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Der erste Schritt ist das Zuschneiden der Feuerwehrschläuche: Alexandra Brunner an der Arbeit.

Yvonne Karlen: «Die Jungen sind top motiviert.»

Näharbeiten erledigen Profis.

Laura Zurbriggen kontrolliert das Ergebnis.

Recycling-Design ist sexy

Die Freitags machen aus Lkw-Blachen Taschen. Sechs Walliser Gymischüler stellen nun aus Feuerwehrschläuchen Etuis her – und proben das «Unternehmer-Sein».

CEO Laura Zurbriggen zeigt die Handyhüllen, aus alten Feuerwehrschläuchen gefertigt.

CEO Laura Zurbriggen zeigt die Handyhüllen, aus alten Feuerwehrschläuchen gefertigt.
http://www.coopzeitung.ch/young+enterprise CEO Laura Zurbriggen zeigt die Handyhüllen, aus alten Feuerwehrschläuchen gefertigt.

Am Anfang eines Projekts steht immer die Idee. «Das war auch bei uns nicht anders», erzählt Laura Zurbriggen, CEO des Miniunternehmens «ignea». Diese Idee war allerdings noch etwas vage: «Anfangs war eigentlich nur klar, dass wir etwas recyceln wollten», sagt die junge Frau. «Etwas Umweltfreundliches sollte es sein», ergänzt Florian Welschen, und «natürlich musste es Anti-Mainstream sein», lacht Frédéric Kluser. Im September 2012 hatten die sechs Schülerinnen und Schüler des Kollegiums Spiritus Sanctus in Brig ihr Unternehmen «ignea» gegründet. «Ignea» verarbeitet alte Feuerwehrschläuche zu Handyhüllen und Schreib-etuis. Für diese Firmenidee sind Alexandra Brunner, Raphael Summermatter, Laura Zurbriggen, Frédéric Kluser, Kilian Frankiny und Florian Welschen mit dem Coop-Nachhaltigkeits-Award und mit dem «Most Potential Startup-Award» ausgezeichnet worden. Nie hätten sie mit diesem Erfolg gerechnet und nicht schlecht gestaunt, als sie sich auf der Liste der Bestqualifizierten wiedergefunden haben, erzählen die Jungunternehmer. Die Unternehmensgründung und -führung war ihre Maturarbeit.


Das Team hinter «ignea»: v.l. Kilian Frankiny, Laura Zurbriggen, Frédéric Kluser, Florian Welschen, Alexandra Brunner und Raphael Summermatter.

Das Team hinter «ignea»: v.l. Kilian Frankiny, Laura Zurbriggen, Frédéric Kluser, Florian Welschen, Alexandra Brunner und Raphael Summermatter.
http://www.coopzeitung.ch/young+enterprise Das Team hinter «ignea»: v.l. Kilian Frankiny, Laura Zurbriggen, Frédéric Kluser, