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«Ich habe nie aufgegeben»

Persönlich. Der ehemalige Skistar Silvano Beltrametti über sein Leben nach dem Unfall, seine Lebensphilosophie, das Verhalten von sogenannt Normalen und über sein Engagement für «Never give up!».

Coopzeitung: Vor 11 Jahren waren Sie der Skiheld, nach Ihrem Unfall wurden Sie zum tragischen Helden (gemacht). Und heute?
Silvano Beltrametti: Heute bin ich Hotelier im Berghotel Tgantieni auf der Lenzerheide, OK-Präsident der hiesigen Weltcuprennen, Botschafter von «Never give up!», Jäger, Sportler – suchen Sie sich etwas aus. Ich habe viele Projekte und werde mit vielem identifiziert. Vor allem aber bin ich ein Mensch, der zufrieden und glücklich ist. Zumindest meistens – so wie alle Menschen.

Welche Aufgaben übernehmen Sie im Hotel?
Buchhaltung, Marketing, Personal- und Bestellwesen ... Kurz und gut: Ich führe den Familienbetrieb zusammen mit meiner Frau Edwina.

Sie sagen, dass Sie glücklich sind. Was ist für Sie Glück?
Da gibt es so viel: Meine Familie, die Berge, das Privileg, hier zu wohnen. Freunde. Mit dem Handbike den Berg hinauf oder mit dem Monoskibob den Berg hinunter zu fahren.

Sie sind zusammen mit Dani Albrecht Mitbegründer und Botschafter von «Never give up!». An wen richtet sich die Botschaft, nie aufzugeben?
«Never give up!» richtet sich an Menschen, die aus irgendeinem Grund ein Handicap haben, eine Behinderung oder eine wie auch immer geartete Benachteiligung. Aber auch an solche, die sich selber oder ihr Umfeld mit dem Motto «Never give up!» inspirieren möchten.

Und wie funktioniert das?
Die Basis bildet eine interaktive Internet-Plattform für Leute, die sich oder ihrem Umfeld einen Kick geben wollen. Die Plattform vernetzt, gibt Impulse und schafft Möglichkeiten zur Information und Inspiration. «Never give up!» soll sich schrittweise zu einer Bewegung entwickeln, welche von der Bevölkerung mit Ideen, Projekten und Produkten getragen wird.

Was für Produkte?
Derzeit sind es stylische T-Shirts und Accessoires mit dem Aufdruck «Never give up!».

Was passiert mit dem Geld?
Alle erwirtschafteten Gewinne werden aufgrund von definierten Kernkriterien vollumfänglich der Förderung von wohltätigen Projekten mit «Never give up!»-Spirit gespendet. Dafür stehen Dani und ich ein.

Nach Ihrem Unfall und der Gewissheit, den Rest des Lebens an beiden Beinen gelähmt zu sein, wollten Sie da nie aufgeben?
Nein – nie! Natürlich war ich in einem Loch, natürlich sah alles ziemlich hoffnungslos aus. Alleine schon die Vorstellung, nie mehr skifahren zu können – schrecklich! Aber meine Eltern haben mir eine positive Grundeinstellung mitgegeben, ein gutes Selbstwertgefühl und wohl auch ein sonniges Gemüt. Dazu kam die Hilfe meiner Freunde und meiner Freundin und jetzigen Frau. Und auch die Einsicht, dass das Leben ab sofort vieles anderes ist. Aber ich konnte es mir ja nicht aussuchen, es gibt kein «Leben B». Also musste ich etwas aus meiner Situation machen.

Nicht jedermann hat eine so positive Einstellung mit auf den Lebensweg bekommen ...
Das weiss ich. Und ich weiss auch, dass es viel schlimmere Schicksale gibt als meins. Und doch: Dani und ich waren und sind für viele Menschen Vorbilder. Wir wollen mit unserem Beispiel zeigen, dass man wirklich wieder auf die Beine kommen kann. Auf Dani trifft dieses Bild vom Auf-die-Beine-Kommen für «Never give up!» ganz besonders zu: Er fährt nach seinem Horrorunfall in Kitzbühel mit Gehirnblutung und Lungenquetschung wieder Rennen!

Albrecht fährt Rennen, Sie gehen auf die Jagd – wie muss man sich das vorstellen?
Ziemlich einfach: Mit der Hilfe von Freunden, die eine Jagdhütte haben, und meinem Quad. Damit fahre ich vor der Dämmerung an einen strategisch guten Ort. Aber bevor Sie sich jetzt ein falsches Bild von mir machen: Die Jagd, das ist nicht einfach schiessen. Sie beginnt schon viel früher, mit Beobachten, in der Natur sein, und sie hat sehr viel mit Kameradschaft zu tun. Wenn ich dann auch noch ein Tier erlege, ist das schön, muss aber nicht sein.

Welches sind die schlimmsten Fehler, die sogenannt Normale gegenüber Menschen mit einer Behinderung machen?
Schauen Sie, es gibt so viele unterschiedliche Behinderungen, und ich spreche darum nur für mich: Ich brauche ganz sicher kein Mitleid. Und wenn ich Hilfe benötige, dann sag ich einfach dem Nächststehenden, er soll mir einen Schupf geben, um beispielsweise über eine Schwelle zu rollen. Was ich auch nicht verstehe, ist die Gafferei. Menschen mit einer Behinderung sind keine exotischen Tiere, sondern eben Menschen. Wie du und ich.

Silvano Beltrametti

Geboren: 1979, Lenzerheide GR

Beruf: gelernter Zimmermann, ehemaliger Skirennfahrer, technischer Kaufmann mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis.

Zivilstand: verheiratet mit Edwina.

Gewicht: 78 kg (mit Rollstuhl 92 kg)

Hobbys: Monoskibobfahren, Handbiken, Bündner Jagd und Natur erleben.

Berufliche Tätigkeit: Hotelier in Lenzerheide im Berghotel Tgantieni.

Berghotel Tgantieni
never give up!

Flagge zeigen!
Mit diesem T-Shirt machen Sie sich selbst und anderen Mut. Die Coopzeitung verlost 100 davon und unterstützt so das Projekt von Silvano Beltrametti. Teilnahme unter:

T-Shirt Grössen

XS S M L XL XXL
116 128 140 152 164
T-Shirt Fritz schwarz X X X X X
T-Shirt Heidi weiss X X X X
T-Shirt Kids rot X X X X X
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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 12.09.2011, 10:47 Uhr

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