1 von 3





Dani Levy: «Ich war wendig und dribbelstark»

Filmregisseur Dani Levy (55) über seine Rückkehr in die Schweiz, den Dreh der «Tatort»-Folge «Schmutziger Donnerstag» und das fehlende Autogramm von Karli Odermatt.

Coopzeitung: Ihre «Tatort»-Folge «Schmutziger Donnerstag» spielt während der Fasnacht. Welchen Zugang haben Sie da als gebürtiger Basler?
Dani Levy: Ich könnte jetzt behaupten, sie mit der Muttermilch aufgesaugt zu haben. In Wahrheit gingen wir aber während dieser Zeit lieber Ski fahren. In meiner Kindheit war mir die Basler Fasnacht zu laut, zu übergriffig und zu wild. Jetzt, nachdem ich bei den «Tatort»-Dreharbeiten den anarchischen und chaoti-schen Schmutzigen Donnerstag in Luzern erlebt habe, finde ich im Vergleich dazu die Basler Fasnacht fast wieder zu aufgeräumt und zu rituell.

Wie die Zünfte? War es Ihre Idee, das Verbrechen dort anzusiedeln?
Nein, im Drehbuch war die Handlung von Anfang an so angelegt, dass das Verbrechen in den Strukturen und dem Klima einer Zunft entstand. Beim Schreiben meiner Regiefassung, als ich mich damit beschäftigt habe, unter welchem Druck der Täter stehen muss, um eine solche Tat zu verüben, ist mir erst klar geworden, dass der Mikrokosmos der Zunft auch ein Stück weit die Schweiz symbolisiert.

Das hat zu heftigen Kontrovesen geführt ...
Ja, das stimmt. Eine Luzerner Zunft, die beratend an der Entwicklung des Drehbuchs beteiligt war, hatte sich kurz vor Drehbeginn aus dem Projekt zurückgezogen und öffentlich behauptet, wir würden ihre Fasnacht diskreditieren. Da waren die Dreh-arbeiten kurzzeitig gefährdet. Aber dank des Stadtpräsidenten, der Polizei und des Fernsehens hat man eine Lösung gefunden. Da sind Realität und Fiktion kurz aneinandergeraten.

Sie haben den Ausnahmezustand Fasnacht teilweise auch ziemlich überzogen dargestellt.
Nein, eigentlich nicht. Als wir von der Luzerner Polizei wissen wollten, wie ihr Betrieb in diesen Tagen aussieht, hat uns der «Tatort»-Berater bestätigt, dass die Kripo bei einem Supergau, wie er im Film dargestellt wird, tatsächlich ziemlich gefordert wäre, weil viele Beamte Fasnächtler sind und in dieser Zeit Ferien nehmen. Dass das Fasnachtsfieber auch die Polizei erfasst, ist realistisch.

War das Coming-out von Kommissarin Liz Ritschard von Anfang an für diese Folge geplant?
Ich kann mich nicht mehr erinnern, aber als es bei der Drehbuchentwicklung zum Thema wurde, war die Redaktion ebenso begeistert wie Delia Mayer. Bei den Darstellern habe ich sowieso einen starken Hunger nach einer vielschichtigeren, ambivalenteren und kontroverseren Zeichnung ihrer Figuren gespürt.

«

‹Peperoni› hat mir schon manche Türe geöffnet.»

Normalerweise verfilmen Sie eigene Stoffe. Weshalb nun «Tatort»?
Für jemanden, der immer um die Finanzierung seiner Projekte kämpfen muss und in der Ungewissheit lebt, ob sie am Ende realisiert werden können, ist es schon sehr verlockend, dass ein «Tatort» in der Regel auch gedreht wird ... Ausserdem freute ich mich, erstmals seit «Motel» wieder mit Schweizer Schauspielern und einer Schweizer Crew in der Schweiz drehen zu können. Am meisten reizte es mich jedoch, weil ich wusste, dass es logistisch, ästhetisch und inhaltlich extrem anspruchsvoll sein würde, dieses Buch direkt an der Fasnacht in Luzern zu verfilmen. Ich war auch sehr motiviert, mich nach seinen Startproblemen für den Schweizer Tatort einzusetzen.

