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Der Star und seine kleinen Fans

«Mit Kindern zusammen zu sein, gibt einem so viel», sagt Stéphane Lambiel beim Besuch im SOS-Kinderdorf in Südkorea.

Stéphane Lambiel als SOS-Kinderdorf-Ambassadeur.

«Ich wollte mich schon immer gern für eine Organisation einsetzen, die Kinder unterstützt», sagt der Walliser Eisprinz Stéphane Lambiel. Als er angefragt wurde, hat er sofort zugesagt und ist nun offizieller SOS-Kinderdorf-Botschafter. Letztes Jahr besuchte er ein Dorf in Vietnam, diesen Sommer jenes in der südkoreanischen Grossstadt Daegu. «Ich konnte mit eigenen Augen sehen, dass das Konzept funktioniert», lautet sein Fazit. Die vom Österreicher Hermann Gmeiner gegründete Stiftung setzt sich auf der Welt für Hunderttausende von Kindern ein.

Stéphane Lambiel lud Kinderdorf-Pater John, Mutter Fabiola und ihre Kinder nach Seoul ein, von links: Min-Jeong, Won-Jin, Mo-Seck, Hyun-Yoo, Yu-Min, Mo-Rin und Ji-Won.

Stéphane Lambiel lud Kinderdorf-Pater John, Mutter Fabiola und ihre Kinder nach Seoul ein, von links: Min-Jeong, Won-Jin, Mo-Seck, Hyun-Yoo, Yu-Min, Mo-Rin und Ji-Won.
Stéphane Lambiel lud Kinderdorf-Pater John, Mutter Fabiola und ihre Kinder nach Seoul ein, von links: Min-Jeong, Won-Jin, Mo-Seck, Hyun-Yoo, Yu-Min, Mo-Rin und Ji-Won.

25. Januar 2005. An diesem Tag wurde sie geboren. Mehr weiss Yu-Min von ihrer Herkunft nicht und wird sie auch nie erfahren. Die Mutter überliess sie ihrem Schicksal. Sie brachte das Neugeborene in eine mit der Baby-Klappe in Einsiedeln vergleichbare Einrichtung. Ihren Namen erhielt Yu-Min im SOS-Kinderdorf im südkoreanischen Daegu, wo sie schliesslich ihren Platz fand. «100 Tage war sie alt, als sie hier ankam», sagt Chun-Ja Yang, genannt Fabiola, ihre Kinderdorf-Mutter. Yu-Min lebt mit Fabiola und sechs «Geschwistern» – alle aus schwierigen Verhältnissen – in einem kleinen Haus nahe beim Verwaltungssitz des Dorfs. Das «Dorf» ist ein Ensemble von freundlichen, von Rasen umgebenen Backsteingebäuden in der Agglomeration der Millionenstadt Daegu.

Heute ist ein besonderer Tag im SOS-Kinderdorf. Der Schweizer Eiskunstläufer Stéphane Lambiel kommt zu Besuch. Yu-Min und ihre jüngste Schwester Mo-Rin tragen beide farbenfrohe, traditionell koreanische Hanbok-Kostüme und überreichen den Gästen aus der Schweiz Blumen. Alle sieben Kinder von Mutter Fabiola strahlen, denn sie treffen den berühmten Eisstar nicht zum ersten Mal.

Olympiasiegerin Yuna Kim.

Olympiasiegerin Yuna Kim.
Olympiasiegerin Yuna Kim.

Am Tag zuvor hatten sie auf seine Einladung hin Seoul besucht und hatten ihn und die berühmteste Koreanerin, Olympiasiegerin Yuna Kim, auf dem Eis erlebt. «All that Skate» heisst das koreanische ­Pendant zur Schweizer Eiskunstlaufgala «Art on Ice». Auch diese Show verbindet Darbietungen der weltbesten Eiskunstläufer mit fantastischen Video- und Lichtspielen (einzig die Live-Musik fehlt).

