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Dänu Wisler vor seinem Haus in Walzenhausen. Von hier aus startet er zu seinem 400 Kilometer langen Quergang zu Fuss durch die Schweiz.





Persönlich:
«Da überkommt einen Ehrfurcht»

Dänu Wisler ist Musiker und Theologe aus dem Emmental. Letztes Jahr spielte er mit seinem Alphorn auf dem Eiger, nun unternimmt er von seinem Wohnort Walzenhausen AR aus einen Quergang durch die Schweiz.

Coopzeitung: Was sind Sie eigentlich von Beruf: Theologe, Musiker, Pädagoge, Bergsteiger?
Dänu Wisler: Gute Frage. Tatsächlich gab es in meinem Leben Etappen, in denen die einzelnen Elemente eine grosse Bedeutung hatten. Aber eines hat sich durch all diese Phasen gezogen: die Musik. Ich möchte mich als Musiker positionieren.

Letztes Jahr waren Sie mit Ihrem Alphorn auf dem Eiger, jetzt wandern Sie mit der Gitarre durch die Schweiz. Ist Ihre Musik zu wenig gut, dass Sie mit solchen Gags auf sich aufmerksam machen müssen?
Klar, Musik ist immer Geschmackssache. Aber ich würde jetzt mal sagen, vom Songwriting her konnte ich in den letzten Jahren recht cool zulegen. Vor allem auch hinsichtlich der Texte. Die haben heute eine grosse Eigenständigkeit und bedienen nicht nur einfach normale Klischees, wie man sie häufig kennt – gerade auch von den Berner Musikern.

Was für Klischees?
Halt so die üblichen Liebesgeschichten.

Aber Liebesgeschichten gibts bei Ihnen auch.
Ja, aber nicht die üblichen. Es geht ja nicht um das Thema an sich, sondern darum, wie man es angeht, um die Dramaturgie einer Story. Ich habe einfach auch Freude an der Melodie, an jeder einzelnen Note, am Text, an jedem einzelnen Wort. Es macht mir Spass, Wörter zu benützen, die mein Grossvater gebraucht hat, die man aber heute kaum mehr verwendet.

Zum Beispiel?
Das Wort «Waldsaum» verwendet heute kaum mehr jemand; man sagt: Waldrand. Mein Grossvater sagte dem Regenschirm «Parisol». Oder «Härdöpfugstüd» – ein Wort mit allen drei Umlauten. Da kommt bei mir die purlautere Freude an der Sprache auf.

Für einen Emmentaler, der seinen Dialekt liebt, muss die Ostschweiz doch eine Katastrophe sein.
Walzenhausen ist Appenzell, da redet man anders als beispielsweise im Thurgau oder in St. Gallen, deren Dialekte Sie vermutlich ansprechen.

Wie kamen Sie überhaupt hierher?
Als ich jung war, wollte ich möglichst schnell weg aus dem Emmental, weg von diesen «Högern». Ich bin dann viel gereist, Südamerika, Asien, Europa, lebte auch vier Jahre in Spanien. Irgendwann zog es mich zurück in die Schweiz, und mir war klar: wenn zurück in die Schweiz, dann in die Ostschweiz; hier hat man einerseits die Weite des Sees und andererseits sind die Berge in der Nähe.

Sind Sie auf dem Weg zurück zu den Wurzeln?
Wenn ich meine Texte anschaue, habe ich tatsächlich manchmal das Gefühl, ich käme immer näher zurück zum Emmental. Vermutlich höre ich am Ende dort auf, wo ich angefangen habe.

Am 30. Juni starten Sie zu Ihrem Quergang durch die Schweiz. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Einfach auf das Wandern, im eigenen Rhythmus unterwegs zu sein. Das hat für mich etwas Spirituelles, da finde ich zu mir selber. Ich stelle es mir auch toll vor, am Abend ein Ziel erreicht zu haben und beim Essen und Trinken zuschlagen zu können, ohne an Gewichtsprobleme denken zu müssen; der Kalorienverbrauch wird ja gross genug sein. Und dann freue ich mich auf zufällige Begegnungen mit Leuten, darauf, in einem Wirtshaus spontan die Gitarre hervorzunehmen und zu singen, wenn dies gewünscht wird.

