Kalorienzählen sinnlos, besser, man nimmt nur schmale Stücke davon. Der Schauspieler Andrea Zogg (54) ist Bündner und liebt die Bündner Nusstorte – selbstverständlich. «Obwohl die Linie schon darunter leiden kann, wenn man nicht früh genug mit Essen dieser oft fast zu süssen Spezialität aufhört.» Denn eines ist klar, die Bündner Nusstorte ist ein Energiespender par excellence.
Allerdings kann gerade Zogg in nächster Zeit genügend Energie brauchen. Denn vom 6. bis 18. März 2012 spielt der Schauspieler in der Neuinszenierung der lebendigen Rocky Horror Show den sinnlichen Erzähler. In Strapsen und auf High Heels, sehr hochhackigen Schuhen, und immer in Bewegung. Dabei wird er sicher einige Kalorien verbrennen und vielleicht froh sein um das eine oder andere Stück Torte. «Nicht nur die Show ist sinnlich, auch die Nusstorte – angefangen bei der Zubereitung, beim Teigkneten und dann beim Backofenduft oder noch später, wenn ein Stück davon auf dem Teller liegt», vergleicht Zogg. Essen ist für ihn «eine Wohltat für Seele und Geist – man betrachte doch meinen Bauch». Und da beides, die Torte und die Show, für ihn Kult sei, habe er sofort zugesagt, sowohl für die Rolle des Erzählers wie auch fürs Backen. Jetzt freut er sich auf seine erste selbst gemachte Bündner Nusstorte. «Ihr grosser Vorteil ist doch auch, dass man sie ohne Weiteres längere Zeit aufbewahren kann», lacht er.
Andrea Zogg braucht für das Studium einer Hauptrolle in der Regel das Dreifache an Zeit, die dann für den Dreh des Films aufgewendet wird. Inklusive Textstudium, Kostümproben, Fototermine, Interviews etc. Und als er sieht, wie schnell und unkompliziert dagegen eine Nusstorte zubereitet ist, meint er: «Da komme ich ja in Versuchung, mein Kochrepertoire, das unter anderem Bündner Gerstensuppe und Lasagne umfasst, zu erweitern». Allerdings sei die Rollenverteilung zu Hause klar. Wenn Gäste kommen, koche seine Frau und er assistiere ihr gerne. Im Alltag könne er als bekennender Fleischesser zwar schon die eine oder andere Pfanne schwingen. «Wöchentlich zwei- bis dreimal Fleisch, aber auch Fisch und viel Gemüse, Salat und Obst, oft aus dem eigenen Garten, kommen auf den Tisch», betont er. Und zu Hause in Tamins sei der Essensrythmus viel regelmässiger und wohl auch gesünder, als wenn er Auftritte oder Drehtage habe. Dafür sorgt auch seine Frau Eva Roselt, die einerseits im und rund ums Haus werkt, aber auch publizistisch und in der Filmbranche tätig ist. Von ihren vier Legehennen sei zwar eine vom Fuchs gefressen worden, «und von den beiden Mastpoulets erwischte ebenfalls eines der Habicht oder der Milan», bedauert Zogg: «Vielleicht waren wir zu wenig achtsam. Aber die Freiheit ist halt gefährlich.» Etwas trösten kann ihn aber die Honigernte ihrer vier Bienenvölker.
Zum ersten Mal mit professionellem Theater kam Andrea Zogg als 17-jähriger Seminarist im Theater 11 in Zürich in Kontakt. «Wir sahen die legendäre Othello-Aufführung von Peter Zadek, mit der jungen Eva Matthes als Desdemona. Ich war hin und weg und das war ein entscheidender Moment für meine spätere Laufbahn als Schauspieler», erinnert er sich. Als weitere wichtige Stationen auf seinem Weg nennt er unter anderem spontan 1986 und das Theater am Turm in Frankfurt, den ersten Tatort als Kommissar Carlucci, 1990 in Bern und mit Mathias Gnädinger gedreht, die Hamburger Kammerspiele 1998 und den Schweizer Film Sennentuntschi, «der nach vielen Querelen 2008 doch noch fertig und vor allem bei jungen Leuten zum Grosserfolg wurde.» Und jetzt kehrt er also mit der Rocky Horror Show ins Theater 11 zurück.
Fisch habe er übrigens erst während der Zeit, als die Familie in Bremen lebte, so richtig kennengelernt, kommt ihm beim Aufzählen noch in den Sinn. Als Landbueb habe er halt früher nur Fischstäbli und Schlemmerfilets gekannt. «Und als Kind habe ich gerne den selbst gemachten Hackbraten mit Kartoffelstock meiner Grossmutter, in ihrer kleinen Küche, gegessen. Das Seeli ist immer ausgelaufen, weil ich zu viel von der feinen, dunklen Sauce geschöpft habe», erinnert er sich.
Auf die Frage, ob und wie er sein Gewicht halten könne, antwortet «der Alpen-Depardieu», wie er auch schon genannt wurde: «Bis 90 Kilogramm ist toleriert, darüber muss ich dann zurückschrauben, beim Essen und auch bei Bier oder Wein. Im Schweizermacher-Musical war das kein Problem, da musste ich auf der Bühne so viel rumrennen und tanzen, dass ich automatisch immer darunter war.»
Am liebsten spielt Andrea Zogg Personen, die einen Bruch haben, bei denen etwas passiert, etwas Dunkles, Verborgenes zum Vorschein kommt. «Dabei muss es nicht immer ein Böser sein. Aber gerade der sich im ständigen Ausnahmezustand befindliche Senn Erwin in Sennentuntschi war eine Traumrolle. Da habe ich mich bis zur Erschöpfung verausgabt.» Sagts, blickt auf die Nusstorte und ...