Stéphane Lambiel, der x-fache Schweizermeister und 2-fache Weltmeister, ist in Südkorea einer der gefragtesten Künstler. Und Eisshows sind in Südkorea äusserst beliebt. Mehrmals pro Jahr gibt es mehr­tägige, immer ausverkaufte Eisspektakel. Mehr noch als in der Schweiz sind die Shows in Seoul Magnete für kinderreiche Familien und für ganz junge Menschen. Seit Yuna Kim 2010 in Vancouver die Goldmedaille gewann, kennt die Begeisterung keine Grenzen. Bei «All that Skate» steht die 21-jährige Kim überdeutlich im Vordergrund, doch auch die anderen ­Eiskünstler – darunter etwa Sarah Meier – werden bejubelt. «Ein so verrücktes Publikum wie in Seoul gibt es sonst nirgends», erzählt Stéphane Lambiel beim Bummel durch die Stadt: «C’est fou!».

Und tatsächlich: Schon beim Auftaktlied «Fame, what a feeling» wird im Olympiastadion jeder einzelne Läufer mit so viel Geschrei und Gekreisch begrüsst, dass einem die Ohren dröhnen. «Es ist wie bei einem Konzert von Madonna», sagt Lambiel und der Vergleich mit einem Pop- event passt 100 Prozent. Eiskunstläufer sind hier Topstars. Jedes zweite südkoreanische Mädchen träumt davon, Eisprinzessin und eine zweite Yuna Kim zu werden – so wie bei uns junge Mädchen von einer Modelkarriere träumen. Mit Yuna Kim tauschen möchte Stéphane Lambiel aber nicht: Rund um die Uhr wird sie von Body Guards begleitet.

Auch der Schweizer Eisprinz wird von den koreanischen «All that Skate»-Organisa­toren und vor allem von der Englisch ­sprechenden Betreuerin Anny Kim ziemlich ­abgeschirmt. So macht Anny auch auf mehrmaliges Insistieren immer wieder eine ­rätselhafte, aber schliesslich ablehnende Geste, als wir Lambiel und die aus Daegu angereiste Kinderdorf-Familie vor dem gigantischen Yuna- Kim-Plakat beim Haupteingang des Stadions fotografieren wollen. «Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das für ­einen Tumult gäbe, sobald die Fans Stéphane erkennen», meint Anny und lotst uns fürs Foto dezidiert zum ruhigeren Vip-Eingang. Einige der zufällig Herumstehenden bitten dann Stéphane Lambiel dort tatsächlich sofort und stürmisch um Autogramme.

Eiskunstläufer Stéphane Lambiel bringt die Kinder zum Springen, Hüpfen und Strahlen. Hier die 4-jährige Mo-Rin auf dem SOS-Kinderdorfplatz in Daegu.

Eiskunstläufer Stéphane Lambiel bringt die Kinder zum Springen, Hüpfen und Strahlen. Hier die 4-jährige Mo-Rin auf dem SOS-Kinderdorfplatz in Daegu.
Eiskunstläufer Stéphane Lambiel bringt die Kinder zum Springen, Hüpfen und Strahlen. Hier die 4-jährige Mo-Rin auf dem SOS-Kinderdorfplatz in Daegu.

Fabiola und die sieben Kinder aus Daegu staunen, verlieren aber schnell die Scheu. Stéphane gelingt es mit wenigen Gesten, das Eis zum Schmelzen zu bringen. «Das Schöne ist, dass man nicht ihre Sprache reden muss, um sich mit Kindern zu verstehen», sagt er später. Der 9-jährige Won-Jin ist der Mutigste der Schar, er nimmt Stéphanes Hand und lässt sie fast nicht mehr los. Yu-Min und Mo-Rin schauen den Schweizer mit ihren ernsten Augen von allen Seiten prüfend an, bis sie ihm dann auch die Hand reichen. Nach all dem, was die zwei Mädchen in frühster Jugend erlebt haben, erstaunt ihr Zögern nicht.

