Weder Aprikosen noch Kakis: Es sind Mispeln.

Mispeln: Neue Bekanntschaften

Es gibt immer noch Früchte, die man vielleicht noch nie wahrgenommen und gekostet hat. Haben Sie zum Beispiel schon mal eine Mispel probiert? Eine Geschichte aus Berlin.

Es war damals in Berlin-Kreuzberg auf dem türkischen Markt am Maybachufer. Hier tummeln sich nicht nur Berliner und alle, die sich dazu zählen, sondern auch sehr viele Touristen. Ob Leinwände, Socken oder günstige Tomaten im Kilo – auf diesem Wochenmarkt am Landwehrkanal, der streng genommen nicht in Kreuzberg, sondern in Neukölln liegt, kriegt man so gut wie alles. Fast alles kostet so gut wie nichts. Zwischen den blank geputzten Peperoni, Auberginen, Äpfeln und anderem Saisongemüse und -obst leuchteten mir diese hellorangefarbigen Früchte entgegen. «Yeni dünya» stand dort angeschrieben. «Aprikosen?!», dachte ich. Nein. Nicht nur, dass die Haut im Gegensatz zu Aprikosen glatt und völlig unbehaart war, auch die Form der «yeni dünya» (übersetzt «neue Welt») war ovaler als die von Aprikosen. Den grössten Unterschied zu anderen mir bekannten Früchten jedoch machte ihre grosse Fliege.

Der türkische Händler schnappte meinen fragenden Blick auf und rief lautstark: «Mispeln!». Ich ging einen Schritt auf ihn zu und erwiderte: «Was sind Mispeln?» Da war er glücklich, der Händler, ich war der Fisch, auf den es seine Angel abgesehen hatte. Strahlend teilte er die Mispel in zwei Hälften. Im Inneren taten sich drei relativ grosse, glatte, dunkel-
braune Kerne auf, die er herausnahm. Auffordernd hielt er mir eine halbe Mispel entgegen: «Probieren Sie mal!»

Das Fruchtfleisch war fest und saftig und sein süss-saures, dezentes Aroma sehr angenehm im Geschmack.

Diese Begegnung liegt nun 25 Jahre zurück. Nicht nur in Berlin-Kreuzberg werden Mispeln verkauft, sondern inzwischen auch andernorts. Auch Coop führt seit einiger Zeit diese so vertraut anmutenden und dennoch «fremden» Früchte. Doch wenn man – nunmehr neugierig geworden – etwas Schriftliches über Mispeln sucht, kann man lange suchen. Küchenlexika, Rezeptbücher, Frucht- und Beerennachschlagewerke äussern sich kaum über diese Frucht aus der Familie der Rosengewächse.

Doch glücklicherweise konnte mir damals schon der türkische Händler auf meine Frage, was man mit Mispeln anstellen könne, antworten. In seiner Familie würden die feinen «yeni dünya» seit jeher roh und frisch verzehrt. Besonders Kinder würden ihren zarten Geschmack sehr lieben. «Und meine Grossmutter liebte sie auch», sagte er lachend, «denn sie konnte die enthäuteten Früchte gut beissen, obwohl sie keine Zähne mehr hatte.» Man könne Mispeln aber auch zu feinen Gelees verarbeiten und sogar in herzhaften Fleischgerichten wie grillierte Hackfleischbällchen mit Mispelhälften anrichten. Der Händler und ich verabschiedeten uns herzlich und ich zog stöbernd einige Marktstände weiter. Solche Begegnungen nenne ich wahrhaftig Markt-Erlebnisse, wie sie genau nach meinem Gusto sind.

Mispelkompott auf Vanilleglace

Ca. ½ kg Mispeln in 1 dl Wasser und 1 dl Rotwein und mit 200 g braunem Zucker und 1 Zimtstange ca. 15 Minuten weich kochen. Etwas abkühlen lassen und über der Glace verteilen.

Grillierte Hackfleischbällchen mit Mispeln

500g Hackfleisch mit Salz, Pfeffer, Knoblauch, Rosenpaprika würzen.

Zu Röllchen (wie Cevapcici) formen, Mispeln waschen, halbieren, Kerne herausnehmen, Nabel oben und unten entfernen, jeweils ein Bällchen und eine Mispelhälfte abwechselnd auf einen Grillspiess reihen.

Im Backofen (Grillstufe) oder auf dem Grill ca. 25 min. garen.

Papaya: Macht Fleisch zart

Die tropische Frucht Papaya mit ihrem süss-sauren Aroma ist ein echtes Allround-Talent: Sie schmeckt nicht nur zu süssen und herzhaften Speisen, sondern auch in Getränken oder als Konfitüre. Sie enthält ausserdem das Enzym Papain, das Fleisch besonders zart macht.

Jamaikanisches Chicken

Zutaten

(Für 4 Portionen)

30 g Ingwer
1 Knoblauchzehe
1 rote Pfefferschote
2 El abgeriebene Bio-Limettenschale
6 El Limettensaft
4 El Olivenöl
8 Hähnchenunterschenkel (à 80 g)
1 Papaya
150 g Zuckerschoten
100 ml Kokosmilch
Salz
Pfeffer
20 g Butterschmalz
250 ml Brühe

Zubereitung

1. Ingwer und Knoblauch schälen, Pfefferschote halbieren und entkernen. Alles fein würfeln und mit Limettenschale, -saft und Olivenöl verrühren. Die Unterschenkel mit der Hälfte der Marinade in einem Gefrierbeutel mischen und 2 Stunden im Kühlschrank durchziehen lassen.

2. Papaya schälen, vierteln, entkernen, in Scheiben schneiden. Zuckerschoten längs in Streifen schneiden. Alle Zutaten mit der restlichen Marinade mischen. Kokosmilch unterrühren.

3. Die Unterschenkel mit Küchenpapier abtupfen, mit Salz und Pfeffer würzen und im heißen Butterschmalz rundherum braun anbraten. Brühe zugießen und im vorgeheizten Ofen bei 200 Grad (Gas 3, Umluft 180 Grad) auf der 2. Schiene von unten 20-30 Minuten garen. Hähnchen mit dem Salat servieren.

Getrocknete Aprikosen: Süss oder herzhaft

Frische und getrocknete Aprikosen sind pur verzehrt eine köstliche Delikatesse. Man kann aber auch herzhaften Gerichten mit einigen gehackten oder in Streifen geschnittenen Aprikosen eine ganz besondere Note verleihen.

Herzhaftes Studentenfutter mit Bulgur

Zutaten

(Für 2 Portionen)

120 g Bulgur
50 g Studentenfutter

50 g getrocknete Aprikosen
1 El Olivenöl
100 g Schmand
1 Prise Zimt

Zubereitung

1. 250 ml Salzwasser aufkochen, Bulgur einstreuen und zugedeckt auf der ausgeschalteten Kochstelle 25 Min. quellen lassen.

2. Studentenfutter grob hacken, getrocknete Aprikosen in Streifen schneiden. Nach 15 Min. Quellzeit unter den Bulgur mischen. Vor dem Servieren den Bulgur mit Pfeffer würzen und Olivenöl untermischen. Schmand mit Salz und Zimt würzen und zum Bulgur servieren.

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Bettina Ullmann

Redaktorin

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Montag 14.05.2012, 09:53 Uhr

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