Fehlertext für Eingabe



Pariser Brot: Das Baguette für viele Baguettes

Bis ins letzte Jahrhundert gab es in Paris die Brotfrauen, sie verkauften das Lieblingsbrot der Franzosen von Tür zu Tür. Es heisst, meine Ururgrosstante sei eine Brotfrau mit genialen Einfällen gewesen.

Françoise – ich liebe die französischen Namen, sie klingen so unendlich romantisch und musikalisch. In meiner Familie kursiert die Legende einer meiner Ururgrosstanten, die wohnte in Paris und trug ebendiesen Namen: Françoise. Brotfrau sei sie gewesen, erzählt man sich.

Wer so heisst, ist bestimmt jung und schön. Ich stelle sie mir vor, wie sie in der Schürze über ihrem hübschen Kleid die Baguettes transportiert. Die Männer auf der Strasse schauen ihr hinterher, lassen dann und wann auch mal einen leisen Pfiff ertönen, wenn sie mit einem anmutigen Schwung ein Baguette aus der Schürze hervorzaubert. Friede, Freude, vive les baguettes!

Das dauert so lange, bis Pierre auftaucht, mein Ururgrossonkel. Denn danach kommen innert kurzer Zeit erst Catherine, dann Julie, dann Brigitte und schliesslich Sophie – ein Mädchen nach dem anderen. Pierre ist Kutscher. Sein bescheidenes Einkommen reicht selten für die ganze Familie, zumal er sich zu oft nach dem Dienst die Seele bei einem, zwei, drei oder auch mal vier Gläsern Rotwein in der Bar wärmen muss.

Letzteres macht Françoise gar nicht froh, denn Pierre und damit das Familieneinkommen werden immer unzuverlässiger. Da kommt ihr eines Tages eine gute Idee! Sie legt sich einen Zweirad-Karren zu, auf dessen Sitz es gerade ausreichend Platz hat für sie und ihre Brote. Dann spannt sie Chouchou, ihren grossen, bernhardinerähnlichen Hund davor, lässt sich von ihm durch die Strassen ziehen und verkauft so viele Baguettes wie nie zuvor.

Das Gespann sorgt für viel Gesprächsstoff. «Oh, mes chèrs, nicht jeder Kutscher braucht ein Pferd», entgegnet sie dann charmant. So machen Françoise und Chouchou täglich ihre Runde und die Brotfrau kennt bald alle Lebensgeschichten ihrer Kunden auswendig. Sie ist bestens informiert, wer wem die Braut ausgespannt hat, wer abgehauen ist, um sein Glück in Amerika zu suchen, und welches Kind gerade an Masern leidet. Es gibt auf ihrem Arbeitsweg so viel Herz und Schmerz, dass sie in der Zeit, die das Erzählen und Mitfühlen dieser Schicksale in Anspruch nimmt, einmal um ganz Paris laufen könnte.

Mit der Brotlieferung kommt sie indessen kaum nach. Schliesslich verzehrt zu dieser Zeit jeder Pariser etwa zwei Baguettes am Tag! «Eh, alors, nur keine Eile bitte», pflegt sie zu sagen (das Wort «Stress» existiert ja erst ab 1936*). Innovativ, wie sie ist, lässt sich Françoise abermals etwas Neues einfallen: Sie erfindet das Baguette für das Baguette. Das sind Stäbe aus Holz, – heute würde man vielleicht Schuldstab dazu sagen –die sie bündelweise an ihren Karren hängt. Jeder Baguettekunde besitzt einen solchen Holzstab, pro ausgeliefertes Brot ritzt Françoise eine kleine Kerbe in das Stöckchen und schon haben alle Beteiligten ein Problem weniger. Einmal im Monat ist Zahltag.

Sie glauben mir diese Geschichte nicht? Doch, sie stimmt. In unserem Familienalbum klebt eine handkolorierte Postkarte mit einem Foto von Françoise in ihrem voitures à chien.

Nach Françoise übernahm übrigens ihre jüngste Tochter Sophie das Brotgeschäft. Von Generation zu Generation wuchs das kleine Familienvermögen, unter anderem, weil die weiblichen Nachkommen nicht so viel Rotwein brauchten. Das ging so weiter, bis der französische Staat in den 1930er-Jahren Hunde als Zugtiere für Bäcker verbot.

(*) Der ungarisch-kanadische Mediziner Prof. Dr. Hans Selye, Pionier der Stressforschung, hat 1936 den Ausdruck Stress in unseren Sprachgebrauch gebracht.

Rezept: Gefülltes Baguette mit Ricotta (pdf)

Rustikal und artisanal

Bio-Pagnolbrot: Kurz und gezwirbelt

Mit seiner schmalen, länglichen Brotform ist das helle Bio-Pagnolbrot quasi ein Nachfahre des französischen Baguettes. Es wird frisch in der Verkaufsstelle ausgebacken, ist etwas kürzer als das Original und wunderschön gezwirbelt. Das Bio-Pagnol ist für Fr. 3.40/370 g erhältlich.

Pagnol dunkel

Nur entfernt verwandt mit dem französischen Original, doch viele Liebhaber schwören auf den Unterschied: Es ist dunkel und mit feinen Kernen bestreut. Wie das helle Bio-Pagnol, ist es gezwirbelt und etwas kürzer. Erhältlich im weissen Beutel der Linie «Pain Artisanal» für Fr. 3.95/450 g.

Gefülltes Baguette mit Ricotta

Baguette auf einer Seite einschneiden und aushöhlen.

Füllung:

  • 200 gr Ricotta,
  • 1/2 rote und
  • 1/2 gelbe Peperoni,
  • 1/2 Glas Cornichons,
  • eine handvoll schwarze Oliven,
  • 2 gekochte Eier und
  • 100 gr gekochter Schinken in feine Würfeli schneiden,
  • glatter Peterli fein gehackt,
  • sowie Salz und Pfeffer.

Zubereitung

Alle Zutaten mischen und in das Baguette füllen. Dieses gut in Alufolie wickeln und ca. 3 Stunden in den Kühlschrank stellen, damit die Mischung fest wird. Schmeckt ausgezeichnet als Apéro, als Znacht, Zwischendurch oder super geeignet als "Mitbringsel" auf eine Party!!

Hier finden Sie das Rezept als pdf

Kommentare (6)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Bettina Ullmann

Redaktorin

Foto:
Ferdinando Godenzi, Fotolia, AFP
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Freitag 03.05.2013, 16:37 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

Die neusten Kommentare zu Frisch auf den Tisch:

Walter Schaub antwortet vor zwei Tagen
Jogurt
Laut dem Max-Planck-Institut s ... 
Alma Pumpkin antwortet vor 2 Wochen
Kürbisse
Ich kaufe mir einen gekühlten ... 
De Kari vo Höngg antwortet vor 2 Wochen
Cashews
Two in One
Cashew-Früchte sind ... 

Finde uns auf Facebook:



Copyright © Coopzeitung - All rights reserved Coopzeitung

Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?