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Mit überraschenden Geschichten steht Simon Libsig erfolgreich auf der Bühne, erst als Slam-Poet, heute mit Soloprogrammen. Ruhepol ist für ihn seine Heimatstadt Baden.




Nein, das ist kein Foto-Assistent sondern Redaktor Martin Winkel, der das Interview mit Simon Libsig geführt hat.

«Die Geschichten sollen berühren»

Persönlich. Simon Libsig hat sich einen Namen gemacht als Slam-Poet und Radio-Kolumnist. Derzeit ist er zusammen mit dem Zeichner Nicolas d’Aujourd’hui auf Tournee. Und er arbeitet an seinem ersten Roman.

Coopzeitung: Sie haben sich mit knapp 30 selbstständig gemacht als freier Schriftsteller. Ist das ein guter Beruf, kann man davon leben?
Simon Libsig: Etwas anderes könnte ich mir nicht mehr vorstellen. Diesen Entscheid, auf das zu setzen, was ich schon immer wollte, musste ich nur gegenüber dem Umfeld durchsetzen: Ich hatte studiert, die Kollegen wurden Anwälte oder Ärzte, und ich sagte, dass ich jetzt vom Schreiben leben will. Allerdings muss ich diesen Job immer ein wenig erweitern, mit Workshops, Auftragskolumnen, Auftritten bei privaten Anlässen. Aber Schreiben und Lesen wird ziemlich sicher mein Leben sein.

Wie ist dieser Wunsch entstanden?
Wenn uns die Eltern vor dem Einschlafen eine Geschichte vorgelesen oder erzählt hatten, gingen diese Geschichten bei mir im Kopf weiter. Später in der Schule unterhielt ich manchmal die Kollegen auf dem Pausenhof mit vermischten Meldungen aus der Zeitung, die ich mir gemerkt hatte.

Warum haben Sie dann nicht Literatur studiert?
Mein Vater ist Arzt und der Grossvater war im diplomatischen Dienst. Ich wollte ihnen nacheifern, traute mir Medizin aber nicht zu, und so entschied ich mich für Politologie. Das erschien mir interessant und liess viele Möglichkeiten offen. Als ich dann zum ersten Mal einen Poetry Slam erlebte, wusste ich sofort, dass ich so etwas auch machen wollte.

Das Schreiben ist eine eher einsame Tätigkeit. Aber Sie treten mit Ihren Texten vor Publikum auf – inzwischen zwar nicht mehr an Wettbewerben mit anderen Slam-Poeten, aber mit Ihren Soloprogrammen. Wie wichtig sind diese Auftritte für Sie?
Ich hatte von Anfang an den Drang, die Sachen, die ich zu erzählen habe, auch selbst nach Aussen zu tragen. Und das Schöne an einer solchen Performance ist, dass man die Reaktionen unmittelbar erlebt. Man merkt, wo eine Geschichte funktioniert und wo nicht. Oft verändern sich die Texte auch dabei, und das ist sehr spannend. Das Timing spielt auf der Bühne eine ganz andere Rolle, als man es sich am Schreibtisch vorstellen kann.
Aber die Bühnenpräsenz ist auch notwendig, weil ich damit mein Geld verdiene. Und von daher kommt manchmal auch der Wunsch auf, etwas zu machen wie ein Buch. Also Texte, die funktionieren, auch wenn ich nicht live dabei bin.

Gibt es jemand, dem Sie Ihre Texte anvertrauen, bevor sie öffentlich werden?
Die Auftritte haben viel Erfahrung gebracht und ich habe inzwischen einen ausgeprägten «Bullshit-Filter»: Ich weiss ungefähr, was ankommt, und ich bin recht kritisch gegenüber mir selber. Wenn ich aber einmal Feedback oder Bestätigung brauche, liest meistens meine Freundin die Texte.

Auf der aktuellen CD «Baden Balladen» beschäftigen Sie sich mit Ihrer Heimatstadt. Welche Bedeutung hat das für Sie?
Baden ist für mich meine Heimat, mein Anker, mein Fundament. Ich war immer wieder einmal im Ausland, auch für längere Zeit, ein Jahr in den USA, ein Jahr in Paris. Ich dachte anfangs auch, um wirklich gut schreiben zu können, müsste ich etwa nach Berlin, in die Szene. Aber mit jedem Ausflug wurde mir mehr klar, dass hier meine Heimat ist, die mir alle Möglichkeiten gibt. Und für Ausflüge habe ich die Fantasie.

Haben Sie eine Vorstellung, für wen Sie die Geschichten schreiben?
Ich schreibe für viele Leute. Wichtig ist mir, dass die Geschichten emotional berühren, einen nicht kalt lassen. Ob sie spannend oder lustig sind, spielt dabei keine so grosse Rolle. Wenn ich das Publikum vor mir sehe, suche ich zuerst nach Gemeinsamkeiten. Wenn ich dann den Anknüpfungspunkt gefunden habe, spanne ich von da aus einen Bogen, der überraschen oder einen zusätzlichen Gedanken transportieren soll.

Bei Ihrem neuen Programm «Alltagsmonster» treten Sie mit dem Zeichner Nicolas d’Aujourd’hui gemeinsam auf. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Wir lernten uns bei einem Auftritt kennen. Jeder hatte den anderen auf der Bühne gesehen und wir wollten unbedingt etwas zusammen machen. Als wir uns ein paar Mal getroffen hatten, waren so viele neue Ideen da, dass wir daraus ein Programm gemacht haben.

Das nächste grosse Projekt ist ein Roman, an dem Sie bereits arbeiten. Wann wird der zu lesen sein?
Das weiss ich jetzt noch nicht. Aber es war für mich immer das grösste Ziel, Romane zu schreiben. Alle anderen Sachen bisher habe ich quasi im Vorbeilaufen gemacht.

Simon Libsig

Beruf: Schriftsteller
Geburtsdatum: 27. Februar 1977
Werdegang: Nach dem Studium (Politik, Publizistik und Völkerrecht in Zürich und Paris) arbeitete er als Journalist beim Schweizer Radio DRS und trat mit Erfolg bei Slam-Poetry-Wettbewerben auf. Vor vier Jahren entschied er sich, vom Schreiben und Lesen zu leben. 2009 erhielt er den Swiss Comedy Award (Publikumspreis).
Veröffentlichungen: «Trostmaterial» (2006). «Bissig in Moll» (2008). «Erfunden, aber wahr» (2009). «Sprechstunde» (2010). «Baden Balladen» (2011). Alle als Hör-CD erhältlich. Im Frühling erscheint das Kinderbuch «Leonor, Manapi, Nubbur und der Mond» mit Illustrationen von Stephan Liechti.
Aktuell: «Alltagsmonster», Schweiz-Tournee zusammen mit dem Zeichner Nicolas d’Aujourd’hui. Nächster Auftritt am Samstag, 11. Februar 2012, im Kellertheater Bremgarten AG.
Web: www.simon-libsig.ch

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Wann haben Sie zuletzt geweint?
Heute...mir tränen die Augen, wenn ich müde bin

Wie bringt man Sie zum Lachen?
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Welches Tier wären Sie am liebsten?
Eine Katze

Wovon träumen Sie?
Von allem möglichem

Was ist für Sie das grösste Glück?
Zu lieben und geliebt zu werden

Simon Libsig+nix-productions

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Martin Winkel

Redaktor



Foto:
Heiner H. Schmitt jr.
Veröffentlicht:
Freitag 10.02.2012, 17:18 Uhr

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