1 von 7


Offen für Neues: Nicolas Senn liebt das Appenzellerland, gibt aber auch Konzerte in Thailand oder in Dubai.






«In der Musik darf es keine Grenzen geben»

Persönlich.  Nicolas Senn spielt virtuos auf dem Hackbrett, hat sich sein Studium als Fotograf finanziert und präsentiert nun «Potzmusig» auf SF 1. Nicht schlecht für einen 22-Jährigen.

Coopzeitung: Ihr Instrument ist schon ein wenig exotisch, auch in der Volksmusik. Warum sind Sie Hackbrett-Virtuose geworden?
Nicolas Senn: Mit drei oder vier Jahren erlebte ich an der Olma die Streichmusik Alder und wollte danach unbedingt Hackbrett lernen. Der Klang hat mich von Anfang an fasziniert. Die Eltern waren zwar zunächst etwas skeptisch, ermöglichten mir aber doch den Unterricht. Die erste Stobete gabs bei der Grossmutter, die im selben Block wie meine Familie wohnt. Bald kamen kleine Auftritte an Geburtstagen oder Dorffesten, später im Radio und im Fernsehen. Ich bin da wie hineingerutscht – geplant war das nie.

Wurde die Liebe zur Musik von der Familie geprägt?
Meine Mutter hat als Primarlehrerin ein wenig Musik gemacht, mein Vater aber gar nicht: Der war früher Profifussballer.

Davon träumen viele Buben. War das bei Ihnen nicht so?
Dazu fehlte mir einfach das Bewegungstalent. Aber mit meinen Brüdern oder bei Grümpelturnieren mit den Kollegen habe ich schon mit- getschuttet. Und ich bin auch ein grosser Fan des FC St. Gallen.

Der spielt jetzt mal wieder in der Super League …
Dem Ostschweizer Selbstwertgefühl tut das sicher gut, nachdem der Verein zweimal in kurzer Zeit abgestiegen ist. Die Verbundenheit mit dem Club ist hier in der Region sehr gross.

Neben dem Studium haben Sie auch als Fotograf mit Erfolg gearbeitet – eine Alternative zur Musik?
Die Medienwelt finde ich spannend. In der Zeit als Pressefotograf für die Thurgauer Zeitung konnte ich oft zusätzlich die Bildredaktion machen, und manchmal sogar auch noch das Layout. Das ist der Vorteil einer kleineren Zeitung, und das habe ich sehr gern gemacht. Aber der Tagesjournalismus bedeutet enormen Stress, und daher bin ich froh, dass das nicht mein Hauptberuf ist.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?
Mit 13 oder 14 habe ich eine Fan-Homepage für den FC
St. Gallen gemacht und gemerkt, dass ein paar Fotos noch ganz schön wären. So fing ich an, mit einem kleinen Apparat zu knipsen. Das war zwar hundsmiserabel, aber ich hatte immerhin eigene Bilder für meine selber geschriebenen Berichte.

Und welche Rolle spielt denn das Internet für die Volksmusik?
Von vielen Formationen gibt es Homepages, die Nutzung von Social Media steckt aber noch in den Kinderschuhen.Auf Facebook findet man fast nur die jüngere Generation. Ich war damit am Anfang auch zurückhaltend, aber es wird als Plattform immer wichtiger. Das habe ich am Feedback aus dem Ausland gesehen, nachdem ich bei Stefan Raab in TV Total war oder jetzt nach meinen Auftritten in Indien.

Diesen Sommer haben Sie auch in Thailand gespielt oder in Dubai. War das im Rahmen der Kulturförderung?
Nein, die Einladungen kommen meist von Schweizer Unternehmen oder von Botschaften, die zum 1. August oder bei anderen repräsentativen Anlässen etwas Kultur hineinbringen wollen.

Ist es gut oder schlecht, dass Kulturförderung und Volksmusik offenbar ein wenig aneinander vorbei laufen?
Ich darf mich nicht beklagen, da ich selbst viel unterwegs und bis jetzt nicht auf Förderleistungen angewiesen war. Aber die «normale», urtümliche Volksmusik wird manchmal schon ein wenig belächelt, und Förderung gibt es oft nur für experimentelle Sachen, die von der «Basis» eher mit Augenverdrehen angeschaut werden.