Hat man Sie beim Dreh in der Heimat noch auf Ihre berühmteste Rolle als Schauspieler, die des Küchengehilfen Peperoni in der Serie «Motel», angesprochen?
Ach, das ist jetzt fast 30 Jahre her. In den 80er- und 90er-Jahren war es manchmal fast unerträglich. Egal, auf welcher Alp ich war oder ob ich mich in der Badi gerade mit meiner Freundin stritt, immer rief irgendeiner: «Bist du nicht der Peperoni?»

Sind Sie vor dieser Popularität nach Berlin geflüchtet?
Nein, ich habe vorher schon hier gelebt. Ich will mich über die Liebe der Schweizer zu Peperoni auch nicht beklagen – im Gegenteil: Sie hat mir schon manche Türe geöffnet.

Schlägt Ihr Fussball-Herz nun für Hertha oder Basel?
Weder noch. Als Kind war ich ein grosser FCB-Fan und Karli Odermatt war mein Idol. Als er am Gymnasium eine Autogrammstunde gab, wurde ich, klein, wie ich trotz meiner zwölf Jahre war, im Gedränge fast  erdrückt – eine schlimme Erfahrung. Und ich habe bis heute kein Autogramm von Karli.

Was lieben Sie am Fussball?
Als Kind war ich völlig fussballverrückt, ein wendiger, dribbelstarker Stürmer wie Gerd Müller oder Pierre Littbarski. Später habe ich den Fussball nur noch bei Welt- und Europameisterschaften am Fernsehen verfolgt. Ich spiele erst wieder selber, seit ich mit meinem Sohn Joshua im Quartier auf den Bolzplatz gehen kann; klingt nach Klischee, aber es ist so ein richtiges Vater-Sohn-Ding, bei dem wir die Probleme, die es im alltäglichen Zusammenleben auch gibt, vergessen können und total verschwitzt, aber glücklich nach Hause kommen.

Dani Levy

Steckbrief: Dani Levy
Geburtsdatum: 17. November 1957 in Basel
Zivilstand: verheiratet mit Maskenbildnerin Sabine Lidl, eine Tochter (13), ein Sohn (7)
Berufe: Filmregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler
Wohnort: Berlin-Schöneberg
Laufbahn: Matura, 1977 bis 1979 Theater Basel, seit 1980 in Berlin, 1985 erster Film «Du mich auch» (Regie und Hauptrolle), 1989 «RobbyKallePaul», 1994 Mitbegründer der Produktionsfirma X-Filme, 2005 Deutscher Filmpreis für die Komödie «Alles auf Zucker!», 2007 «Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler», 2010 «Das Leben ist zu lang».
TV: 10. Februar «Tatort – Schmutziger Donnerstag» (SFR1, 20.05 Uhr) mit Stefan Gubser und Delia Mayer.

Videointerview

Dani Levy auf Wikipedia
Dani Levy auf der Internationalen Filmdatenbank (englisch)

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
„Sand“ von Wolfgang Herrndorf, „Shantaram“ von Gregory David Roberts - und div. Drehbücher.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
niemanden habe ich mehr geliebt als die Rote Zora und Branco als Kind.

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Menschen, die in Krisengebieten arbeiten

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
„Searching for Sugar Man“, vorgestern

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
„Les petits fugues“ (Kleine Fluchten)

Ihr Lieblings-Filmheld?
keine Ahnung – Shrek?

Was für Musik hören Sie gerade?
„Rodriguez“ (siehe „Searching for Sugar Man“)

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Foto-CD

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Manu Chao

Was kochen Sie selbst?
alles

Ihre Lieblingsspeise?
Pasta mit Fisch – Eis mit Schokosauce

Ihr Lieblingsgetränk?
Quellwasser

Mit wem essen Sie am liebsten?
mit Freunden

Und wo essen Sie am liebsten?
am Meer

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Beides

Wein oder Bier?
Beides

Pasta oder Fondue?
Fondue ist Neuland für mich

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
Berge (am Meer)

Wann haben Sie zuletzt geweint?
im Film „Beasts of the Southern Wild“

Wie bringt man Sie zum Lachen?
nichts leichter als das

Welches Tier wären Sie am liebsten?
eine Katze

Wovon träumen Sie?
mehr Bewusstsein für eine gerechte Welt

Was ist für Sie das grösste Glück?
ausschlafen

Kommentare (7)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Michael Hauri
Veröffentlicht:
Mittwoch 06.02.2013, 19:05 Uhr

Mehr zum Thema:



Weiterempfehlen:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?