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Die Fazeda Tucunaré im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso baut Soja grossflächig an.

Das Wetter kann im Februar rasch ändern. Innert Minuten verdunkelt sich der Himmel und es schüttet in Strömen.

Pause. Die Mähdrescher-Fahrer warten, bis die Felder nach dem Regen getrocknet sind.

Pause. Die Mähdrescher-Fahrer warten, bis die Felder nach dem Regen getrocknet sind.

Die Mähdrescher-Fahrer machen ihre Maschinen startklar.

Die Fahrer sind für den Unterhalt der Maschinen zuständig.

Sobald die Sonne die Felder aufgetrocknet hat, beginnt die Ernte.

Die kleinen Wäldchen in den Felder schützen Quellen und Bäche.

Versetzt hintereinander fressen sich die grossen Mähdrescher durch die Sojafelder.

Soja-Ernte in Mato Grosse (Brasilien).

Soja-Ernte in Mato Grosse (Brasilien).

Soja-Ernte in Mato Grosse (Brasilien).

Soja-Ernte in Mato Grosse (Brasilien).

Gut drei Tonnen Sojabohnen werden pro Hektare geerntet.

Gut drei Tonnen Sojabohnen werden pro Hektare geerntet.

Sojabohnen.

Die Lastwagen-Chauffeure warten, bis die Mähdrescher ihre Laster beladen.

Die Lastwagen werden beladen.

Fruchtfolge mit Mais. Produktionschef Arnaldo Ferrando dos Santos führt durch den riesigen Betrieb.

Antonio de Paula ist Mähdrescher-Fahrer.

Die Mähdrescher sind wie gigantische Heuschrecken.

Sojabohnen.

Sojabohnen.

Wo liegt das Problem? Suche nach dem Grund, weshalb der Mähdrescher stecken bleibt.

Wo liegt das Problem? Suche nach dem Grund, weshalb der Mähdrescher stecken bleibt.

Die Chauffeure warten, bis ihr Lastwagen zum Entladen drankommt.

Zum Entladen wird eine Rampe mitsamt dem Lastwagen hochgehoben.

Die Felder sind gigantisch gross. Sie haben die Dimension eines kleineren Schweizer Kantons – nur Soja.

Sojaernte in Brasilien

Auf den intensiv bewirtschafteten Monokulturen Brasiliens wächst auch Futter für Schweizer Vieh. Das ist ökologisch nicht ganz unproblematisch. Doch der Mähdrescher-Fahrer Antonio erntet wenigstens verantwortungsbewusst angebaute Soja.

Ganz sanft stösst Antonio den Joystick seines Mähdreschers nach vorne. Der tonnenschwere Koloss setzt sich in Bewegung, senkt die grosse Walze und beginnt die Halme auf das Mähmesser zu schieben. Hinter Antonio rauschen schon die ersten Bohnen in einen grossen Tank, vor ihm verlieren sich die schier unendlichen Felder am Horizont. Kilometerweit ist nur Soja zu sehen. Ein Meter hohe, dünne Halme mit erntereifen Bohnen. Versetzt neben Antonio fahren weitere Mähdrescher. Wie ein Schwarm riesiger Heuschrecken fressen sie sich durch die trockenen Sojafelder.

Antonio de Paula (24) ist einer von über 400 Angestellten der Fazenda Tucunaré. Die Farm gehört zur «Grupo André Maggi», einem der grossen Soja-produzenten Brasiliens. Der junge Mann wohnt und arbeitet seit zweieinhalb Jahren auf der Farm und hat sich zum Fahrer ausbilden lassen. Demnächst will er das College besuchen und wieder die Schulbank drücken. «Agronom, Techniker, irgendetwas im Agrobusiness möchte ich werden», sagt Antonio. Nicht zuletzt, um sich diese Ausbildung zu finanzieren, arbeitet er als Erntefahrer.

