Nun ist es soweit. Der Preis für einen Liter Benzin hat auch die teuerste Bio-Milch überholt und schrammt an der 2-Franken-Grenze. Experten schliessen nicht aus, dass der Benzinpreis im Sog der Rohölpreise weiter steigen könnte.
Diskutieren Sie mit
Ist Benzin noch immer zu billig? Ab wann fahren Sie weniger?
(Eingabemaske rechts)
Die meisten Tankstellen haben heute elektronische Anzeigen. Glück für die Angestellten, denn das häufige Schilder wechseln wäre mühsam. Den Tankstellenbetreibern bleibt momentan aber nichts anderes übrig, als mitzuziehen und ihre steigenden Einstandspreise an die Kunden weiterzugeben. «Die Margen sind zu klein, als dass wir sie auffangen könnten», sagt Walter Eberle, CEO der Coop Mineraloel AG. Im Tankstellengeschäft müssen sämtliche Kosten, inklusive die grossen Investitionen, mit einer Marge von rund 10 Rappen pro Liter, bzw. mit einer Handelsspanne von etwa 14,5 Rappen inklusive Transport gedeckt werden (siehe Grafik links).
Der derzeitige Preisanstieg bei den Treibstoffen - die Preise für Diesel und Flugpetrol sind noch stärker gestiegen als jene für Benzin - hat vor allem zwei Ursachen, sagt Rolf Hartl, Geschäftsführer der Erdöl-Vereinigung: zum einen die Spekulation an den Rohstoffbörsen, zum anderen aber auch die steigende Nachfrage östlich des Suezkanals: Die boomenden Wirtschaften in Indien und China, aber auch im arabischen Raum, brauchen immer mehr Energie. Hartl glaubt deshalb noch nicht an ein Ende der Preisspirale: «Einige Marktbeo-bachter halten es für möglich, dass der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl noch in diesem Jahr auf die Marke von 200 Dollar klettert.» Das ergäbe einen Benzinpreis von Fr. 2.50 aufwärts. «Das sind jedoch reine Spekulationen.»
Hartl selber glaubt, dass sich die Preise mindestens auf hohem Niveau einpendeln werden. «Solange die Weltwirtschaft so robust ist wie jetzt, so lange werden wir mit stabilen oder gar steigenden Treibstoffpreisen leben müssen», sagt Hartl. Eine Trendwende könne höchstens durch eine Rezession mit nachlassendem Konsum ausgelöst werden, doch «danach sieht es im Moment nicht aus.»
Der steigende Verbrauch an Erdöl ist jedoch nur die eine Seite. Die Preise steigen vor allem, weil das Angebot nicht parallel dazu erhöht wird. Fragt sich also, warum das Angebot nicht mit der steigenden Nachfrage Schritt halten kann. Dafür gibt es laut Rolf Hartl viele Gründe. Unter anderem hätte das billige Rohöl der vergangenen Jahre zu wenig Anreiz geschaffen, in Förderanlagen und Raffinerien zu investieren. Mit anderen Worten: Wir haben es mit einer Erdölknappheit zu tun, weil die Infrastruktur fehlt. Der Engpass liegt damit nicht im, sondern über dem Boden, präzisiert Rolf Hartl. «Das Erdöl geht uns in den nächsten 50 Jahren nicht aus, aber die Vorkommen werden zurzeit zu wenig genutzt.»
Den Händlern sind in dieser Preisspirale die Hände gebunden. «Wir können gar nichts gegen die hohen Preise tun», sagt Walter Eberle, «wir können nur kaufen und zahlen, sonst bekommen wir nichts.» Den Silberstreifen am Horizont sieht Eberle in der Entwicklung der letzten Tage, denn der Preis für Dieselöl hat etwas nachgegeben und der Abstand zum Benzin wurde leicht abgeschwächt. Das stimmt zuversichtlich, wenngleich Eberle nicht spekulieren will: «Der Benzinpreis Ende Jahr? Alles ist möglich - ausser verlässliche Prognosen.»
Das vermag die Autofahrer angesichts des heutigen Preisniveaus kaum mehr zu erschrecken. Wer allerdings die Füllung seines Heizöl-Tanks budgetieren und planen muss, steht vor einem schweren Entscheid. Die Preise sind allein innerhalb des letzten Jahres um etwa 50 Prozent gestiegen. Und Prognosen haben auch hier mehr mit Kaffeesatzlesen zu tun als mit seriösen Marktbeobachtungen. Walter Eberle empfiehlt, den leeren Tank jetzt mindestens teilweise zu füllen, um das Risiko abzufedern.
«Ab drei Franken wird weniger gefahren»
Coopzeitung: Wir kennen es aus dem Alcopop-Markt: Als die Modegetränke teurer wurden, sank der Konsum. Gibt es für solche Wechselwirkungen genaue Zahlen?
