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Roland Luder: «Wir nehmen die Menschen ernst»

Moderator Roland Luder über «Beobachter TV», seine Eitelkeit, sein Engagement als Vater, seine Band Emozione, und was es bedeutet, ein YB-Fan zu sein.

Coopzeitung: Was hat Sie vier Jahre nach Ihrem Ausstieg bei «Schweiz aktuell» zur Rückkehr auf den Bildschirm bewogen?

Roland Luder: Für mich ist die Zeit nach sieben Jahren bei «Schweiz aktuell» einfach reif für eine Luftveränderung gewesen. Als mir die Moderation von «Beobachter TV» angeboten wurde, reizte mich das Life-Coa-ching-Konzept, bei dem wir die Leute nicht einfach ins Studio einladen, sondern reportageartig zu ihnen hin- gehen und im Alltag sehen, wo ihre Probleme liegen.

Spielt bei einem «Beau» wie Ihnen die Eitelkeit nicht auch eine Rolle?
Sie werden es mir nicht glauben, aber es ist mir nicht wichtig, im Rampenlicht zu stehen! (lacht) Das Moderieren zählt wohl zu meinen Talenten, aber ich bringe mich lieber hinter der Kamera ein. Als man mich einst fragte, ob ich vom DRS1-Konsumentenmazin «Espresso» zu «Schweiz aktuell» wechseln möchte, habe ich lange gezögert. Ich ziehe es vor, privat nicht erkannt zu werden.

Welche Themen behandelt «Beobachter TV»?
In der ersten von acht Folgen geht es um Start-up-Firmen, was ich besonders spannend finde, da ich selbst Jungunternehmer geworden bin und deshalb gut nachvollziehen kann, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind. Die folgende Staffel dreht sich dann ums Bauen, Mieten und Wohnen.

Worum geht es in der ersten Sendung konkret?
Am 13. Februar geht es um zwei junge Männer, die in den USA coole Brillen kennengelernt haben, die man für Werbezwecke, als Fanartikel oder Party-Accessoire einsetzen kann. Die Kunden wählen online das Modell aus und gestalten die perforierte Folie, die auf die Brillengläser aufgebracht wird. Ich habe dieses Start-up zusammen mit «Beobachter»-Experten besucht, die die Schwierigkeiten analysierten und zusammen mit den Unternehmern Tipps zur Selbsthilfe erarbeitet haben.

Der «Beobachter» hat einen ausgezeichneten Ruf. Wie versuchen Sie ihm gerecht zu werden?
Wir wollen nicht einfach ein weiteres Fernsehunterhaltungsformat machen, sondern nehmen die Menschen und ihre Sorgen wirklich ernst, denn die Emotionen, die im Spiel sind, haben ihren Grund: Von der Entwicklung dieser Start-ups hängen Existenzen ab. Wenn die Fisch-Veredelungsfirma, die wir ebenfalls beraten, nicht bald die Kurve kriegt, fährt sie gegen die Wand.

«

Sie werden es mir nicht glauben, aber es ist mir nicht wichtig, im Rampenlicht zu stehen!»

Was hätten Sie bei Ihrem eigenen Start-up besser machen können?
Es wäre sinnvoll gewesen, strukturierter vorzugehen und einen richtigen Businessplan zu erstellen. Dafür hätte es gute Leitfäden gegeben, etwa ein «Beobachter»-Handbuch ... Dort hätten wir sicher auch betreffend Umgang mit der Bürokratie oder Kundenbetreuung viel Know-how gefunden, das wir uns mühsam aneignen mussten.

Sie glaubten, Sie hätten keinen Ratgeber nötig?
Lustigerweise sind die meisten Start-upper dieser Meinung! (lacht) Sie haben ihren Businessplan nicht aufgeschrieben, sondern nur im Kopf. Nur bringt das weder Kredite noch Investoren.

Bei Ihrem Abgang von «Schweiz aktuell» wollten Sie noch Vollzeitvater sein.
Das habe ich auch realisiert, wobei ich schon vorher nur zwischen 50 und 70 Prozent in meinem Beruf gearbeitet und mich in der übrigen Zeit um meinen Sohn gekümmert hatte. Ich habe es genossen, noch mehr mit ihm unternehmen zu können. Inzwischen ist er jedoch elf Jahre alt: Da braucht er keine Rundumbetreuung mehr. Und seine Mutter kann ihre Arbeitszeit selbst einteilen.

Sie arbeiten zusätzlich auf der Nachrichtenredaktion von Schweizer Radio SRF. Wo laden Sie Ihre Batterien wieder auf?
Ich spiele über Mittag Fussball oder Tennis und zu Hause beinahe meditativ Klavier. Alle zwei Monate trete ich als Sänger mit der Party-Band Emozione auf, wo wir Italosongs covern. Und morgens geniesse ich es, zu Fuss durch die Altstadt ins Büro gehen zu können.

Fiebern Sie mit YB?
Ja, ich habe wieder Feuer gefangen – dank meinem Sohn. Ich bin schwer überzeugt, dass die Mannschaft in der Rückrunde leistungsmässig wieder den Anschluss an die Super-League-Spitze finden wird. Als YB-Fan ist man ja dazu verdammt, Optimist zu sein.