Während Antonio von seinen Zielen erzählt, zeigt der Bordcomputer an, dass der Sojabehälter voll ist. «Drei Beeps kann man ignorieren», lächelt Antonio, «beim vierten ist definitiv Schluss». Dann ist der 10-Kubikmeter-Speicher endgültig voll. 200 Meter, bevor die Bahn fertig abgemäht ist, muss Antonio abdrehen. Er hebt den Dreschbalken und steuert mit Vollgas, also mit etwa 12 km/h, Richtung Strasse, wo die Lastwagen schon Schlange stehen, um die Bohnen aufzunehmen. Der Mähdrescher ist hoch effizient. «Beim Reinigen nachher werden noch etwa ein bis 1,5 Prozent Spreu aussortiert, den Rest hat die Erntemaschine schon vorher erledigt», erklärt Antonio stolz.

Diese hoch industrialisierte Landwirtschaft ist gang und gäbe im Bundesstaat Mato Grosso. Moderne Anbautechniken, verbunden mit geeigneter Düngung und Pestizid-Einsatz, haben aus der einst kargen Steppenlandschaft, dem Cerrado, eine Sojakammer gemacht. Heute ist Brasilien der zweitgrösste Sojaproduzent der Welt und der grösste Produzent von gentechnisch nicht veränderter Soja. Und der Hunger der Welt nach Soja ist noch nicht gestillt. Noch immer wird dem Cerrado Ackerland abgewonnen und wird Amazonas-Regenwald gerodet.

Brasiliens Sojaproduktion ist eng verbunden mit den Konsumgewohnheiten im Westen und zunehmend auch in China. Mehr Fleisch zu immer günstigeren Preisen lässt sich nur mit entsprechend viel Tierfutter erzeugen. Der überwiegende Teil des Sojas geht denn auch in die Tierfutterherstellung. Die Schweiz nutzt heute für ihre Tierfütterung im Ausland riesige Ackerflächen. 2011 importierte sie fast 295 000 Tonnen Soja. Mit dem Schweizer Fleisch, aber auch mit Eiern und Milch, essen wir also brasilianische Soja. Soja findet sich aber auch in Kosmetika, Kunststoffen, Farben und in vielen Lebensmitteln. Dort helfen sie als Emulgator, Fette und Wasser zu vermischen.

Auf den 35 000 Hektaren Ackerfläche erntet die Fazenda Tucunaré pro Jahr etwa 112 000 Tonnen Soja. Das ist mehr als etwa die Kantone Schaffhausen, Nidwalden oder Appenzell Ausserhoden messen. Die Grupo Maggi gehört zur wachsenden Zahl von Sojaproduzenten, bei denen ein Umdenken stattgefunden hat, sagt Stefan Kausch vom Soja-Netzwerk Schweiz (Seite 75). Das Unternehmen verpflichtet sich, Soja nach den Richtlinien von «ProTerra» und «RTRS» (Runder Tisch für verantwortungsbewusst angebaute Soja) zu produzieren. Das heisst, dass sie keinen Regenwald und kein Cerradogebiet für die Ausweitung des Anbaugebiets roden, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsflächen vorhanden sind und dass Ackerflächen kompensiert werden, die zwischen 1994 und 2006 auf Kosten des Cerrado oder des Regenwalds entstanden.

Ausserdem muss der Pestizideinsatz laufend verbessert, sprich verringert werden. Diese Richtlinien gehen kaum über das hinaus, was das brasilianische Gesetz ohnehin vorschreibt. Es lohne sich trotzdem, Unternehmen als «verantwortungsbewusst» zu zertifizieren, wenn sie sich an die Gesetze halten, erklärt Augusto Freire von Cert ID, einem Zertifizierungsunternehmen. «Der Staat Brasilien ist schlicht nicht in der Lage, die Einhaltung der Gesetze zu kontrollieren.» Die zertifizierten Unternehmen hielten die Gesetze zum Schutz des Regenwaldes ein, sagt Freire. Das sei ein kleiner Schritt, und nur der erste, «aber ein Schritt in Richtung einer nachhaltigen Produktion».

