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Was es da wohl Spannendes zu lesen gibt? Reto Fehr studiert eine Infotafel vor der imposanten Kulisse der Churfirsten. 

Gleicht geht’s los: Reto Fehr vor der imposanten Kulisse der Churfirsten.

Die Route zieht sich über weite Teile entlang des Walensees mit seinem tiefblauen Wasser.

Da ist die Kirche noch im Dorf: Reto Fehr in Mühlehorn.

Der Weg entlang des Sees lädt zum geruhsamen und sicheren Velowandern ein. 

Die Herausforderung des Tages bringt ein 25prozentiges Gefälle. Hier sind gute Bremsen oder Absteigen gefragt.

Nein, es ist garantiert ein Veloweg, das Autobahnschild hat hier nichts verloren.

Der Veloweg ist für die ganze Familie geeignet: wenige Steigungen und ein paar hübsche Abfahrten.

Nach mehr als 20 Kilometern gemütlichem Pedalen, ist das Ziel nicht mehr fern.

Der charmante Hafen von Weesen empfängt die Velofahrer mit ruhig vor sich hindümpelten, kleinen Booten.

Ein Blick auf den See und die Berge; so lässt sich die Tour glücklich beenden. 

Per Velo durch die Schweiz

Die Schweiz besitzt mit rund 12'000 Kilometern ausgeschilderten Velorouten eines der vielfältigsten Velonetze der Welt. Eine Reportage mit Reto Fehr, der alle Schweizer Gemeinden mit dem Velo durchquert hat. 

Auf den Velowegen muss man sich nicht vor dem motorisierten Verkehr fürchten: Redaktor Sylvain Bolt (rechts) im Gespräch mit Reto Fehr.

Auf den Velowegen muss man sich nicht vor dem motorisierten Verkehr fürchten: Redaktor Sylvain Bolt (rechts) im Gespräch mit Reto Fehr.
http://www.coopzeitung.ch/Per+Velo+durch+die+Schweiz Auf den Velowegen muss man sich nicht vor dem motorisierten Verkehr fürchten: Redaktor Sylvain Bolt (rechts) im Gespräch mit Reto Fehr.

Die Churfirsten-Bergkette erhebt sich fast vertikal am Nordufer des Walensees, der dadurch fjordartig in die Landschaft eingebettet ist. Am Bahnhof Walenstadt SG erwartet uns Reto Fehr mit seinem Velo. Er hat diese Strecke in der Tourismusregion «Heidiland» nicht zufällig gewählt. «Diese Tour bis nach Weesen auf der anderen Seite des Sees spiegelt die gesamte Schweiz wider. Der See, die Berge, die Natur ... Sie werden sehen, es ist fantastisch!», verspricht er voller Begeisterung. Der Sportjournalist aus Zürich war bereits in mehr als 80 Ländern, hatte aber noch nie den Titlis, die Jungfrau oder die Wasserfontäne von Genf gesehen. 2015 stellte er sich daher einer ungewöhnlichen Herausforderung: Er wollte alle 2324 Gemeinden der Schweiz per Velo durchqueren. Letztendlich hat er vier Monate gebraucht und ist 11 000 Kilometer gefahren, also so weit wie von Zürich nach Peking, um sein Ziel zu erreichen, nämlich sein Land besser kennenzulernen.

Die Strecke des Tages führt der offiziellen «Seen-Route» entlang, die vom Genfersee bis zum Bodensee verläuft (siehe Karte). Die Seen-Route ist eine der neun nationalen Velorouten in der Schweiz, die von Schweiz Mobil eingerichtet wurden. Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Stiftung, die ausserdem 54 regionale und 46 lokale Routen im Programm hat, die einheitlich auf einer Gesamtlänge von rund 12 000 Kilometern markiert sind. Viele Etappen eignen sich auch für Tagesausflüge.