Christian Fichter: Genaue Zahlen gibt es dafür nicht. Aber es ist ein Phänomen, das im Allgemeinen zutrifft: Wenn der Preis für ein Lebensmittel steigt, geht der Umsatz zurück - und umgekehrt.
Warum nur im Allgemeinen?
Im Hochpreissegment lässt sich auch eine andere Spirale feststellen. Je höher der Preis, desto höher der Umsatz. Unter Umständen macht die Verknappung des Angebots ein Produkt zum Luxusgut. Das kurbelt den Preis und den Umsatz an.
Benzin und Diesel sind nicht knapp, nur teuer. Warum sinkt der Konsum nicht, obschon der Preis stetig steigt? Seit Anfang Jahr um fast 20 Prozent!
Es gibt in der Tat sehr unterschiedliche Preissensitivitäten, wie das im Fachjargon heisst. Beim Benzin ist die Koppelung zwischen Preis und Produkt lose. Das heisst, der Kaufentscheid fällt nicht vor dem Regal wie etwa beim Fleisch, wo der Preis eine Rolle spielt. Der Kaufentscheid fällt, wenn der Tank leer ist. Auch die Verbindung zwischen Konsum und Kauf ist nicht eng. Kaum jemand denkt beim Fahren daran, wie teuer die nächste Tankfüllung wird. Zudem zahlen beim Tanken die meisten mit der Bancomat- oder Kreditkarte. Und damit zahlt man auch leichter. Es ist kein Zufall, dass die Tankstellen als Erste das bargeldlose Zahlen eingeführt haben.
Wo liegt denn die Schmerzgrenze für uns Schweizer Autofahrer? Ab welchem Preis wird weniger Benzin gebraucht?
Das kommt auf die Geschwindigkeit der Erhöhung an. Wenn der Preis von heute auf morgen verdoppelt würde, würde sicher weniger gefahren. Steigt der Preis aber stetig weiter, empfindet man den Unterschied nicht so stark.
In Franken?
Ich schätze, wenn der Preis von heute an bis Ende Jahr noch auf über drei Franken pro Liter steigt, würde wohl spürbar weniger gefahren werden.
Warum ist die Grenze so hoch?
Weil es uns in der Schweiz gut geht. Die Konsumstimmung ist nach wie vor gut. Auch wird Autofahren als unantastbar aufgefasst, es ist als Luxusgut nicht verhandelbar.
Diskutieren Sie mit
Ist Benzin noch immer zu billig? Ab wann fahren Sie weniger?
(Eingabemaske rechts)
Die meisten Tankstellen haben heute elektronische Anzeigen. Glück für die Angestellten, denn das häufige Schilder wechseln wäre mühsam. Den Tankstellenbetreibern bleibt momentan aber nichts anderes übrig, als mitzuziehen und ihre steigenden Einstandspreise an die Kunden weiterzugeben. «Die Margen sind zu klein, als dass wir sie auffangen könnten», sagt Walter Eberle, CEO der Coop Mineraloel AG. Im Tankstellengeschäft müssen sämtliche Kosten, inklusive die grossen Investitionen, mit einer Marge von rund 10 Rappen pro Liter, bzw. mit einer Handelsspanne von etwa 14,5 Rappen inklusive Transport gedeckt werden (siehe Grafik links).
Der derzeitige Preisanstieg bei den Treibstoffen - die Preise für Diesel und Flugpetrol sind noch stärker gestiegen als jene für Benzin - hat vor allem zwei Ursachen, sagt Rolf Hartl, Geschäftsführer der Erdöl-Vereinigung: zum einen die Spekulation an den Rohstoffbörsen, zum anderen aber auch die steigende Nachfrage östlich des Suezkanals: Die boomenden Wirtschaften in Indien und China, aber auch im arabischen Raum, brauchen immer mehr Energie. Hartl glaubt deshalb noch nicht an ein Ende der Preisspirale: «Einige Marktbeo-bachter halten es für möglich, dass der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl noch in diesem Jahr auf die Marke von 200 Dollar klettert.» Das ergäbe einen Benzinpreis von Fr. 2.50 aufwärts. «Das sind jedoch reine Spekulationen.»
Hartl selber glaubt, dass sich die Preise mindestens auf hohem Niveau einpendeln werden. «Solange die Weltwirtschaft so robust ist wie jetzt, so lange werden wir mit stabilen oder gar steigenden Treibstoffpreisen leben müssen», sagt Hartl. Eine Trendwende könne höchstens durch eine Rezession mit nachlassendem Konsum ausgelöst werden, doch «danach sieht es im Moment nicht aus.»
