«Ich muss nichts, für niemanden»

Fabian Kauter ist derzeit der beste Degenfechter der Welt und Musiker mit Leidenschaft. An den Olympischen Sommerspielen in London will der Rapper Gold gewinnen.

Coopzeitung: Gehört ein Albumrelease zu einer seriösen Olympiavorbereitung?
Fabian Kauter: Kommt immer auf den Typ an. Während der Qualifikation hab ich parallel Texte geschrieben, normal gearbeitet und trotzdem die Weltnummer 1 im Degenfechten erobert. London ist noch 80 Tage entfernt. Da kann ich nicht jeden Abend früh ins Bett. Ich brauche Abwechslung, sonst habe ich keinen freien Kopf. Den Pluspunkt will ich bei Olympia ausspielen können.

Freier Kopf? «6er Gascho», der Name Ihrer Ursprungs-Crew, steht kaum für ein Sixpack Isostar. Sorgt die Konzerttour nicht eher für einen schweren Kopf?
(Lacht). Mit «6er Gascho» hatten wir wilde Zeiten! Damals habe ich auch gefochten, aber nie so wie jetzt. Trotzdem: Eine ganze Tour wär wohl nicht ideal. Darum ist sie nach Olympia geplant.

In Sport und Musik stecken Sie viel Herz. Worin unterscheiden sich Ihre Leidenschaften?
Musik kann ich viel lockerer angehen. Da kommt mehr aus dem Bauch. Beim Fechten brauchst du einen Plan. Du hast auch den Trainer im Nacken, der dir Anweisungen gibt. Würde ich in ausgeglichenen Kämpfen nur auf mein Bauchgefühl gehen, gewänne ich wohl fünf. Schalte ich Kopf und Trainer ein, sind es acht.

Beim Fechten kreuzen Sie die Klinge mit jedem Gegner. Beim Rappen ist das Duell, das Battle, nicht so Ihr Ding.
Früher hab ich auch Freestyle gerappt. Battlen war aber nie meine Sache. Im Fechten ziehst du die Maske runter, selbst wenn du Schiss hast.

Aggressionen lassen Sie nur im Fechten raus. Ihre Texte sind jedenfalls frei davon.
Ich wüsste nicht, gegen wen ich in der Musik Aggressionen haben sollte. Selbst wenn mir andere Musiker nicht gefallen, lass ich ihnen ihre künstlerische Freiheit. Doch wenn sich die Teams beim Mannschafts-Fechten gegenseitig aufwiegeln, werde auch ich laut. Aber das ist ja ein Kampf! Dann gibt es einen Sieger und man schüttelt sich die Hand. Aber ohne Biss und Aggressionen hast du auf der Fechtpiste nichts verloren.

Ihr Trainer und Olympiasieger Marcel Fischer nennt mangelnde Aggression und Mut als Ihre Hauptmankos.
Ja, der Mut zur Entscheidung. Das ist der Punkt, den mein Trainer kritisiert. Ich bin stärker als Konterfechter und muss lernen, Tempo und Kampf bis am Schluss zu bestimmen.

Als jüngster Spross einer Degenfecht-Dynastie sind Sie wohl von klein auf gewohnt, mit hohen Erwartungen umzugehen.
Es hiess daheim nie: Du musst! Den Druck hab ich mir immer selbst auferlegt. Auch bei der Musik. Als bei «6er Gascho» Schluss war, sagte ich mir: Dann machst du halt ein Soloalbum.

Was hielten Ihre Eltern von Ihrer Leidenschaft für Rap?
Musik ist untypisch in unserer Familie. Ich war jedoch grosser Fan von «Wurzel 5» und bin in der Nachbarschaft aufgewachsen. Mein Vater hatte auch nie den Anspruch, wir müssten in seine Fussstapfen treten. Im Gegenteil, die Losung hiess: Macht, was ihr wollt. Das einzige Problem war, dass unser Keller anfangs auch unser Proberaum war und wir von dort die ganze Strasse beschallten.

Sie haben Ihre Bankerkarriere für den Fechtsport unterbrochen, heuern nun als Berufssoldat bei der Armee an: Ist das nicht die übelste aller Biografien für einen Rapper?
Das ist so. Aber Musik muss sich, wie Kunst, nicht an eine vorgegebene Form halten. Da gibt es für mich keine Grenzen. Ich muss ganz einfach schauen, wie ich weiterhin professionell fechten kann. Wenn jemand damit Probleme hat: jänu.

