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Renato Kaiser: «Ich denke nicht an Misserfolg»

Renato Kaiser ist eines der bekanntesten Gesichter in der Schweizer Poetry-Slam-Szene. Obwohl er früher nie damit gerechnet hätte, kann er heute von seiner Kunst leben.

Coopzeitung: Wann haben Sie die Liebe zum Wort für sich entdeckt?

Renato Kaiser: Ich hab schon immer gern geschwatzt und in der Schule wurde klar, dass Aufsätze mein Ding sind. Beim Slammen hab ich dann gemerkt, dass die Leute darauf reagieren und dass ich das nicht nur gerne mache, sondern dass ich es auch kann.

Wie kamen Sie zu Ihrem ersten Slam?
Im Herbst 2004 war ich das erste Mal bei einem Slam in Schaffhausen. Dort waren alle damaligen Grössen vertreten. Zum Glück gab es aber Unerfahrenere, die gut waren. Da hab ich gedacht, wenn die das dürfen, dann darf ich auch. Und so habe ich dann im März 2005 an meinem ersten Slam teilgenommen.

Poetry Slam ist immer auch ein Wettbewerb. Wie ist wichtig ist Ihnen das Gewinnen?
Wenn man nicht gewinnen will, muss man nicht mitmachen. Aber es ist dann doch auch nicht so wichtig, weil sehr viel Glück dazu gehört. Also, welche Startnummer man hat, wie das Publikum drauf ist und was die Konkurrenten machen. Beim Slammen kannst du für einen Abend ein Rockstar sein und am nächsten Tag bist du dann wieder wie jeder andere. Dazu kommt, dass es kein Preisgeld gibt. Der Lohn für den Sieger ist eine Flasche Whisky, die er zusammen mit den Konkurrenten trinkt.

Preisgelder sind also verpönt?
Völlig, das wäre für die Atmosphäre untereinander nicht gut und die Leute würden anfangen, nur noch wegen des Geldes mitzumachen.

Durch Gewinne kann man sich aber einen Namen machen und wird dann vielleicht sonstweitig für bezahlte Jobs engagiert …
Ja klar, das ist auch der grosse Unterschied zu früher, als ich damit angefangen habe. Damals war das eher ein Hobby und ich hätte nie gedacht, dass man damit mal Geld verdienen kann. Heute werde ich für Firmenauftritte, Workshops, Soloprogramme und Schulvorträge engagiert und kann von den Gagen leben.

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Eigentlich bin ich ein typischer Slam-Poet, denn egal, was ich nebenbei mache, alles ist davon inspiriert.»

Sie sind im letzten Herbst mit Ihrem Buch «Uufpassä nöd aapassä!» auch unter die Autoren gegangen. Welche Berufsbezeichnung würden Sie sich selbst geben?
Eigentlich bin ich ein typischer Slam-Poet, denn egal, was ich nebenbei mache, alles ist davon inspiriert. Da viele dann aber das Gefühl haben, ich mache nur Slams, nenn ich mich meist Spoken-Word-Künstler (Gesprochenes-Wort-Künstler). Spoken-Word, da alles, was ich mache, auf Sprech-Literatur basiert. Mein Buch ist zum Beispiel auf Schweizerdeutsch geschrieben und das Schweizerdeutsch ist ja so was von einer gesprochenen Sprache, auch wenn sie im Buche steht. Das Gute an der Slam Poetry ist, dass sie immer auf einer Bühne stattfindet. Man kann also daneben auch ganz viele andere Sachen sein. Aber sobald man auf der Bühne ist, ist man Slam-Poet.

Wovon und wo lassen Sie sich inspirieren?
Überall und jederzeit, deshalb ist es wichtig, immer was zum Schreiben dabei- zuhaben. Ich hab gemerkt, dass man einfach alles aufschreiben muss. Denn sehr viele Ideen sind gar nicht so dumm, wie man denkt. Oft ist man vielleicht nicht der Einzige, der eine Idee denkt, es kommt dann aber darauf an, dass man aus der Idee etwas macht.