Während in vielen Ländern Afrikas vor allem Aids-Waisen in den SOS-Kinderdörfern leben, sind es in Südkorea oft Sozialwaisen wie Yu-Min. Auch die Eltern von Mo-Rin und ihrem Bruder Mo-Seck leben wohl noch. Die Mutter hatte ihren Mann mit den zwei kleinen Kindern und einem Berg von Schulden zurückgelassen. Um die Ehre zu retten, versuchte der Mann, die Schulden zu begleichen, kam aber immer mehr ins Strudeln. Als er sich nicht mehr zu helfen wuss­- te, brachte er seine zwei ­Kleinen in eine Einrichtung, die Kinder an gute Plätze vermittelt. Mo-Rin und Mo-Seck gehören nun zur SOS-Familie von Fabiola. Ein Grossvater erkundige sich ab und zu nach ihnen. «Doch wo die Eltern sind, wissen wir nicht», sagt Fabiola. Sie werden versucht haben, irgendwo ein neues Leben anzufangen.

Am Tag des Besuchs des Eiskunstläufers tritt die dramatische Vergangenheit der Kinder in den Hintergrund. Nach der Begrüssung wird der Eisstar in den Kindergarten der SOS-Anlage geführt, wo ihn über 100 Kinder in Schuluniform applaudierend willkommen heissen. Auf einer Leinwand wird aus YouTube ein Lambiel-Auftritt vorgeführt – und jeder Sprung begeistert beklatscht. Dann betritt Stéphane die Bühne und erzählt auf englisch seine Lebensgeschichte. Übersetzer Lee Kang Hun vom Kinderdorf setzt die Kinder auf koreanisch ins Bild. Stéphane verdankt seiner Mutter sehr viel, denn sie nahm seinen Wunsch, Schlittschuh zu laufen, von Anfang an ernst. Ab dem siebten Lebensjahr brachte sie ihn fürs Training fast täglich vom kleinen Walliser Dorf Saxon nach Lausanne und später nach Genf, das ihm damals riesig vorkam. «Wie gross Seoul erst ist!», sagt Stéphane Lambiel. Er findet solche Millionenstädte zwar faszinierend, kann sich aber kaum vorstellen, in ­einem der eng beieinander stehenden Wolkenkratzer der Metropole zu ­leben.

Er führt nun auf der Bühne die Drehungen vor, die er als Kind in der Garage übte, und die der Anfang seiner unglaublichen Pirouetten waren. Am Anfang wurde ihm davon schwindlig, doch er gab nicht auf und übte jeden Tag. «Niemand fängt an und ist schon gut», sagt er und vergleicht das Eiskunstlaufen mit dem Spielen eines Musikinstruments. «Zuerst ist es nur ein Klang, erst nach Jahren wird es Musik». Dann führt er auf dem Trockenen einige erstaunlich hohe Sprünge vor und einige Buben versuchen, es ihm gleichzutun. Schwierig! Er macht den Kindern Mut, an sich zu glauben: «Give all your soul! Was ihr werden wollt, ist nicht so wichtig», sagt er, «aber macht das, was euch interessiert, mit Leidenschaft! Be a passionate person!».

