1 von 3


Lisa Urech in Langnau. Die Hürdenläuferin musste drei Monate mit dem Training aussetzen.

Nun darf sie wieder ran: hier mit Physiotherapeut Daniel Troxler

Lisa Urech: «Es war eine harte Zeit»

Persönlich. Lisa Urech ist die schnellste Hürdenläuferin der Schweiz. Nach einer Verletzung musste sie sich im Herbst am Hüftgelenk operieren lassen. Jetzt nimmt sie das Training wieder auf.

Coopzeitung: An Ihrem Geburtstag im Juli beginnen die Olympischen Spiele in London. Werden Sie dabei sein?
Lisa Urech: Ich hoffe, das ist ein gutes Omen. Ich schaue Schritt für Schritt, was geht. Doch ab und zu schweifen meine Gedanken schon in Richtung Olympische Spiele in London.

Ist das Ihr Traum? Olympische Spiele?
Alle reden davon, es sei ein Riesenerlebnis, schon nur, weil alle Sportarten vertreten sind. Es muss sehr speziell sein, eine einmalige Atmosphäre. Ich möchte einfach dabei sein und selber sehen und erleben, wie es ist.

Geniessen Sie das Gefühl, im Stadion zu stehen?
Es ist gigantisch. Besonders letztes Jahr in Rom und Zürich, als die Namen verlesen wurden, wie das Publikum darauf reagierte, das war unglaublich. Das gibt einen zusätzlichen Adrenalin-Kick. 2011 hatten Sie viel erreicht. Dann die Operation. Ich wurde von 100 auf 0 heruntergebremst. Ich hatte schon die ganze Saison immer wieder Schmerzen, mal mehr, mal weniger. Im Herbst war dann klar, dass eine Operation die beste Lösung ist, langfristig, für die Karriere.

Ein Bewegungsmensch wie Sie, wochenlang an Krücken, zum Stillhalten gezwungen. Wie haben Sie das erlebt?
Es war schon eine harte Zeit, aber es war weniger schlimm als erwartet. Schlimmer war es vor der OP. Drei, vier Monate ohne Training, das schien mir eine unglaublich lange Zeit. Ich habe mich gefragt, ob ich das schaffe, ob ich die Geduld habe. Und ich hatte dann auch ein paar Durchhänger, Tage, an denen ich alles hinschmeissen wollte. Doch im Grossen und Ganzen ist es erstaunlich gut gegangen.

Was haben Sie die ganze Zeit gemacht?
Die ersten zwei Wochen konnte ich mich kaum bewegen, war total erschöpft. Ich konnte nicht einmal die Socken selber anziehen. Da wollte ich gar nichts machen. Doch dann habe ich es auch genossen, Zeit für die Familie und Freunde, zum Lesen, Serien anschauen, einfach auf dem Bett liegen und entspannen. Es war das erste Mal überhaupt, dass ich so viel Zeit für mich hatte. Nach der Schule habe ich ja noch eine KV-Lehre bei der Post gemacht und anschliessend, bis letzten Sommer, die Berufsmatur.

Wann hatten Sie denn mit Sport begonnen?
Bewegung war mir immer sehr wichtig. Schon als Kind war ich immer draussen mit den Nachbarskindern. Ab acht ging ich dann in den Sportclub. Zuerst vor allem, weil ich da viele Freunde hatte. Doch je besser die Leistung, desto wichtiger wurde das Training an sich.

Haben Sie von Anfang an auf Hürdenlauf gesetzt?
Nein, am Anfang habe ich alle Disziplinen trainiert. Es hat sich dann aber mit der Zeit ergeben, dass ich mehr Hürden gelaufen bin, und seit ich etwa 15 war, konnte ich nicht mehr davon lassen.

Denken Sie denn schon daran, was nach dem Sport kommt?
Es ist mir natürlich wichtig, was nachher kommt. Sonst hätte ich die Berufsmatur nicht gemacht. Ich werde ein Studium in Angriff nehmen. Später. Jetzt zählt nur der Sport.

Was wollen Sie erreichen?
Ich setze mir immer wieder Ziele, und wenn ich sie erreicht habe, kommt das nächste. Ich will einfach immer weiter, so bin ich halt. Ich möchte international etwas erreichen.

Sie können mittlerweile vom Sport leben. War das auch eines Ihrer Ziele?
Früher habe ich oft gedacht, dass es unglaublich schwer sein müsse, vom Sport leben zu können. Jetzt kann ich das auch. Natürlich ist das sehr schön.

Sie trainieren auch in Deutschland und sind viel in der Welt unterwegs, oft allein. Fühlen Sie sich nie einsam?
Nein. Ich finde es schön, so um die Welt zu reisen. Dieses Leben gefällt mir. Ich komme aber auch gerne wieder nach Hause, und bei den Meetings ist es natürlich immer schön, wenn ich mit einer Schweizer Sportlerin das Zimmer teilen kann. Wenn ich in Stuttgart trainiere, lebe ich in einer kleinen Sportlerinnen-WG. Ab und zu kochen wir auch zusammen.

Müssen Sie speziell auf die Ernährung achten?
Ich ernähre mich gesund und ausgewogen, muss aber keinen Diätplan einhalten. Ich leiste mir auch jeden Tag etwas Süsses.

Letztes Jahr sind Sie Zweite geworden bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres. Was bedeutet Ihnen eine solche Auszeichnung?
Das war eine grosse Ehre für mich, und es freut mich sehr, dass die Schweizer Bevölkerung so Anteil nimmt an der Leichtathletik und an dem, was ich tue.

Lisa Urech

Beruf: Leichtathletin
Geburtsdatum: 27. Juli 1989
Wohnort: aufgewachsen in Langnau, wohnhaft in Stettlen bei Bern
Erfolge 2011: Schweizer Rekord im 100-Meter-Hürdenlauf (12,62 Sek.); U23-Europameisterin; Vierte am Diamond League Meeting in Rom; Neunte der Leichtathletik-WM in Daegu; zweitschnellste Europäerin.
Rückschläge 2011: Verletzung im Frühling; Schmerzen während der gesamten Saison; Hüftoperation im Herbst.
Neustart 2012: Wiederaufnahme des Trainings im Februar.
Wichtigstes Saisonziel: Olympische Spiele, 27. Juli bis 12. August in London.

www.lisaurech.net
facebook.com/lisaurech

Weitere Antworten von Lisa Urech

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Tausend strahlende Sonnen (Khaled Hosseini)

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Harry Potter

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
keines

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Apollo 13

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Bridget Jones 1 und 2

Ihr Lieblings-Filmheld?
Jean Reno als Léon im Film Léon der Profi

Was für Musik hören Sie gerade?
Morcheeba

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Zero7 - Simple Things

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Lenny Kravitz

Was kochen Sie selbst?
Pasta, Fleisch, Fisch, und und und

Ihre Lieblingsspeise?
Lachsfilet

Ihr Lieblingsgetränk?
Wasser

Mit wem essen Sie am liebsten?
Familie

Und wo essen Sie am liebsten?
Im Sommer draussen im Garten

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Zug

Wein oder Bier?
Bier

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
Meer

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Kürzlich; beim Zwiebel schneiden

Wer bringt Sie zum Lachen?
Mein Grosi- immer für einen Lacher gut

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Gepard

Wovon träumen Sie?
Glück, Erfolg, Zufriedenheit

Was ist für Sie das grösste Glück?
Gesundheit

Lisa Urech in Action

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Priska Blunschi



Foto:
Peter Mosimann
Veröffentlicht:
Montag 13.02.2012, 11:19 Uhr

Weiterempfehlen:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?