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Im Bauch der Kläranlage treiben Motoren die Abwasser- und Belüftungspumpen an.

Hier kommt alles zusammen, was in der Umgebung von Glattbrugg weggespült wird.

Sechs Personen sind zuständig für die Verarbeitung von täglich 15 Millionen Liter Abwasser.

Christoph Liebi kontrolliert das gereinigte Wasser.

Kostbares Abwasser

Was immer in Glattbrugg durch Abflüsse und WC-Rohre heruntergespült wird – in der ARA kommt es wieder an den Tag.

Möwen kreischen, Wasser rauscht, und wenn man die Augen schliesst, ists fast wie am Strand. Doch was einem hier entgegenplätschert, ist nicht das Meer, nur ein Meer von Abwasser. 15 Millionen Liter werden täglich in der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Glattbrugg ZH verarbeitet, wie der Geschäftsführer Christoph Liebi erklärt. Jeder Schweizer verbraucht rund 150 Liter Wasser täglich: «Früher oder später landet der allergrösste Teil davon in einer Kläranlage», sagt Liebi nüchtern. Und sehr nüchtern gehts in seiner ARA auch zu und her. Die allermeisten Vorgänge sind mechanisiert, im Bauch der Anlage siehts aus wie im Maschinenraum eines Hochseedampfers: Dutzende von Motoren treiben Pumpen an, die Wasser in allen Verschmutzungsstadien durch ein riesiges Röhrensystem transportieren. Andere Leitungen versorgen das biologische Abbaubecken mit Sauerstoff. Denn nach einer ersten Grobreinigung landet das Wasser im Klärbecken, wo eine Armee von gefrässigen Bakterien an der Arbeit ist. Und diese Bakterien brauchen Luft, um alles zu verdauen, was die Menschen der Umgebung so hinterlassen. Alles? «Nein – eben nicht», so Liebi.

Immer mehr Produkte enthalten synthetische Substanzen in kleinsten Mengen, die biologisch nicht abbaubar sind und sich bis heute auch nicht mit Filtern «herausfischen» lassen. Diese «Mikroverunreinigungen» stammen aus den unterschiedlichsten Quellen. Liebi nennt Medikamente, Farben, Pflegeprodukte, aber auch Wasch-, Abwasch- und Reinigungsmittel aus Industrie und Haushalt. «Es ist ein ganzer Cocktail, der der Umwelt nicht gut bekommt.» Männliche Fische, die keine wirklichen Männchen mehr sind, gelten als eines der ersten Signale dafür, dass der Genuss dieses Cocktails einen bösen Kater zur Folge haben kann. Denn nicht nur im Wasser reichert sich das Gemisch an. Über kurz oder lang landet das Ganze via Trinkwasser oder Nahrungsmittel wieder in der Nahrungskette. Liebi empfiehlt darum den Konsumenten, mit biologisch abbaubaren Wasch- und Reinigungsmitteln zu haushalten. Das ist relativ einfach – steht der entsprechende Hinweis doch auf den Verpackungen. Schwieriger wirds bei anderen Produkten, bei denen ausser dem Hersteller niemand so genau weiss, was sie enthalten: «Hier» – so Liebi – «sind die Produzenten und letztlich der Gesetzgeber gefordert.» Wie die Schweiz aussehen würde, gäbe es keine ARA, will man sich lieber nicht so genau vorstellen: Die Seen jedenfalls wären völlig überdüngt, das ungehemmte Algenwachstum würde sie zu stinkenden Kloaken machen. Gar nicht zu reden vom verschmutzten Trinkwasser, das viele Gemeinden aus den Seen und dem Grundwasser beziehen würden.
Die sechs in der ARA Glattbrugg beschäftigten Fachleute tun, was sie können: Sie variieren etwa das Mikroklima so, dass sich die Bakterien wohlfühlen und auch die Massen von Fett bewältigen, welche aus den vielen Hotelküchen im Einzugsbereich des Flughafens im Abwasser landen.

Die «kleinen Fresserchen» so einzustellen, dass sie die Fettberge auch wirklich schaffen, bezeichnet Liebi als die grösste He-rausforderung. Herausforderungen scheinen die Leute der ARA aber zu lieben: Für ihre Methode, dem Abwasser nicht nur Phosphate, sondern auch Stickstoff zu entziehen und daraus einen Dünger herzustellen, wurden sie für den Schweizerischen Umweltpreis nominiert. Apropos Umwelt: Das in jeder ARA entstehende Gas wird zur Elektrizitätsgewinnung aufgefangen. Der ganze Reinigungsvorgang dauert je nach Temperatur und Wasseranfall rund einen Tag. Was bleibt übrig? In der Abwasserreinigungsanlage Glattbrugg jährlich 900 Tonnen Klärschlamm, der verbrannt wird und – klares Wasser. Es ist so rein, dass nicht einmal Fische darin überleben könnten. Sie würden schlichtweg verhungern.

http://www.coopzeitung.ch/wasser Kostbares Abwasser

Es ist nicht brennbar, es ist weder sauer noch basisch, es ist geschmacks- und geruchsneutral, es löscht Durst und Feuer, es reinigt, es ist ein wichtiges Lebensmittel … – kurz: ohne Wasser kein Leben. Und doch spülen wir fast ein Drittel des Wassers die Toilette runter. Immerhin: Der Wasserverbrauch von Herrn und Frau Schweizer ist in den letzten Jahren gesunken.

Wasser sparen:
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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Mittwoch 07.03.2012, 18:05 Uhr

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