Tropen unter dem Glasdach: Besucher entdecken neben Schmetterlingspuppen kurz vor dem Schlüpfen auch jede Menge exotischer Tiere. Direktor Caspar Bijleveld ist ein Mann mit vielen Ideen und grossem Engagement.

Feucht-fröhlich: Die Tropen vor der Haustür

In Kerzers FR gaukeln exotische Schmetterlinge und anderes Getier den Gästen Ferienstimmung vor. Auch im Winter.

Zu kühl angezogen ist man im Papiliorama in Kerzers FR nie. Auch nicht im tiefsten Winter. Denn ein Besuch des einzigen Schmetterlingszoos der Schweiz bedeutet einen Ausflug in die Tropen: Das ganze Jahr über ist es hier 27 Grad warm – und dies bei einer Luftfeuchtigkeit von gut 90 Prozent. Die tropischen Verhältnisse sind für die Tiere und Pflanzen in den drei Pavillons lebenswichtig. Zum Beispiel im Papiliorama selber, dem eigentlichen «Haupt-Act» des Zoos der etwas speziellen Art. Bis zu hundert Schmetterlingsarten gaukeln hier fröhlich durch die Luft. Wie viele es genau sind, weiss nicht einmal Direktor Caspar Bijleveld (44). «Die Schmetterlinge leben durchschnittlich nur zwei bis drei Wochen», erzählt er, «da brauchen wir immer wieder Nachschub.»

Achtung: Tiertransport

Jede Woche liefert der Pöstler deshalb Päckchen mit etwa 500 Schmetterlingspuppen: von den Philippinen, aus Malaysia, Tansania, Kenia, Costa Rica, Kolumbien und Surinam. Welche Arten sich genau in den Päckchen befinden, ist immer eine Überraschung. Schmetterlinge in der nötigen Menge in Kerzers selber züchten, ist nicht möglich. «Wir können niemals so viele Pflanzen nachziehen, wie die Raupen fressen», sagt Bijleveld.

Für den Einwand, mit der stetigen Entnahme von Schmetterlingen gefährde er die Artenvielfalt in den Herkunftsländern, hat der Biologe nur ein Lächeln übrig. «Die Menge, die wir entnehmen, ist marginal», sagt er. In Kenia beispielsweise sorgen 350 Familien, verteilt auf eine Fläche von 400 Quadratkilometern im Küstentrockenwald für den Nachschub. «Vor allem Frauen züchten die Schmetterlinge und es ist für die Familien oft die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen.»

Zum Papiliorama 3.0

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Jede Woche liefert der Pöstler 500 Schmetterlingspuppen ab.»

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Bald lässt Bijleveld den Eingangsbereich des Papilioramas umbauen, und weitere Ideen spuken in seinem Kopf herum. So denkt er nach über die Erneuerung des Daches des Haupt- und gleichzeitige Vergrösserung des Nocturama-Gebäudes, ein Null-Kulissen-Konzept, bei dessen Realisierung die Besucher freie Sicht auf alle Bereiche (auch Nahrungszubereitung und Zuchtstation) hätten, oder ein Nocturama ganz ohne Glasscheiben zwischen menschlichen und tierischen Gästen. Kurz: «Wir streben vom Papiliorama 2.0 zum Papiliorama 3.0», sagt der Direktor. «Unsere Besucher sind zu 80 bis 90 Prozent Wiederholungstäter und kommen immer wieder», analysiert er, «aber nur, wenn wir ihnen immer wieder etwas Neues bieten.» Rund zwölf Millionen Franken hat das Papiliorama seit 2003, seit seinem Umzug von Marin nach Kerzers, investiert.

Das Schmetterlingshaus ist nur ein Teil des Papilioramas. Spektakulär sind auch das Nocturama, wo in einer Vollmondnacht-Stimmung Nachtaktive wie Gürteltiere, Greifstachler, Nachtaffen oder Ozelote durch die Gegend huschen, der Jungle Trek, eine exakte Kopie des Papiliorama-Reservats in Belize (Zentralamerika), der Streichelzoo und das Wild Seeland, das den Gästen die Wichtigkeit der Artenvielfalt in der einheimischen Natur vor Augen führt.

Naturreservat in Belize

Dem Papiliorama und dessen Chef ist der Naturschutz generell ein grosses Anliegen. Deshalb finanzieren sie den Schutz des Naturreservats Shipstern in Belize. Dieses ist 235 Quadratkilometer und damit eineinhalb Mal so gross wie der Schweizerische Nationalpark.

«Mit der Finanzierung der 14 Wächter und Polizisten können wir viel erreichen», sagt Bijleveld, der sich oft darüber ärgert, «dass es im 21. Jahrhundert nicht möglich ist, wenigstens die wenigen Naturschutzgebiete wirkungsvoll zu schützen». 80 Prozent, so schätzt er, seien unterbeschützt. In Shipstern leben unter anderem fünf Katzenarten, darunter Jaguar und Puma, Pekaris, Hokos, Hirsche und ungefähr 300 Vogelarten.

Bilder von Schmetterlingen aus dem Papiliorama sehen Sie in der nachfolgenden Bildergallerie:

Weiterer «heisser» Ausflugs-Tipp: Tropenhäuser

Ein tropisches Vergnügen ist auch der Besuch der zu Coop gehörenden Tropenhäuser Frutigen und Wohlhusen. Während Frutigen sich mit der ersten alpinen Stör- und Kaviarzucht einen Namen gemacht hat, sorgt Wolhusen mit dem Anbau des Thai-Ingwers Galgant für Schlagzeilen. Mehr über die Tropenhäuser unter nachfolgenden Links:

Zur Webseite des Tropenhauses in Frutigen
Zur Webseite des Tropenhauses in Wolhusen

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:

Philipp Zinniker
Veröffentlicht:
Montag 19.01.2015, 00:00 Uhr

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