Klangliche Vielfalt: Für seine Konzerte und CD-Einspielungen setzt Maurice Steger Blockflöten aus verschiedenen Materialien ein, denn jede hat ihren eigenen Charakter.

Maurice Steger: «Musik nebenbei hören geht nicht»

Persönlich. Maurice Steger hatte als Kind gar keine Freude an der Blockflöte. Später entdeckte er aber doch die Liebe zur Musik. Inzwischen tritt er weltweit als Virtuose auf und erweckt verborgene alte Stücke zu neuem Leben.

Coopzeitung: Die Blockflöte ist für Kinder oft das erste Instrument, meist aber auch das einzige. Warum?

Maurice Steger:
 Die Flöte ist sicher eines der ältesten Instrumente der Menschheit. Beim Spielen ist sie eng mit dem Körper verbunden und mit dem Atem. Das ist ganz einfach und natürlich. Aber es funktioniert überhaupt nicht, wenn man dabei verkrampft ist.

Wie war denn das erste Mal bei Ihnen?
Schlimm! Ich konnte mit den Noten nichts anfangen und wusste nicht, wohin mit den Fingern. Also habe ich ganz schnell wieder mit der Flöte aufgehört. Erst als ich 12 oder 13 war, ist dann der Groschen gefallen, wie man in Deutschland sagt.

Heute sind Sie ein gefragter Solist, vor allem im Bereich der Alten Musik. In anderen Epochen und heute hat die Blockflöte weniger Geltung?
Es wurde und wird immer wieder speziell für dieses
Instrument komponiert. Doch die Blockflöte war nie der Mittelpunkt der Musikwelt. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde sie aber häufiger eingesetzt. Und aus dieser Zeit schlummern noch manche Schätze in den Archiven, wie die neue CD zeigt.

Ihre Instrumente sind aus verschiedenen Hölzern und aus Elfenbein. Was bedeutet das für den Klang?
Jede Flöte hat ihren eigenen Charakter. Den setze ich bei Konzerten und Aufnahmen gezielt ein. Ich probe zum Beispiel jedes Stück auf zwei Instrumenten. Beim Auftritt wähle ich dann die Flöte, die am besten zum Raumklang passt. Für die CD haben wir zunächst einen geeigneten Raum gesucht und dort dann die ideale Position für jedes Instrument. Die Aufnahme wurde schliesslich mit einem einzigen Mikrofon gemacht. Nichts ist nachträglich abgemischt. Es bleibt nur die Musik, wie sie im Moment der Aufnahme erklungen ist. Darum sind die Vorarbeiten so wichtig.

«

Nicht jedes Kind muss Flöte spielen – Begeisterung für Musik ist wichtig!»

Freizeit lässt Ihr Beruf wohl wenig. Was tun Sie, wenn Sie  nicht Musik machen?
Wenn ich hier in Zürich bin und ein wenig Zeit für mich habe, was in der Tat eher selten vorkommt, geniesse ich das meist in aller Ruhe und zu Hause. Ich koche nämlich sehr gerne …

… zu Barockmusik? Oder ist es dann auch einmal Pop?
Sie werden es nicht glauben, aber ich war früher einmal Fan von Boney M. – das ist nun schon lange her … Nein, Musik nur nebenbei hören geht bei mir nicht. Egal, welches Stück läuft. Das beschäftigt mich dann so sehr, dass ich mit meinen Gedanken nicht zugleich bei etwas anderem sein kann. In der Küche ginge dann alles schief.

Seit einigen Jahren führen Sie auch Musikmärchen für Kinder auf. Was wollen Sie damit erreichen?

Die Kinder sollen auf eine spielerische Art mit Musik in Kontakt kommen. Darum dürfen sie auch nach den Aufführungen einmal selber ausprobieren, wie so eine Blockflöte überhaupt klingt. Ich bin überzeugt, dass auf diese Weise ein Zugang zum Instrument und zur Musik allgemein entstehen kann, der unverkrampfter ist als bei jedem Unterricht. Es muss doch nicht jedes Kind Flöte spielen lernen – viel wichtiger ist es, die Begeisterung für Musik zu wecken!

Wie ist diese Begeisterung bei Ihnen entstanden? Gab es Vorbilder?
Natürlich habe ich damals als junger Musikschüler und Student die grossen Solisten jener Jahre für ihr Können bewundert. Im Vordergrund stand für mich dabei jedoch immer die Musik, die Interpretation, und weniger die Person.

Inzwischen sind Sie selber sicher ein Vorbild für viele junge Musiker. Wie gehen Sie damit um?
Das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die ich ganz bewusst wahrnehme, auch wenn sie eine Menge Zeit beansprucht, da ich versuche, jede Anfrage persönlich zu beantworten. Das reicht von Anfragen zu meinen Noten aus Archivbeständen bis zur Spielpraxis. Oft schicken auch die Kinder nach einem Konzert ein selbst gemaltes Bild, und denen antworte ich besonders gerne!

Maurice Steger

Beruf: Musiker
Jahrgang: 1971
Werdegang: Nach seiner musikalischen Ausbildung in Zürich beschäftigte sich der gebürtige Winterthurer intensiv mit der Alten Musik. Auf diesem Gebiet zählt er als Blockflötist ebenso wie als Dirigent zu den weltweit führenden Interpreten. Aber auch als Dirigent und Solist moderner Orchester sowie mit seinen Meisterklassen ist er international erfolgreich.
Kinderprojekte: Mit regelmässigen Aufführungen des Musikmärchens «Tino Flautino und die Zaubermelodie» von Rodolphe Schacher sowie mit «Tino Flautino» und «Pinocchio und der Flötenspieler» begeistert er die Jüngsten für Musik.
Aktuell: «Piano Plus» mit Werken von Johann Sebastian Bach, am Donnerstag, 20. Dezember 2012, 19.30 Uhr, im Stadthaus Winterthur, zusammen mit dem Pianisten Cédric Tiberghien.
www.mauricesteger.com

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Martin Winkel

Redaktor

Foto:
Christoph Kaminski / Beatrice Thommen-Stöckli
Veröffentlicht:
Montag 17.12.2012, 15:00 Uhr

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