Beim Mittagessen, das Fabiola für ihre Sprösslinge und die Gäste aus der Schweiz zubereitet hat, drängen vor allem die jüngsten Kinder in Stéphanes Nähe. Die 13-jährige Min-Jeong strahlt ihn von Weitem an. Die Eisshow in Seoul habe ihr sehr gefallen, übersetzt Lee Kang Hun. Stéphanes zweiter Auftritt, wo er zum Lied «Don’t stop the music» einen schwer verliebten Gigolo spielte, habe sie völlig umgehauen. Stéphane selber ­bevorzugt von den beiden Auftritten momentan den eher klassischen, bei dem er seine Anmut zu einem Prélude von Rachmaninov zeigt. Er fing ganz ruhig an und brachte das zur Hysterie neigende koreanische Publikum für Momente zum Innehalten, um es mit seinen Pirouetten alsbald wieder zum Toben zu bringen. Die am Vortag erlebte Eisshow ist auch hier in Daegu Thema Nummer eins. «So amazing!» ist der wiederkehrende englische Ausruf zu dem Erlebnis, das sonst nur wohlhabenden Familien vergönnt ist. «Das Publikum liebt es, viele verschiedene Facetten eines Eiskunstläufers zu sehen», erklärt Lambiel.
Zum Essen sitzen alle am Boden, ein niedriger Tisch ist das einzige Möbel im Raum. Die Schlafzimmer der Jugendlichen sind ebenfalls kaum möbliert, denn zum Schlafen rollt man sich in Korea in eine Decke. Auch der 14-jährige Hyun-Yoo war vom Seoul-Ausflug vollauf begeistert, der Besuch eines Fussballmatches wäre ihm allerdings fast näher am Herzen gewesen, wie er lächelnd zugibt.
Das sehen die zwei Teenies anders, die im SOS-Garten auf einer Bank sitzend darauf ­hoffen, dass Stéphane Lambiel noch einmal vorbeiläuft. «Hi!», rufen sie dann strahlend und eine sagt kichernd: «He is so good looking!». Lambiels edle Walliser Gesichtszüge beeindrucken sie offenbar noch fast mehr als sein Können auf dem Eis …

SOS: Kinderdorf: Spenden Sie Coop-Superpunkte!

Jedes Kind soll in einer Familie aufwachsen – geliebt, geachtet und behütet. ­Dafür setzt sich SOS-Kinderdorf seit über 60 Jahren in heute 133 Ländern ein. Neben der Sicherstellung ihrer Grund­bedürfnisse sollen die Kinder im SOS-Kinderdorf auch die Geborgenheit einer Familie spüren dürfen.
Wer eine Coop-Supercard hat, kann ein SOS-Kinderdorf mit Punkten unterstützen. Bisher haben Coop-Kunden 43 Millionen Superpunkte gespendet. Damit konnte je ein Familienhaus in den SOS-Kinderdörfern in Makeni in Sierra Leone und in Quthing in Lesotho gebaut werden. 20 Kinder, die sonst auf der Strasse leben müssten, erhalten hier Liebe, Achtung und Sicherheit.

SOS-Kinderdorf

Ein Schweizer erobert die Welt.

Am meisten kreischt das Publikum, wenn Olympiasiegerin Yuna Kim (rechts neben Lambiel) das Eis betritt.

Am meisten kreischt das Publikum, wenn Olympiasiegerin Yuna Kim (rechts neben Lambiel) das Eis betritt.
Am meisten kreischt das Publikum, wenn Olympiasiegerin Yuna Kim (rechts neben Lambiel) das Eis betritt.

Die Zeit der Wettkämpfe ist vorbei, Stéphane Lambiel hat jetzt mehr Freiheiten. Er tritt jährlich weltweit in 40 Städten auf. In Seoul, wo er der gefragteste ausländische Läufer ist, sind die Eiskunstlaufshows wie Popkonzerte, das Publikum schreit und jubelt. Am meisten kreischt es, wenn Olympiasiegerin Yuna Kim das Eis betritt. Ihre Ausdruckspalette ist wie die von Lambiel unheimlich breit. Bei seinem Auftritt zu «Don’t stop the music» spielt Lambiel einen nächtlichen Gigolo.

Er ist viel gereist und kennt etliche riesige Metropolen.

Doch so dicht beieinander wie in Seoul lebt man in kaum einer anderen Grossstadt. Stéphane Lambiel ist fasziniert: «Wenn man den Stadtplan anschaut, kann man nicht glauben, dass ein so grosses und kompliziertes Metrosystem funktioniert», sagt der Schweizer.

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Eva Nydegger

Redaktorin und Projektleiterin der Coopzeitung Leserreisen

Foto:
Georgios Kefalas
Veröffentlicht:
Montag 19.09.2011, 09:57 Uhr

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