Antonio muss kurz aufstehen und blickt kritisch auf die grosse Walze. Sein Mähdrescher hat sich sozusagen verschluckt und spuckt plötzlich Sojahalme aus. Antonio lächelt etwas verlegen. Es ist seine Schuld. Er war etwas zu schnell unterwegs, sechs statt nur rund fünf Stundenkilometer. Die Maschine vermochte die dicht mit Bohnen behangenen Sojahalme nicht mehr zu verarbeiten. Antonio fährt kurz zurück, wartet einen Augenblick, bis der Schlund des Mähdreschers alles geschluckt hat und gibt dann wieder Gas – bis zum nächsten «Beep», der ihm signalisiert, dass der Sojaspeicher wieder voll ist.

Brasilien Sojakammer

Die Fazenda Tucunaré befindet sich rund sechs Autostunden nördlich der Stadt Cuiaba, der Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso. Produktionschef Arnaldo Ferrando dos Santos führt seine Besucher gerne durch die Farm – das heisst, er chauffiert sie in seinem Pickup. Die Farm misst von einem Ende zum anderen 32 Kilometer. Mit über 100 Stundenkilometern braust Ferrando dos Santos an den grünen Soja- und Maisfeldern vorbei. Am Ende des Tages werden sich auf seinem Tages-Kilometerstand über 60 Kilometer angesammelt haben.

«Das Klima und die modernen Anbaumethoden machen zwei Ernten im Jahr möglich», erklärt Ferrando dos Santos. Nach der Soja-Haupternte im Februar folgt eine Mais- oder eine Baumwoll-Aussaat, die im Juni und Juli geerntet werden. Im Oktober wird wieder Soja ausgesät. Die Fruchtfolge ist bescheiden, «ist aber nicht unsere Schuld», sagt Ferrando dos Santos. Die Ernährung der Weltbevölkerung werde heute durch fünf Kulturen abgedeckt: Reis, Weizen, Soja, Mais und Kartoffeln. «Also produzieren wir das, was der Markt will. Wenn wir auf Tausenden von Hektaren andere Kulturen anpflanzen, bleiben wir auf den Produkten sitzen».

Im Soja-Netzwerk Schweiz haben sich 14 Organisationen zusammengeschlossen, die mit dem Import und der Vermarktung von Soja zu tun haben. Coop ist Gründungsmitglied und Initiatorin des Netzwerks. Ziel ist es, das Bewusstsein für einen verantwortungsbewussten Sojaanbau zu fördern. Heute beziehe die Schweiz rund 60 Prozent zertifizierte Soja aus Brasilien, erklärt Stefan Kausch, Projektleiter des Soja-Netzwerks. «In zwei Jahren wollen wir bei 90 Prozent sein.»

Die Schweiz nimmt dabei eine Vorreiterrolle in Europa ein. Auch deutsche Unternehmen und der WWF Deutschland signalisieren Interesse am Projekt. Holland und Skandinavien verfolgten ähnliche Ziele, sagt Kausch. Europa ist nach China der zweitgrösste Importeur von brasilianischer Soja. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit man von verantwortungsbewusstem Sojaanbau reden kann, definieren verschiedene Standards unterschiedlich. Aber alle umfassen ökologische, soziale und produktionstechnische Vorgaben und gehen zurück auf die sogenannten Basler Kriterien, die 2004 auf Initiative von Coop entwickelt wurden – daher auch der Name, «Basler Kriterien». Die beiden grössten Standards sind RTRS (round table on responsible soy, Runder Tisch für verantwortungsbewusst produzierte Soja) und, näher bei den Basler Kriterien, «ProTerra». Sie wollen in erster Linie den Regenwald und den Cerrado mit ihrer einzigartigen Biodiversität schützen.

www.sojanetz.ch

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Thomas Compagno

Redaktor

Foto:
Yannick Andrea
Veröffentlicht:
Mittwoch 22.02.2012, 16:50 Uhr


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