Tanja Grandits: «Ich möchte mein Glück teilen»

Persönlich. Mit der Initiative «Spitzenköche für Afrika» will Tanja Grandits gemeinsam mit den 19 besten Berufskollegen etwas für Kinder in Äthiopien tun.

Coopzeitung: Ostafrika leidet unter der Dürre: In Somalia, Kenia und Äthiopien herrscht Hungersnot - und Sie servieren in Ihrem Restaurant jeden Abend Menüs mit sieben, acht Gängen.

Tanja Grandits: Das bringt einen zum Nachdenken. Man kann es manchmal gar nicht fassen, in was für einem unglaublichen Glück wir eigentlich leben. Vor allem, wenn man jeden Tag mit so viel wertvollem Essen zu tun hat. Es ist ja nicht nur so, dass wir ernährt sind, es ist, nicht nur bei uns, immer auch das Beste und Frischeste. Das kann man manchmal gar nicht fassen, deshalb bin ich ja auch aktiv geworden.

Sie haben die Initiative «Schweizer Spitzenköche für Afrika» ins Leben gerufen. Um was geht es?
Ich habe 19 meiner besten Berufskollegen in der Schweiz für ein gemeinsames Kochbuch gewonnen. Jeder Koch hat einige einfache Rezepte mit Soul-Food kreiert. Teils sind es Rezepte aus der eigenen Kindheit oder Gerichte, die sie zu Hause am liebsten kochen, ohne Luxusprodukte, mit einfachen Zutaten. Ich habe die Idee gemeinsam mit Michael Wissing entwickelt, dem Fotografen, mit dem ich meine bisherigen Kochbücher gestaltet habe. Jeder Koch hat drei Rezepte kreiert und es ist ein wunderschönes Buch geworden.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Vorbild war Deutschland, da haben Ralf Bos und Eckhart Witzigmann die Initiative «Spitzenköche für Afrika» schon vor Jahren initiiert. In Deutschland gibt es aber kein Buch, da funktioniert die Initiative über Events. Bei uns sollen das Buch und der Gala-Event am 18. September der Startschuss sein, es soll aber danach, wie in Deutschland, weiterlaufen.

Wie haben die Schweizer Köche reagiert?
Sehr, sehr positiv.

Haben alle ein schlechtes Gewissen?
Ich glaub schon, irgendwie muss man das ja haben. Es ist ja auch toll, wenn man in seinem Rahmen mit seinen Möglichkeiten helfen kann. Für den Einzelnen ist der Aufwand ja nicht so gross, gemeinsam können wir aber etwas Tolles entstehen lassen und unseren Ruf und unsere Bekanntheit einsetzen.

Sie kombinieren Zutaten aus der ganzen Welt. Welche Zutaten in Ihrer Küche kommen aus Afrika?
Eigentlich keine. Die Produkte, die aus fernen Ländern kommen, das sind vor allem Gewürze. Die Hauptprodukte kommen aus der Schweiz oder allenfalls aus Europa. Das ist auch der Trend in der Küche: zurück zu einer ehrlichen, lokalen Küche.

Wie schmeckt Afrika?
Ich kenne den Geschmack von Nordafrika, ich kenne afrikanische Gewürzmischungen. Das ist alles sehr warm, pfeffrig, würzig.

Nochmal zurück zum Hunger: Wie gehen Sie persönlich damit um, dass wir hier im Überfluss leben und anderswo herrscht grosse Not?
Für mich ist das schwierig. Ich weiss ja, was ich hier mache und ich will das ja auch machen. Trotzdem sind wir hilflos. Wir haben zwei Patenkinder, eins in Asien und eins in Afrika. Das sind kleine Dinge, die man machen kann, aber es ist schwierig. Ich versuche, bewusst einzukaufen, zum Beispiel Fairtrade-Produkte, ich arbeite auch mit Max Havelaar zusammen. Es kann keine gute Küche geben, die anderen Schaden zufügt.

Wie erklären Sie das Ihrer Tochter Emma?
Sie versteht es auch schlecht, dass es Menschen gibt, die nicht genug zu essen haben. Emma hat, seit sie ein Baby ist, immer alles, noch mehr als andere Kinder in der Schweiz. Wir haben ein riesiges Kühlhaus, feine Käsesorten, frische Beeren. Ich versuche ihr zu erklären, dass es anderswo auf der Welt anders ist. Sie ist offen und interessiert und gibt auch gern. Sie schenkt lieber, als dass sie was kriegt.

Und Sie? Welche Schlüsse ziehen Sie für sich aus dem Gefälle zwischen der Schweiz und Ostafrika?
Ich habe für mich den Schluss gezogen, es möglichst intensiv zu machen, meine Bekanntheit und meinen Erfolg aber für die gute Sache zu nutzen und zu helfen. Ich möchte mein Glück teilen und es weitergeben. Wichtig scheint mir dabei die Wertschätzung von Essen. Ich meine damit nicht Luxusprodukte, sondern die schönen, einfachen Dinge, zum Beispiel das Butterbrot am Morgen. Wir müssen den Wert des Essens wieder erkennen.

Tanja Grandits

Geboren: 1970 in Ebingen/Albstadt in Baden-Württemberg

Ausbildung: Nach dem ernährungswissenschaftlichen Gymnasium Studium von zwei Semestern Chemie in Tübingen, Amerika-Aufenthalt als Au-pair. Da entdeckte sie das Kochen definitiv für sich.

Werdegang: Nach der Kochlehre im renommierten Luxushotel «Traube Tonbach» Stationen als Köchin im Hotel «Claridges» in London und im südfranzösischen «Château de Montcaud» in Bagnol-sur-Cèze, wo ihr heutiger Mann, René Graf, Küchenchef war. Danach hat sich Tanja Grandits zusammen mit Graf im «Thurthal» in Eschikofen selbstständig gemacht. 2008 übernahmen die Spitzenköchin und ihr Mann René Graf Grandits das legendäre Restaurant Stucki in Basel.

Aktuell: Buch und Event «Schweizer Spitzenköche für Afrika» am 18. September im Restaurant «Stucki» in Basel.

Link: Homepage Restaurant Stucki

Die Aktion, das Buch «Schweizer Spitzenköche für Afrika» zum Sonderpreis zu bestellen, ist leider am 5. September 2011 abgelaufen. Wenn Sie dennoch Interesse am Buch haben und durch Ihren Kauf die Stiftung «Menschen für Menschen – Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe» unterstützen möchten, können Sie das Werk beim Verlag für 39.90 Franken bestellen.

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Matthias Zehnder

Ehemaliger Chefredaktor

Foto:
Georgios Kefalas
Veröffentlicht:
Dienstag 30.08.2011, 00:00 Uhr

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