Der steigende Verbrauch an Erdöl ist jedoch nur die eine Seite. Die Preise steigen vor allem, weil das Angebot nicht parallel dazu erhöht wird. Fragt sich also, warum das Angebot nicht mit der steigenden Nachfrage Schritt halten kann. Dafür gibt es laut Rolf Hartl viele Gründe. Unter anderem hätte das billige Rohöl der vergangenen Jahre zu wenig Anreiz geschaffen, in Förderanlagen und Raffinerien zu investieren. Mit anderen Worten: Wir haben es mit einer Erdölknappheit zu tun, weil die Infrastruktur fehlt. Der Engpass liegt damit nicht im, sondern über dem Boden, präzisiert Rolf Hartl. «Das Erdöl geht uns in den nächsten 50 Jahren nicht aus, aber die Vorkommen werden zurzeit zu wenig genutzt.»
Den Händlern sind in dieser Preisspirale die Hände gebunden. «Wir können gar nichts gegen die hohen Preise tun», sagt Walter Eberle, «wir können nur kaufen und zahlen, sonst bekommen wir nichts.» Den Silberstreifen am Horizont sieht Eberle in der Entwicklung der letzten Tage, denn der Preis für Dieselöl hat etwas nachgegeben und der Abstand zum Benzin wurde leicht abgeschwächt. Das stimmt zuversichtlich, wenngleich Eberle nicht spekulieren will: «Der Benzinpreis Ende Jahr? Alles ist möglich - ausser verlässliche Prognosen.»
Das vermag die Autofahrer angesichts des heutigen Preisniveaus kaum mehr zu erschrecken. Wer allerdings die Füllung seines Heizöl-Tanks budgetieren und planen muss, steht vor einem schweren Entscheid. Die Preise sind allein innerhalb des letzten Jahres um etwa 50 Prozent gestiegen. Und Prognosen haben auch hier mehr mit Kaffeesatzlesen zu tun als mit seriösen Marktbeobachtungen. Walter Eberle empfiehlt, den leeren Tank jetzt mindestens teilweise zu füllen, um das Risiko abzufedern.
«Ab drei Franken wird weniger gefahren»
Coopzeitung: Wir kennen es aus dem Alcopop-Markt: Als die Modegetränke teurer wurden, sank der Konsum. Gibt es für solche Wechselwirkungen genaue Zahlen?
Christian Fichter: Genaue Zahlen gibt es dafür nicht. Aber es ist ein Phänomen, das im Allgemeinen zutrifft: Wenn der Preis für ein Lebensmittel steigt, geht der Umsatz zurück - und umgekehrt.
Warum nur im Allgemeinen?
Im Hochpreissegment lässt sich auch eine andere Spirale feststellen. Je höher der Preis, desto höher der Umsatz. Unter Umständen macht die Verknappung des Angebots ein Produkt zum Luxusgut. Das kurbelt den Preis und den Umsatz an.
Benzin und Diesel sind nicht knapp, nur teuer. Warum sinkt der Konsum nicht, obschon der Preis stetig steigt? Seit Anfang Jahr um fast 20 Prozent!
Es gibt in der Tat sehr unterschiedliche Preissensitivitäten, wie das im Fachjargon heisst. Beim Benzin ist die Koppelung zwischen Preis und Produkt lose. Das heisst, der Kaufentscheid fällt nicht vor dem Regal wie etwa beim Fleisch, wo der Preis eine Rolle spielt. Der Kaufentscheid fällt, wenn der Tank leer ist. Auch die Verbindung zwischen Konsum und Kauf ist nicht eng. Kaum jemand denkt beim Fahren daran, wie teuer die nächste Tankfüllung wird. Zudem zahlen beim Tanken die meisten mit der Bancomat- oder Kreditkarte. Und damit zahlt man auch leichter. Es ist kein Zufall, dass die Tankstellen als Erste das bargeldlose Zahlen eingeführt haben.
Wo liegt denn die Schmerzgrenze für uns Schweizer Autofahrer? Ab welchem Preis wird weniger Benzin gebraucht?
Das kommt auf die Geschwindigkeit der Erhöhung an. Wenn der Preis von heute auf morgen verdoppelt würde, würde sicher weniger gefahren. Steigt der Preis aber stetig weiter, empfindet man den Unterschied nicht so stark.
In Franken?
Ich schätze, wenn der Preis von heute an bis Ende Jahr noch auf über drei Franken pro Liter steigt, würde wohl spürbar weniger gefahren werden.
Warum ist die Grenze so hoch?
Weil es uns in der Schweiz gut geht. Die Konsumstimmung ist nach wie vor gut. Auch wird Autofahren als unantastbar aufgefasst, es ist als Luxusgut nicht verhandelbar.








Leser-Kommentare (23).