Die Frau am Telefon konnte es nicht glauben. Ob sich da nicht Fehler eingeschlichen hätten? Bei solch grossen Portionen könne man doch unmöglich abnehmen! Claudia Boutellier lacht, während sie diese Episode erzählt. Seit «Gesund & Schlank», das neue Kochbuch von Betty Bossi, erschienen ist, hätten sich schon mehrere Personen gemeldet, die erstaunt waren, wie viel sie essen konnten. Doch genau hier liegt die Hauptbotschaft von Rezeptredaktorin Claudia Boutellier und ihrem Team: «Wer abnehmen möchte, muss weder hungern noch verzichten.» Einseitige Programme wie den kompletten Verzicht auf Kohlenhydrate würde man sowieso nur für kurze Zeit durchhalten. Nach Verzicht sehen die Rezepte im neuen Kochbuch tatsächlich nicht aus: Die Bilder von Geschnetzeltem, Älplermagronen, Flammkuchen oder Rippli mit Dörrbohnen lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Trotzdem schlagen sie alle nur mit 400 bis 500 Kalorien pro Portion zu Buche.
Ob es denn auch schmeckt? Wir machen die Probe aufs Exempel und lassen uns von der Rezeptredaktorin bekochen. Als Beispiel für ein Frühstück serviert sie ein Müesli mit Zitrusfrüchten. Bei den Mengen an Orangen und Grapefruits muss man sich bestimmt keine Sorgen um eine ausreichende Zufuhr an Vitamin C machen. Um den Körper auch noch mit Kalzium zu versorgen, schlägt Claudia Boutellier vor, dazu einen Latte macchiato zu geniessen. Oder das Müesli statt mit Orangensaft mit Naturejogurt zu mischen.
Zum Zmittag steht Kalbsgeschnetzeltes mit Selleriestock auf dem Programm. «Jetzt kommt ein ganz wichtiger Punkt: das Öl abmessen», sagt die Köchin und nimmt einen Löffel zur Hand. Ein Esslöffel Olivenöl reiche nämlich völlig aus, um Geschnetzeltes für zwei Personen anzubraten. Auch sonst arbeitet Claudia Boutellier viel mit Messlöffel und Küchenwaage. Das Abwägen lohne sich bei fett- und kohlenhydratreichen Beilagen besonders. Bei Gemüse hingegen komme es auf ein paar Gramm mehr oder weniger nicht an. Mindestens die Hälfte einer Mahlzeit sollte aus Gemüse bestehen. Die andere Hälfte wird mit kohlenhydrat- und eiweissreichen Lebensmitteln wie zum Beispiel Teigwaren oder Reis und Fleisch ergänzt.Um auch Gemüsemuffel bei der Stange zu halten, ist das Gemüse in manchen Rezepten gut versteckt. So wird etwa der Härdöpfelstock mit Sellerie «aufgemotzt», in den Älplermagronen ersetzt Krautstiel einen Teil der Teigwaren und in der Bolognese-Sauce verstecken sich Rüebli, Lauch und Sellerie.
Dass man mit den Rezepten von «Gesund & Schlank» abnehmen kann, haben schon einige Personen bewiesen. «Mehrere Leute in meinem Bekanntenkreis haben sich an die Rezepte im Buch gehalten und damit Kilos verloren», sagt Boutellier. Und sie alle waren erstaunt, weil sie nach dem Essen stets satt waren. Nebst den Rezepten enthält das Buch viele praktische Tipps zum Abnehmen, etwa, sich auf drei Hauptmahlzeiten pro Tag zu konzentrieren. «Jedes Mal, wenn wir zwischendurch etwas essen, wird Insulin ausgeschüttet und der Blutzuckerspiegel steigt an», sagt Claudia Boutellier. Als Folge werde die Fettverbrennung gehemmt. Deshalb sollte man zwischen den Mahlzeiten eine Pause von 4 bis 5 Stunden einlegen. Ab und zu etwas Süsses sei in Ordnung, aber dann direkt nach dem Essen.
Von künstlichen Süssstoffen rät Boutellier ab. «Da wird dem Körper etwas vorgegaukelt – und das Verlangen nach Süssem bleibt oft bestehen.» Vielmehr müsse man lernen, vernünftig mit Zucker und mit Süssem umzugehen. Ein Anfang könnte sein, einen Tag pro Woche strikt auf Süsses zu verzichten. Oder immer weniger Zucker in den Kaffee zu tun, bis man so weit sei, dass man gar keinen Zucker mehr brauche. So könne man sich in kleinen Schritten ein neues Essverhalten antrainieren.
Claudia Boutellier nimmt den Rüebli-Flammkuchen aus dem Ofen. Ein verführerischer Duft erfüllt den Raum. Und spätestens jetzt ist klar: Auf Genuss beim Essen muss bei diesen Rezepten definitiv nicht verzichtet werden.