attraktionen sehr nahe beieinander.» Seine Erlebnisse hält der leidenschaftliche Hobbyfotograf in eindrücklichen Bildern fest. Und gebe es mal wirklich nichts zu sehen, erhöhe er halt sein Tempo und jogge locker durch die Gegend. Langweilig werde ihm nie.

Weniger arbeiten – mehr wandern 

Der langjährige Ausdauersportler wandert keineswegs kreuz und quer durch die Schweiz. Sein Vorgehen gleiche einer Spinne, die ihr Netz webe. «Angefangen habe ich quasi vor meiner Haustür, nämlich in Delémont. Ich wollte zuerst ausprobieren, ob mein Plan funktioniert. Nun arbeite ich mich langsam in Richtung Zentralschweiz vor.»
Momentan wandert Bourquin in den Kantonen Jura, Wallis, Bern und Tessin. Dies tut er mit ungeheurer Disziplin. Um im Zeitplan zu bleiben, schnürt der Jurassier zwei Tage pro Woche die Wanderschuhe. Dafür hat er extra sein Arbeitspensum als Journalist beim Westschweizer Fernsehen RTS auf 80 Prozent reduziert. Den Erwerbsausfall kompensiert er durch die Zuwendungen von Sponsoren. Nur so ist sein straffes Programm machbar. «Ich wandere ungefähr sechzig Kilometer pro Woche, damit ich auf meine 250 Kilometer im Monat komme. Anders geht es nicht.»

Da gehts lang: Ohne die gelben Wegweiser gäbe es auch «La vie en jaune» nicht.

Da gehts lang: Ohne die gelben Wegweiser gäbe es auch «La vie en jaune» nicht.
http://www.coopzeitung.ch/in+28+Jahren+durch+die+Schweiz Da gehts lang: Ohne die gelben Wegweiser gäbe es auch «La vie en jaune» nicht.

Geschwänzt wird nicht

Die Wandertage gehören fix zu Pascal Bourquins Wochenprogramm. Dabei lässt er sich von nichts abschrecken. «Ich wandere bei jedem Wetter. Egal, ob es schneit oder die Sonne vom Himmel brennt – ich bin immer unterwegs.» Einzig Regen mag er nicht. Bei seiner Routenplanung konsultiert er daher auch die Wetterdienste und weicht bei Niederschlagsmeldungen gerne mal auf einen sonnigeren Nachbarkanton aus. Blaumachen gelte nicht, auch wenn er manchmal müde sei und lieber zu Hause bleiben würde. Schliesslich hat der meist gelb gekleidete Rekordwanderer einen Zeitplan zu befolgen. «Wenn ich so weitermache, bin ich mit 75 Jahren fertig.» 

Szenario Roboterskelett

Bourquin plant seine Wanderungen weit im Voraus: Das Mittelland spart er sich für die Endphase seines Projekts in rund 25 Jahren auf: «Ich weiss ja nicht, wie fit ich dann noch bin.» An manchen Tagen spüre er die Belastung in den Knien, gibt der 50-Jährige zu. Er blicke aber hoffnungsvoll in die Zukunft. «Die Medizin wird ungeheure Fortschritte machen. Man denke nur an die Exoskelette», sagt er und spricht damit die futuristischen Stützroboter an, welche Menschen anziehen können und damit Superkräfte verliehen bekommen. Nötig werde dieses Szenario aber wohl nicht werden, sagt Bourquin schalkhaft. Schliesslich lebe er dank «La vie en jaune» sehr gesund. Er glaubt an seine Idee: «2041 feiert die Schweiz ihren 750. Geburtstag. An diesem Tag werde ich mit erhobenen Armen in die Feierlichkeiten auf dem Bundesplatz in Bern hineinplatzen und stolz rufen: Ich habe es geschafft!»
Verrückt oder nicht?
Und zum Schluss noch dies: Pascal Bourquin ist es gewohnt, dass man ihn als Spinner abtut. Es scheint, als sei er sogar ein bisschen stolz auf diese Bezeichnung. «Was ist schon normal? Ich habe einen Traum, der mich antreibt. Nur das ist wichtig für mich.» Im Übrigen habe er ein ganz normales Familienleben und eine Arbeit, die er sehr gerne mache. «Zwei Tage pro Woche bin ich halt ein bisschen verrückt.»

Sportlicher Reporter

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Geboren wurde Pascal Bourquin 1966 im Kanton Jura. Nach der Matura und einem Studium in Literatur- und Geisteswissenschaften absolvierte er verschiedene journalistische Praktika. Seit 1990 arbeitet er als Reporter für das Westschweizer Radio und Fernsehen RTS.
Sport war in seinem Leben immer wichtig. Als Kind spielte er Fussball und fuhr Ski. In seiner Jugend war er ein ambitionierter Leichtathlet und Tennisspieler. Später machte er das Tauchbrevet, lief Marathon und entdeckte seine Liebe zu den Bergen. Er bestieg nicht nur viele Schweizer Berge und den Mont Blanc, sondern auch das Kilimandscharo-Massiv in Tansania.
Pascal Bourquin ist verheiratet und lebt mit seiner Ehefrau und zwei Töchtern in Delémont im Kanton Jura.

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Maša Diethelm

Redaktorin

Foto:
zVg
Veröffentlicht:
Montag 25.07.2016, 10:00 Uhr

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