Wenn Sie in London Gold holen, finden Sie wahrscheinlich sowieso alle toll.
Klar will ich Gold, sonst müsste ich gar nicht gehen. Aber die Dichte an der Spitze ist extrem. Darum: Wenn ich die hole, dann für mich. Aber ich muss gar nichts, für niemanden. Vor allem nicht für Leute wie den Sportreporter bei Olympia in Peking. Als mein Bruder Michael als Medaillenanwärter den Kampf um den Einzug ins Feld der letzten acht verlor, kommentierte dieser: eine Riesenenttäuschung! Dem hätte ich am liebsten durch den Fernseher eine gekläpft. Der hat keine Ahnung, was an Arbeit und Entbehrungen dahintersteckt. Der aber macht alles in einem Satz kaputt. Mein Bruder wurde 11. So schlecht ist das nicht.

Ist Gold oder die Hitparaden-Nummer 1 auch das Ziel des neuen Albums?
Im Fechten spiegelt das Resultat Leistung und Können. Im Rap dagegen kann ich noch so hart arbeiten – das heisst nicht, dass es mehr Leuten gefällt. Bei Musik geht es in erster Linie um Geschmack, nicht um Leistung.

Fabian Kauter

«

Musik kommt aus dem Bauch. Beim Fechten brauchst du einen Plan.»

Geburtsdatum: 22. September 1985
Zivilstand: ledig
Wohnort: Bern
Karriere: Fabian Kauter entstammt einer Fechtdynastie (Sohn des zweifachen Olympia-Medaillengewinners Christian Kauter und Bruder von Erfolgsfechter Michael Kauter). 2004 Mannschafts-Europameister im Degenfechten, er sammelt auch einzeln Titel und führte Anfang 2012 die Weltrangliste an. Parallel dazu machte er sich als Rapper Yuri und mit der Berner Hip-Hop-Combo «6er Gascho» einen Namen. 2009 mit seinem ersten Solo-Album «Summer in Sibirie» in der Hitparade. Zweites Album: «Kopf über Wasser».
Aktuell: Mit dem Degen kann man ihn am 2. und 3. Juni beim Heimturnier «Grand Prix de Berne» sehen. Mit dem Mikrofon tauft er am 9. Juni im Kornhauskeller Bern sein Album.

www.yurionline.ch

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
keines ich lese fast ausschliesslich nur Zeitungen - News und Stories über Themen wie Wirtschaft, Kultur und natürlich Sport interessieren mich sehr.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Tom  Sawyer fand ich Super - ein Rebell der das Abenteuer sucht

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Muhammad Ali - er war ein Wahnsinns Athlet der sich jedem Gegner stellte und er hat sich  als Sportler gegen Krieg und für Gleichberechtigung eingesetzt, dass schaffen wenige so überzeugend.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Intouchable im Kino - ein sehr gelungener Film

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Forrest Gump - dieser Film plus die Musik haut mich immer wieder vom Hocker

Ihr Lieblings-Filmheld?
Luke Skywalker - er weiss, dass er der Beste ist… aber viel Macht bringt eben grosse Verantwortung

Was für Musik hören Sie gerade?
aktuell bin ich gerade wieder auf einem Michael Jackson Flash

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Mobb Deep - the infamous

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
mit Udo Lindenberg - ich würde gerne mehr über die Reeperbahn erfahren, so wie sie früher war.

Was kochen Sie selbst?
Safran-Risotto

Ihre Lieblingsspeise?
Sushi

Ihr Lieblingsgetränk?
der Ginger The aus dem Coop (kein Witz)- eiskalt muss er sein

Mit wem essen Sie am liebsten?
mit meiner Familie

Und wo essen Sie am liebsten?
draussen auf der Terrasse oder im Garten

Mac oder PC?
Mac - aber spielt keine grosse Rolle

Auto oder Zug?
Zug - allgemein bin ich ein grosser Fan der Öffentlichen Verkehrsmittel in der Schweiz

Wein oder Bier?
Bier - kalt im Sommer einfach unschlagbar

Pasta oder Fondue?
Pasta - ich liebe Käse aber Fondue mag ich nicht...macht keinem Sinn ich weiss aber ist so....

Joggen oder Walken?
Joggen - walken habe ich noch nie ausprobiert

Berge oder Meer?
Berge - sie faszinieren mich und gehören zur Schweiz.

Wann haben Sie zuletzt geweint?
auf dem Podest 2011 in Stockholm - wo ich meinen ersten Grand Prix gewinnen konnte

Wie bringt man Sie zum Lachen?
the Big Bang Theorie - eine Sendung im TV

Welches Tier wären Sie am liebsten?
ein Elefant - einfach weil es mein Lieblingstier ist

Wovon träumen Sie?
von einer Welt ohne Hass

Was ist für Sie das grösste Glück?
Glück zu teilen





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Text: Oliver Joliat

Foto:
Philipp Zinniker, Keystone
Veröffentlicht:
Freitag 25.05.2012, 15:05 Uhr

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