This presentation requires the Adobe Flash Player. Get Flash!

Knackeboul: «Ich bin kein Weltverbesserer»

Der Rapper und Moderator (31) über seine Reise nach Mosambik, über unterschiedliche Meinungen und sein Image. 

Knackeboul inmitten von Kindern und Jugendlichen bei seinem Besuch in einem Dorf in Mosambik.

Knackeboul inmitten von Kindern und Jugendlichen bei seinem Besuch in einem Dorf in Mosambik.
http://www.coopzeitung.ch/knack Knackeboul inmitten von Kindern und Jugendlichen bei seinem Besuch in einem Dorf in Mosambik.

Coopzeitung:  Sie waren kürzlich für das Hilfsprojekt Viva con Agua zwei Wochen in Mosambik. Was haben Sie da gemacht?

Knackeboul:  Ich war dort mit einem Team aus Künstlern, Musikern und Mitarbeitern des Hilfsprojekts. Viva con Agua sammelt Geld (zum Beispiel an Open Airs) und unterstützt Projekte von Helvetas. Dabei geht es vor allem um Trinkwasser und sanitäre Anlagen. In Mosambik etwa wurden mehrere Brunnen gebaut. Bei dieser Reise ging es auch um den Austausch und ein Zusammentreffen mit der Bevölkerung. So haben wir etwa mit ihnen zusammen Musik gemacht.

Wie haben die Leute Sie aufgenommen?
Es war sehr eindrücklich. Als ich ankam, hatte ich am selben Abend ein Interview bei Radio Mosambik. Und dann sind wir in die Dörfer. Die haben keinen Strom und sie leben vor allem von der Landwirtschaft. Am Anfang gab es einen Empfang. Ich konnte aber nur schwer einschätzen, ob ich nun den echten Alltag sah oder ob das mehr eine Show war.

In einem Dorf haben Sie ja auch übernachtet.
Genau. Einmal haben wir jeweils zu zweit bei einer Familie in einer Lehmhütte übernachtet. Dadurch haben wir schon etwas mehr hineingesehen. Und obwohl es nur ein Bettgestell mit einem geflochtenen Mättchen drauf gab, habe ich erstaunlich gut geschlafen.

Und was für einen Eindruck haben Sie vom Leben dort?
Die Leute waren super herzlich. Wie man sich das so vorstellt – lächelnde Gesichter. Mir ist aber aufgefallen, dass viele Kinder komische Augen hatten. Also vermutlich krank waren. Ich habe auch viele geschwollene Bäuche gesehen. Ich mag es nicht, wenn die Leute sagen: Da gehst du nach Afrika, da sind sie arm, aber weisst du, die lächeln. Doch nur, weil sie lächeln, heisst das noch lange nicht, dass alles gut ist!


Haben die Leute erzählt, wie sich ihr Leben durch die Brunnen verändert hat?
Ja, das war sehr interessant. Einerseits ist jeder Tropfen Wasser, der in die Dörfer kommt, ein Segen. Rein von der Lebensqualität her und was Krankheitsprävention angeht. Andererseits kannst du nicht einfach einen Brunnen bauen und das Problem ist gelöst. Es geht auch um Sensibilisierung für Hygiene. Was mir auch aufgefallen ist: Die Stellung der Frau ist ein wichtiges Thema.

Was heisst das?
Ich war natürlich viel zu kurz dort. Aber nur schon all die Kinder. Es gibt Familien, die haben zehn Kinder! Und ich denke, eine Frau, die emanzipiert ist, die ihre Rechte kennt, würde nicht freiwillig zehn Kinder haben. Das Fazit meiner Reise ist deshalb: Wasser ist wichtig, aber Bildung ist auch unglaublich wichtig.

«

Ich finde eher die Ansicht, dass man nichts machen kann, ist naiv.»

Wie ist bei Ihnen eigentlich dieses Bewusstsein für solche Themen entstanden?
Ich bin in Portugal aufgewachsen, wo mein Vater und meine Mutter für ein Hilfswerk gearbeitet haben. Dieses hat sich unter anderem um Leute aus Mosambik und Angola gekümmert, die vor dem Hunger in ihren Heimatländern geflüchtet sind. Ich bin also teilweise mit diesen Kindern aufgewachsen. Inzwischen bin ich dankbar, dass ich das damals gesehen habe. Ich habe mitgekriegt: zwei Flugstunden von der Schweiz entfernt gibt es Familien, die zu zwölft in einer Baracke sitzen oder eine Mutter, die zu wenig Milch hat, um ihr Baby zu stillen, weil sie unterernährt ist.

Sie haben diesen Sommer auf Youtube eine flammende Rede zum Asylwesen und zu Immigration gehalten. Was gab es da für Reaktionen?
Es gab Lob, Kritik und auch schlimmste Anfeindungen. Manche fragten mich, wo willst du denn all die Leute hintun? Die Schweiz ist ein kleines Land, das stimmt. Aber rein aus Syrien war die Rede von 500 bis 1000 Flüchtlingen. Das ist nichts. Manche Leute werfen mir vor, blauäugig und naiv zu sein, aber ich finde eher die Ansicht, dass man nichts machen kann, ist naiv.