Ideales Tempo für die Sinne

Während der ersten Kilometer betont Reto Fehr, dass die Schweiz per Velo sehr abwechslungsreich sei, dies vor allem aufgrund ihrer Topografie. «Es ist genial, so viele Velorouten zu haben, auf denen man sich ganz oft fühlt, als sei man allein auf der Welt. Tatsächlich fahren 90 Prozent der Velofahrer auf 20 Prozent der Velorouten.»Eine frische Brise streicht durch die Luft an einem der ersten schönen Frühlingstage, während wir auf einer schmalen Strasse fahren, die oberhalb des wunderschönen Sees mit türkisfarbenem Wasser verläuft. «Mit dem Auto geht es zu schnell und zu Fuss zu langsam. Mit dem Velo ist das Tempo dagegen ideal und man erlebt alles sehr intensiv. Es ist für alle Sinne gemacht», sagt Reto Fehr, räumt aber auch ein, dass der Gegenwind auf den 95 Etappen seiner Tour durch die Schweiz sein ärgster Feind war. Auf einigen Abschnitten der Strecke, die unser Reiseführer als eine der schönsten des Landes bezeichnet, passen der Lärm der Eisenbahn und der Autobahn, die weiter oben an der Bergflanke entlangführen, nicht zur Stille, die insgesamt auf der Route vorherrscht. «Die Autofahrer, die da oben mit mehr als 100 fahren, sehen gar nicht, dass sich einige Meter weiter unten ein so schöner Veloweg befindet. Dass man so nah an einer stark befahrenen Strasse ganz friedlich mit dem Velo fahren kann, führt zu einem erstaunlichen Kontrast.» Die erste und einzige Steigung der Strecke ist überwunden. Wir nutzen die Gelegenheit, eine kurze Pause einzulegen und den Hafen von Weesen zu bewundern, der von hier bereits zu sehen ist. Nach einer Steigung kommt normalerweise eine Abfahrt. Und die, welche uns auf dieser Strecke geboten wird, ist ganz besonders steil. Ein Schild weist auf ein Gefälle von 25 Prozent hin. Wir umklammern die Bremsen und die Schwierigkeit des Tages wird ohne Sturz bewältigt.

Nahe an den Menschen

Asphalt, Kiesbelag, Waldboden – unsere Velos rollen über verschiedene Beläge, die Abwechslung auf unsere Strecke bringen. «Ich finde nicht, dass es mit dem Velo langweilig wird. Es gibt so viel zu sehen, oft auch kleine Dinge», erzählt Reto Fehr. «Schauen Sie, da rechts!» Ein Autobahnschild, das kurioserweise auf der Strecke steht, die Velofahrern und Fussgängern vorbehalten ist, untermauert seine Worte. «Die Verbindung zwischen den Orten kann mit dem Velo besser hergestellt werden als mit dem Auto, die Erinnerung ist ausgeprägter», fährt der 37-Jährige fort. «Und wir sind nahe an den Menschen, man kann einfach anhalten oder sich während des Fahrens miteinander unterhalten.» Mit dem Velo hat Reto Fehr das ideale Transportmittel gefunden, um die Schweiz zu entdecken oder vielmehr «sie zu erleben». Um mehr über die Orte zu erfahren, die er durchquert hat, hat sich der Zürcher mit den Leuten unterhalten. Geschichten und Anekdoten gibt es ja fast zu jeder Region. Wir erfahren beispielsweise, dass es in La Cure VD ein auf der Welt einzigartiges Hotel gibt, das genau auf der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich liegt. In einigen der Zimmer ist es also möglich, mit dem Kopf in Frankreich und mit den Füssen in der Schweiz zu liegen. Die Kilometer ziehen dahin und wir nähern uns dem kleinen Hafen von Weesen, während Reto Fehr originelle und lustige Geschichten seines Abenteuers zum Besten gibt. Um diese zu teilen und die «Schweiz auf andere Weise zu präsentieren», wird der Journalist ein Buch veröffentlichen: «Tour dur d’Schwiiz», das diesen Frühling erscheinen soll. 

Beliebtes Velonetz

Da soll noch einer sagen, dass Velofahren nicht durstig macht!

Da soll noch einer sagen, dass Velofahren nicht durstig macht!
http://www.coopzeitung.ch/Per+Velo+durch+die+Schweiz Da soll noch einer sagen, dass Velofahren nicht durstig macht!

Wir pedalen seit etwa 20 Kilometern und nur wenige Velofahrer sind uns seither begegnet. Die schöne Jahreszeit hat gerade erst begonnen und das erklärt zweifellos das geringe Verkehrsaufkommen. «Bei meiner Tour waren enorm viele Leute unterwegs», erzählt Reto Fehr. Kein Wunder: Die Routen des von Schweiz Mobil markierten Netzes erfreuen sich grosser Beliebtheit und werden Jahr für Jahr intensiver genutzt. Während wir am Schild vorbeifahren, das die Gemeinde Weesen und damit das Ende unserer Tour ankündigt, ist der Moment günstig, um zu fragen, welches denn die schönste Gemeinde sei. «Iseltwald, Salvan, Malcantone, Soubey …», zählt Reto Fehr auf, der sich vor jedem Schild zum Beweis seiner Leistung fotografiert hat. «Ich war vor allem über die Solidarität unter den Velofahrenden erstaunt. Mehr noch als ein bestimmter Ort sind es vor allem die Begegnungen mit den Leuten, die mir in Erinnerung bleiben werden», meint Reto Fehr etwas wehmütig.