Was halten denn Sie von der Öffnung der Volksmusik zu anderen Genres, etwa zu Jazz oder Weltmusik?
Ich finde das, was etwa Noldi Alder oder Töbi Tobler machen, spannend. Meine Konzerten sind ja auch immer eine musikalische Reise auf dem Hackbrett. Es beginnt zwar mit der traditionellen Appenzeller Musik, aber danach kommen auch Jazz, klassische und osteuropäische Musik oder Rock’n’ Roll, bunt gemischt.

Manche Verbände goutieren solche Ideen aber gar nicht.
Das ist so eine Geschichte … Vor einiger Zeit hat sich eine Alphornspielerin darüber beklagt, dass im Vergleich zu den Brassbands zu lasch bewertet würde und ist aus Protest am Jodlerfest barfuss aufgetreten. Dafür bekam sie eine Sechs, die schlechteste Note, die vorher noch nie vergeben wurde. Ich finde, Musik soll leben. Und sie soll leben vom Heute und Jetzt und nicht von irgendwelchen Reglementen. Bei der Tracht habe ich dafür noch Verständnis. Aber in der Musik darf es keine Grenzen geben.

Mit dem Erfolg als Musiker und Moderator sind Sie auch Vorbild für den Nachwuchs?
Das wäre jetzt ein wenig anmassend. Aber es gab schon einige Kinder, die mich im Fernsehen gesehen haben und jetzt Hackbrett spielen, genau wie ich vor 16 Jahren. Auch ein Junge hier aus der Nachbarschaft.

Was machen Sie, wenn Sie für einmal nicht Musik machen, zum Entspannen?
Wenn ich einen Abend frei habe, unternehme ich gerne etwas mit den Kollegen oder der Freundin, grillieren oder in die Berge gehen. Dabei kann ich abschalten. Und um mein altes Bauernhaus in Gais herum gibt es im Garten ja auch einiges zu tun – das ist in der schönen Appenzeller Landschaft sehr entspannend. Das mache ich meist lieber als drinnen am PC zu hocken.

Nicolas Senn

Beruf: Musiker
Geburtsdatum: 19. September 1989
Werdegang: Ab dem 6. Lebensjahr nimmt er Unterricht am Hackbrett und gewinnt 2001 den Jungmusikantenwettbewerb. Seither regelmässige Auftritte bei Events im In- und Ausland sowie in Radio und TV. Ab 2009 Studium der Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen. Nebenher arbeitet er als Presse- und Sportfotograf, unter anderem für den FC St. Gallen.
Auszeichnungen: Stadl-Stern (2006), Grand Prix der Volksmusik in der Schweiz (2010), Prix Walo (2011).
Aktuell: Die nächsten Sendungen «Potzmusig» auf SF 1 gibt es am 8. und 22. September.
Links: www.nicolassenn.chwww.potzmusig.sf.tv

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?

Writing Music for Hit Songs

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?

Meine Eltern und Grosseltern, musikalisch meine Hackbrettlehrer Willi Bänziger, Roman Brülisauer und Töbi Tobler

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

Les intouchables

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?

Meistervideo 2000 des FC St.Gallen

Ihr Lieblings-Filmheld?

Albert Neff aus der Appenzeller-Werbung

Was für Musik hören Sie gerade?

Radio Swiss Jazz

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?

Ich würde meine iTunes-Favoritenplaylist auf CD brennen

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?

Stephan Eicher

Was kochen Sie selbst?

Appezöller Chäshörnli ond Südwörscht

Ihre Lieblingsspeise?

Appenzeller Cordon-Bleu aus der Kriegersmühle

Ihr Lieblingsgetränk?

Flauder

Mit wem essen Sie am liebsten?

Mit guten Kollegen

Und wo essen Sie am liebsten?

In einer geselligen Runde

Mac oder PC?

Mac

Auto oder Zug?

Bei geringem Zeitverlust Zug

Wein oder Bier?

Wein

Pasta oder Fondue?

Fondue

Joggen oder Walken?

Joggen

Berge oder Meer?

Berge

Wann haben Sie zuletzt geweint?

Das ist schon etwas länger her

Wie bringt man Sie zum Lachen?

Schlagfertigkeit

Wovon träumen Sie?

Dass meine Familie und ich weiter gesund bleiben und auf in Zukunft viele schöne Erlebnisse geniessen dürfen.

Was ist für Sie das grösste Glück?

Wenn meine Familie und meine Freunde gesund und glücklich sind und ihre Ziele erreichen

Kommentare (3)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Martin Winkel

Redaktor

Foto:
Christoph Kaminsky
Veröffentlicht:
Montag 27.08.2012, 12:49 Uhr

Weiterempfehlen:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?