Haben Sie einen Plan B für den Fall einer Schreibblockade?
Also, für eine Schreibblockade hab ich gar keine Zeit. Denn ich bin ständig am Schreiben. Ich denke aber auch nicht daran, dass ich eine Schreibblockade haben könnte. Genauso wenig wie ich daran denke, dass der Erfolg ausbleiben könnte. Nicht, weil ich das Gefühl habe, ich könnte einfach alles machen und die Leute finden es toll. Nein, sondern weil alles, was ich gemacht habe, auf offene Ohren gestossen ist. Mir ist ehrlich gesagt noch nie etwas Schlimmes im Leben passiert und darum ist es für mich auch einfach, positiv zu denken und das wirkt sich dann wiederum positiv auf anderen Sachen aus. Man könnte mich schon fast als Sonnenkind bezeichnen.

Welche Projekte stehen jetzt für Sie als nächste an?
Ich freue mich schon riesig auf die Produktion «Bundesordner 2012», ein satirischer Jahresrückblick, bei dem ich neben anderen Künstlern auftrete. Ich hoffe, dass ich gegen die anderen nicht abstinke, denn sie sind genial. Über mich kann ich das ja nicht selbst sagen, obwohl ich mich auch genial finde. Aber auf alle Fälle wird es sehr lustig, bissig und hat genug ernste Punkte drin – politische und gesellschaftskritische Ansätze – die sehr schön gemacht sind.

Renato Kaiser

Geburtsdatum: 20. November 1985
Zivilstand: lebt mit Freundin und Hund in Fribourg
Beruf: Künstler Karriere: 2007 Schweizer mit den meisten Slam-Siegen, Gewinner des internationalen Poetry Slam im italienischen Bozen, 2008 Spoken-Word-Live-CD «Ich bin nicht so» sowie diverse Auftritte in Schweizer Radio- und Fernsehstationen. Seit 2006 moderiert er den Poetry Slam in Fribourg, 2010–2012 Soloprogramm «Er war nicht so – ein Nachruf». 2012 Schweizer Poetry-Slam-Meister, sein erstes Buch «Uufpassä nöd aapassä! – Erlebnisse aus der Selbsthilfegruppe für Anonyme Ostschweizer.»
Nächste Projekte: Bundesordner 2012 (13. Januar bis 20. Januar im Casinotheater Winterthur, anschliessende Tournee mit Stationen in Bern, Schaffhausen, Rapperswil und Zug, mehr dazu: www.casinotheater.ch)

www.derkaiser.ch

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
"Minutennovellen" von Istvan Örkeny.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Roman Riklin

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Heinz de Specht

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Rocky 5

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Rocky 4

Ihr Lieblings-Filmheld?
Brian

Was für Musik hören Sie gerade?
Danger Dan

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Ich würde nie auf eine einsame Insel fahren.

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Busta Rhymes

Was kochen Sie selbst?
Brot

Ihre Lieblingsspeise?
Fleisch

Ihr Lieblingsgetränk?
Wasser

Mit wem essen Sie am liebsten?
dem Koch

Und wo essen Sie am liebsten?
im Esszimmer

Mac oder PC?
Egal

Auto oder Zug?
Beides

Wein oder Bier?
Bier

Pasta oder Fondue?
je nachdem

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
Kanalisation

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Bei einem Film, als ein Hund für ein Highschool-Basketball-Team den entscheidenden Korb geworfen hat.

Wie bringt man Sie zum Lachen?
mit Louis CK, Eddie Izzard und Gabriel Vetter

Welches Tier wären Sie am liebsten?
mein Hund.

Wovon träumen Sie?
von einem sehr grossen Sandwich.

Was ist für Sie das grösste Glück?
ein sehr grosses Sandwich.

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Michaela Schlegel

Redaktorin

Foto:
Philipp Zinniker
Veröffentlicht:
Donnerstag 10.01.2013, 18:03 Uhr

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