 

Reto Fehrs Buch «Tour dur d’Schwiiz»

Fit für den Frühling

Prüfen Sie Ihr Velo, bevor Sie losfahren. Hier eine Checkliste von Coop Bau + Hobby mit 7 Punkten:

  1. Reifendruck: Das Profil sollte in gutem Zustand sein und der Druck den Angaben auf den Reifen entsprechen.
  2. Bremsen: Reinigen Sie die Felgen und ersetzen Sie gegebenenfalls die Bremsklötze. 
  3. Beleuchtung: Prüfen Sie Kabel und Glühbirnen und vergessen Sie nicht, die Rückstrahler (Reflektoren) zu überprüfen, die sich am Lenker, am Gepäckträger und an den Rädern befinden sollten.
  4. Gangschaltung: Überprüfen Sie, ob sich die Gänge leicht schalten lassen und ölen Sie die Kette.
  5. Sicherheit: Passen Sie die Sattelhöhe an. Kontrollieren Sie auch, ob der Helm noch passt und gut sitzt. 
  6. Frühlingsputz: Entfernen Sie den gröbsten Schmutz mit einem Tuch, waschen Sie anschliessend das Velo mit einem speziellen Reinigungsmittel und Wasser. 
  7. Service: Falls die eigenen Fähigkeiten nicht reichen, bietet Coop Bau + Hobby auch diverse Serviceleistungen rund ums Velo. (Einstellungen jeder Art, Austauschen der Kette, Wechseln der Reifen etc.). 

Zudem hat Bau + Hobby vor Kurzem den Pannendienst «Bike Assistance» des Touring Club Suisse (TCS) eingeführt, der rund um die Uhr verfügbar ist. Dieser Service hilft bei Pannen, Diebstahl und Unfällen. 

Von der Draisine zum E-Bike

http://www.coopzeitung.ch/Per+Velo+durch+die+Schweiz Per Velo durch die Schweiz

Es begann vor 200 Jahren. Genauer gesagt am 12. Juni 1817. Der deutsche Karl Freiherr Drais von Sauerbronn fährt auf seiner «Laufmaschine» oder Draisine von Mannheim bis zur Relaisstation bei Schwetzingen. Eine Strecke von 14 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 15 km/h ist die erste Velotour in der Geschichte. Zu damaliger Zeit ist seine Erfindung die einzige Alternative zu Pferdegespannen, um sich mobil fortzubewegen, und sie wird die Welt revolutionieren, da sie den Grundstein für die individuelle Mobilität legt. Es dauert noch bis 1861, bis die Erfindung um eine weitere, nämlich die des Velozipeds des Franzosen Pierre Michaux, erweitert wird, ein Velo mit Pedalen am Vorderrad. Die Herstellung wird durch leichtere und günstigere Materialien unterstützt. Diverse Neuheiten wie die Kette oder die Bremsen machen das Velo zu dem Gefährt, wie wir es heute kennen. Die nächste grosse Innovation folgte um das Jahr 2000 mit dem E-Bike.
2016 war bereits fast jedes vierte in der Schweiz gekaufte Velo mit Elektromotor ausgerüstet, womit laut dem Verband velosuisse bereits über 400 000 E-Bikes auf den Schweizer Strassen unterwegs sind.

Die als «Swiss Bike Hotels» ausgezeichneten Hotels bieten ein breites Spektrum an massge-schneiderten Serviceleistungen, die den Bedürfnissen von Velofahrenden gerecht werden. Die 68 von Schweiz Tourismus empfohlenen Bike-Hotels verfügen über einen abschliessbaren Veloraum, einen Reparatur- und Reinigungsbereich und einen Wäscheservice für Sportkleidung (ist am folgenden Tag fertig). Sie bieten auf Anfrage auch ein Picknick zum Mitnehmen und ausführliches Infomaterial an.

www.mySwitzerland.com/bikehotels

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Text:
Sylvain Bolt
Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 24.04.2017, 10:00 Uhr

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