Eine Miesmuschel kommt (glücklicherweise) selten allein.

Miesmuscheln: Muscheln nach Prinzenart

Es gibt viele Mittel, um eine unzufriedene Frau glücklich zu machen. Wenn Sie einmal nicht weiter wissen, gehen Sie doch mal angeln – oder versuchen Sie Ihr Glück mit Miesmuscheln, diese seien einfach märchenhaft gut, heisst es ...

Fischer Haakon hat es nicht leicht. Nur selten geht ihm ein wirklich guter Fang ins Netz. Seine Vorfahren waren grosse Helden der Seefahrt, Wikinger allesamt. Aber sein Boot ist so klein, dass er von den Berufskollegen nur belächelt wird. Das sind natürlich richtige Kerle mit dicken Oberarmen – auch damit kann Haakon nicht protzen. In der Beiz abends hätte Haakon gar keine Chance, seine Mannesehre zu retten, wäre da nicht seine hübsche Frau Vilde.

Vor drei Jahren hatte sie, die Schöne aus dem Nachbardorf, ihre grossen, grünen Augen auf ihn geworfen, drei Monate später waren sie verheiratet. All die Kerle in der Beiz mit den bellenden Stimmen waren still und schauten überrascht. Ob Haakon über irgendwelche geheimen Fähigkeiten verfügt, die ihnen bis anhin entgangen waren? Sie zuckten mit den Schultern. Haakon selbst auch, er konnte sich die Liebe seiner Frau auch nicht wirklich erklären. Nichtsdestotrotz bleibt ihr Glück zweieinhalb Jahre ungetrübt.

Neuerdings jedoch ist sie so furchtbar launisch. Was soll er nur tun, er kennt sich doch nicht aus mit den Frauen? Immer wieder schenkt er ihr das schönste Exemplar seines Fangs, das sie ungerührt verschmäht. Eines Tages gerät ihm ein überdimensionaler Butt ins Netz, sein Herz beginnt zu klopfen. «Das ist meiner!», denkt er erfreut. Doch der Butt beginnt zu sprechen: «Lass mich frei, dann gewähre ich Dir einen Wunsch. Ich bin ein verwunschener Prinz!» Fischer Haakon fällt fast aus dem Boot. «Vielleicht bin ich ja auch ein Prinz?!», denkt er, doch merkt er schnell, dass er mit dieser Fantasie nicht weit kommen wird.

«Hei Mann, hast du nun einen Wunsch?», fragt der Butt ungeduldig. «Meine Frau, die weiss nicht, was sie will ...», stottert der Fischer verlegen. «Deine Frau will keinen Fisch, die will Muscheln. Und jetzt lass mich frei», gluckert der Butt. Muscheln? Nein, auf diese Idee wäre Haakon nie gekommen. Wie soll er das anstellen? Zweimal noch nimmt er den Rat des treuen Butts zu Hilfe, dann ist er parat: Er rammt einige Baumpfähle tief in den Meeresboden. Das geht einfacher als gedacht, hat er doch mit den unterschiedlichen Wasserständen von Ebbe und Flut zwischen den Fjorden der norwegischen Küste ideale Zuchtbedingungen. Er befestigt dicke Taue an diese Pfähle, an die sich die Miesmuscheln mit ihrem kräftigen Byssusfaden von allein heften.

Nach der ersten Ernte nennt er sich Muschelbauer statt Fischer und serviert Vilde Miesmuscheln nach Prinzenart (Rezept siehe online). Als Vilde ihren Schatz mit den nicht ganz so kräftigen Oberarmen nach diesem Mahl wieder ganz verliebt und glücklich anstrahlt, klopft es an der Tür. Dort steht ein junger, stattlicher Herr: «Guten Tag, ich habe gehört, hier gibt es etwas Gutes zu essen?» Haakon ist sich nicht sicher, aber blinkt da nicht eine goldene Krone unter seiner Mütze hervor?

Liebe Leser, haben Sie das Original dieser Geschichte erkannt? Wer hat es geschrieben? Schreiben Sie uns Verfasser und den richtigen Titel dieser Geschichte in einen Kommentar. Und das Rezept «Miesmuscheln nach Prinzenart» finden Sie hier.

Muscheln nach Prinzenart (Gratinierte Muscheln) – Vorspeise für 4 Personen

Zutaten:
1 kg Miesmuscheln
2 dl Weisswein
100 g Butter (zimmerwarm)
2 Schalotte (feingehackt)
2 Knoblauchzehen (gehackt)
4 EL Paniermehl
2 EL Parmesan (gerieben)
2 EL Sudwasser
Salz, Pfeffer
500 grobes Meersalz
Petersilie (glatt, gehackt)
1 Baguette

Zubereitung:
1 kg Miesmuscheln gründlich waschen. Mit 2 dl Weisswein, einer Schalotte, etwas Salz und Pfeffer aufkochen bis sie sich öffnen.

Die Muschelhälften mit Muschelfleisch wie folgt füllen:
Butter mit (zweiter) feingehackter Schalotte, gehackten Knoblauchzehen, Salz / Pfeffer, Paniermehl, Parmesan, Sudwasser vermischen. Diese Buttermischung auf das Muschelfleisch in der Schale streichen.
Muscheln auf ein mit Meersalz bestreutes Backblech oder eine Gratinform setzen (sie rutschen dann nicht so umher) und ca. 5 Minuten unterm Backofengrill gratinieren. Mit Petersilie bestreuen und einem frischen Baguette servieren.

Bis zu 12 Millionen Eier

Zwei- bis dreimal pro Jahr gibt jede weibliche Muschel 5 bis 12 Millionen Eier ins Wasser ab, während die Männchen ihren Samen freisetzen. Die befruchteten Eier treiben als Plankton mit der Strömung, 99,9 Prozent werden gefressen. Auch als Larven gehören die Miesmuscheln noch zum Plankton, bis sich die Jungmuschel mitunter Hunderte von Kilometern vom Ort der Zeugung entfernt niederlässt.

Heute werden Muscheln meist aus Zuchten gewonnen, die in grossen Zuchtbecken aufgezogen und dann ins Meer ausgesetzt werden. Jetzt hat die Muschelsaison richtig begonnen. Die Miesmuscheln bei Coop stammen aus Spanien. Miesmuscheln sind kalorienarm und proteinreich. Gekochte Muscheln müssen geöffnet sein, sonst sind sie ungeniessbar.

Aus Liebe zu Fisch und Meer

«Vielen Dank dem charmanten Flussfischer Serge und dem Hummerfischer, den ich einmal bei Flut am Strand traf!», sagt die Buchautorin am Ende dieses wunderschön fotografierten und sehr informativen Buches über Fisch und anderes Meeresgetier. Die Autorin hat vor Ort, zum Beispiel in der Bretagne, recherchiert. Neben vielen Rezepten präsentiert sie auch wertvolles Know-how aus der Warenkunde.

Delphine de Montalier: «Fisch & Meer», Christian Verlag, Fr. 27.90.

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Bettina Ullmann

Redaktorin

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Montag 29.10.2012, 11:00 Uhr

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