Soll das Publikum mittwochs um 19 Uhr nun von Ihrer Ex-Sendung «Schweiz aktuell» auf «Beobachter TV» umschalten?
Was soll ich sagen? Ich rate den Leuten, bei uns live dabei zu sein und die Berichte der Kollegen anschliessend bei einer der Wiederholungen auf SRF info nachzuholen. Oder uns sonntags um 18.15 Uhr auf SRF 1 zu sehen. Hauptsache, sie verpassen unsere Sendung nicht!

Roland Luder

Beruf: Moderator, Redaktor, Videoproduzent
Geboren: 10. Mai 1964 in Ittigen BE
Zivilstand: ledig, ein Sohn (11)
Wohnort: Bern
Laufbahn: Primarlehrer und Medienwissenschafts-Studium, freier Journalist, Redaktor und Moderator bei Radio Extra Bern und Förderband, DRS3 und DRS1, 2003 bis 2009 Moderator bei «Schweiz aktuell» (SF1). Seit 2011 eigene Video-Produktionsfirma Coloraffairs, Teilpensum als SRF-Nachrichtenredaktor.
Aktuell: «Beobachter TV» (SRF2, mittwochs 19 Uhr, Wiederholung sonntags 18.15 Uhr).
«Beobachter TV» sucht noch spannende Kandidaten und Storys fü r die zweite Staffel zum Thema «besser wohnen». Melden Sie sich bitte unter: www.beobachtertv.ch

 

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Ueli Augsburgers «Schattwand». Ein Schweizer Bergkrimi. Ich liebe mythische  Geschichten in den Bergen.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Eine Frau. Die TV-Reporterin Milla Nova. Sie gerät in Christine Brands Krimi «Das Geheimnis der Söhne» auf ihrer Spurensuche für eine Reportage selbst ins Fadenkreuz eines Mörders. Sie wirkt dabei so authentisch, dass ich fast sicher bin, ihr auch schon mal in einer Berner Beiz begegnet zu sein.

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Menschen, die sind, was sie darstellen

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
«Bottled Life», den Dok-Film über Nestlés Geschäfte mit dem Wasser. Der Film hat übrigens Am Filmfestival Graz grad die Auszeichnung «Kamera Alpin Gold» in der Kategorie «Natur und Umwelt» gewonnen. Sehr empfehlenswert.

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Jeden Almodovar,  jeden Woody Allen.

Ihr Lieblings-Filmheld?
Comissario Montalbano. Er ermittelt in Sizilien gegen die Mafia, hat aber ein Herz für die kleinen Sünder und isst liebend gerne schweigend.

Was für Musik hören Sie gerade?
Ich bin immer wieder auf der Suche nach geeigneten Songs für unsere Italo-Cover Band «Emozioni» und hör mir darum grad die 50ger und 60ger Jahre Hits aus Bella Italia an.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Die kommende Scheibe der Berner Combo Matto Rules. Wir drehten für Sie eben ein Musikvideo zur neuen Single «SYD» in einer alten Papierfabrik. Wir mussten den Song etwa 100-mal abspielen um genug Bildmaterial zu bekommen; das ertrage ich nur bei guten Songs.

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Tom Waits. Er trinkt glaub nicht mehr aber ich denke dass er auch bei einem Grüntee eine Menge schräge Sachen erzählen würd.

Was kochen Sie selbst?
Am liebsten Italienisch, zum Beispiel Orata mit viel gutem Olivenöl und Rosmarin, Braten mit einer Menge Thymian und Rotwein

Ihre Lieblingsspeise?
Sashimi und Fondue Chinoise

Ihr Lieblingsgetränk?
Rotwein, einmal im Jahr gönn ich mir einen «Mille e una Notte» aus Sizilien

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meiner Familie

Und wo essen Sie am liebsten?
Auf einer Sonnenterrasse mit Aussicht aufs Meer

Mac oder PC?
Was ist ein PC?

Auto oder Zug?
Ich habe ein GA

Wein oder Bier?
Bier nur zu Thai-Food oder anderen scharfen Sachen

Pasta oder Fondue?
Pasta in Italien, Fondue im Schneetreiben

Joggen oder Walken?
Weder noch: ohne Fuss- oder Tennisball vor mir laufe oder renne ich kaum freiwillig.

Berge oder Meer?
Im Sommer die Sehnsucht nach dem Berggrün, im Winter die Vorfreude auf das Meernass.

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Während Filmen passiert mir das öfters.

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Giaccobo und Müller des öftern.

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Ein Adler, keine Frage.

Wovon träumen Sie?
Von einer längeren Auszeit. So zwei Monate pro Jahr einfach weg, das wäre was.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Die Möglichkeit und Entscheidungsfreiheit darüber zu haben, das Glück selber in die Hand nehmen zu können.

Moderator Roland Luder auf Bergtour
Beobachter TV ab 20. Februar auf SRF 2

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 11.02.2013, 15:00 Uhr

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