Was müsste sich ändern?
Ich denke, wenn sich nur schon das Bewusstsein bei vielen Menschen verändern würde, würde das mehr verbessern, als man denkt. Mir ist aber wichtig zu sagen: Ich bin auch nicht besser. Ich komme selbst auf den Psycho, wenn mein Natel-Akku leer ist, ich esse Fleisch, ich trage Nike-Turnschuhe. Ich bin kein Weltverbesserer in dem Sinne. Trotzdem finde ich es wichtig, dass man sich kritisch äussern darf, ohne dass gleich Sprüche kommen wie «was machst du denn dagegen?».

Im Video zeigen Sie gewisses pädagogisches Talent.
Ursprünglich haben mir immer alle gesagt, ich müsste Lehrer werden. Ich wollte aber Musiker werden. Durch Workshops mit Jugendlichen bin ich jetzt trotzdem so etwas wie ein Lehrer.

Ist Musiker und Lehrer nicht etwas Ähnliches? Sie stehen vor einer Klasse oder einem Publikum und möchten eine Botschaft rüberbringen.
Das mit der Botschaft mache ich aber nicht bewusst. Das Video war eher impulsiv. Aber es stimmt, beide haben eine Message. Ich fand es auch cool, so viel Feedback zu kriegen. Weil sonst auf der Bühne ist alles etwas seichter, was ich mache.

Aber ist es nicht ein schmaler Grat? Schlussendlich sind Sie ja vor allem Musiker.
Das stimmt. Aber bei mir ist alles ein schmaler Grat. Auch das mit dem Moderieren. Das war nie ein Lebensziel, es hat sich ergeben und es funktioniert auch noch gut. Aber eben, auch dort ist die Frage, was haben die Leute für ein Bild von mir. Und das ist auch das Thema auf meinem Album Picasso. Öffentliche Person, lustiger Typ, aber irgendwie doch kritisch, kann man den ernst nehmen – das ist noch schwierig.

Haben Sie das Gefühl, dass das Bild, das in der Öffentlichkeit von Ihnen besteht, in etwa dem entspricht, wie Sie selbst wirklich sind?
Irgendwie nicht. Aber das brocke ich mir sicher auch selber ein. Weil, wenn die Kamera läuft, dann musst du ein bisschen performen. Und Leute, die mich nur von dieser Seite kennen, die denken dann vielleicht, ich sei ein Hurlibueb – also so ein Luftibus.

Einer, der nie ernst ist.
Genau. Und das stimmt, ich witzle ja auch sehr gerne rum. Aber wer meine Musik kennt, weiss, dass ich immer beide Seiten hatte. Es gab immer auch nachdenkliche Songs und Themen und dann wieder lustigere Sachen. Auf meiner ersten Solo-CD 2006, da hatte ich viele kritische Songs drauf.

Sie leben stark vom jugendlichen Image. Werden Sie in zwanzig Jahren immer noch Käppi tragen und rappen?
Wenn ich heute in den Spiegel schaue, dann sehe ich nie einen Mann, sondern immer nur einen Buben. Deshalb muss ich mich auch nicht verstellen, um das zu tun, was ich heute tue. Als Kind wusste ich immer, dass ich irgendwann mal Leute unterhalten wollte, auf irgendeine Art. Und das werde ich wohl auch in zwanzig Jahren noch machen.

David Lukas Kohler (Knackeboul)

http://www.coopzeitung.ch/knack Knackeboul

Der Rapper und Moderator Knackeboul (31) heisst mit richtigem Namen David Lukas Kohler und ist in Langenthal und Portugal aufgewachsen. Schon als Jugendlicher begann er zu rappen. 2001 gründete er mit zwei Kollegen die Band Mundartisten. 2006 veröffentlichte er das erste von sechs Soloalben. Nach der Matura studierte er an der Hochschule für Künste in Bern. Gleichzeitig moderierte er für das Schweizer Jugendradio DRS Virus. Seit 2010 hat er beim Jugendsender Joiz eine eigene Sendung («KnackAttack», jeweils Montags, 17.30 Uhr). Für das Schweizer Fernsehen moderierte er zudem im Sommer 2012 und 2013 die Serie «Cover me».

Aktuell: Album «Picasso» mit Features von Heidi Happy und Polo Hofer.
Nächste Auftritte: Basel (23. November), Lenzerheide (30. November), Bern (1. Dezember), Zürich (5. Dezember), Aarburg (7. Dezember).

Homepage von Knackeboul

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Nicole Hättenschwiler
Foto:
Fabian Unternährer
Veröffentlicht:
Montag 18.11.2013, 21:56 Uhr

Weiterempfehlen:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?