Wenn Sie das Spirituelle suchen: Warum arbeiten Sie dann nicht als Pfarrer?
Mit der Theologie ist es ähnlich wie mit der Musik: Entweder, man ist Theologe oder eben Musiker, oder man ist es nicht. Und ich denke, ich bin nicht der Typ Mensch, den es braucht, um Pfarrer zu sein.

Das hätten Sie sich vor dem Studium überlegen können.
Das Problem ist ja nicht der Glaube, sondern das Institutionelle, das oft Bevormundende, das mich stört.

Aber gläubig sind Sie schon.
Schauen Sie: Wenn man in der Natur unterwegs ist, auch im Fels, wie ich, da überkommt einen einfach eine gewisse Ehrfurcht. Da spüre ich, dass dahinter ein Schöpfer stehen muss.

Sie kommen aus dem Emmental, machen auf Theologie, schreiben Texte: Sehen Sie sich als Gotthelf des 21. Jahrhunderts?
Sie lachen, aber in den letzten Monaten habe ich erstmals so richtig Gotthelf gelesen. Und ich muss sagen: Respekt! Natürlich verkündet er einen sehr traditionellen Glauben, aber die Sensibilität, die er für seine Zeit hatte, und die Fähigkeit, diese in seine Figuren und Bilder einzubauen, sind fantastisch und beeindruckend. Da kann ich noch viel lernen.

Dänu Wisler

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Vermutlich höre ich am Ende dort auf, wo ich angefangen habe. »

Geburtsdatum: 4. September 1965
Wohnort: Walzenhausen AR
Zivilstand: verheiratet mit Viviane (45), drei Söhne: Glenn (18), Lou (15) und Dylan (12)
Ausbildung/Beruf: Lehre als Maschinenmechaniker, danach Matura und Theologiestudium, Weiterbildung in Musik in verschiedenen Ländern. Arbeitet heute als Erlebnispädagoge, Musiklehrer und Musiker.
Aktuell: Seine CD «Quergang». Ab 30. Juni wandert er von Walzenhausen über Luzern, Bern, Fribourg und Biel nach Basel.
Link: www.daenuwisler.ch

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Es liegt meistens ein ganzer Stapel da. Momentan Gotthelfs Erzählungen und ein Buch mit den neusten Erkenntnissen über Düfte und Geruchsinn.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Hansjoggeli der Erbvetter im gleichnamigen Roman von Jeremias Gotthelf

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Humorvolle, intelligente und mutige Menschen

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Das Gesicht der Perfektion (Dokumentation über Jascha Haifetz)

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Die Päpstin

Ihr Lieblings-Filmheld?
Mir ist grad der Name entfallen…

Was für Musik hören Sie gerade?
Händels Meisterwerke

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Al Di Meola – Live in Milano

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Bob Dylan

Was kochen Sie selbst?
Am liebsten aus Fritz Gfellers „Rezepte aus dem Emmental“

Ihre Lieblingsspeise?
Toskanischer Hirschbraten

Ihr Lieblingsgetränk?
Rotwein aus Spanien

Mit wem essen Sie am liebsten?
Das ist mein Geheimnis

Und wo essen Sie am liebsten?
Da ich wohl der Einzige war, der dort am liebsten gegessen hat, gibt es dieses Restaurant nicht mehr…

Mac oder PC?
Leider PC

Auto oder Zug?
Leider Auto

Wein oder Bier?
Ein Bierchen an heissen Tagen ist nicht zu verachten, der Wein aber nicht zu übertreffen.

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
Berge

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Die Geigenstimme an einer Aufnahmesession berührte mich so, dass es grad soweit war.  

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Durch die Stimulation der Lachmuskeln

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Esel

Wovon träumen Sie?
Von der Musik leben zu können

Was ist für Sie das grösste Glück?
Musik machen zu dürfen

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto: Christof Sonderegger

Veröffentlicht:
Freitag 29.06.2012, 09:29 Uhr

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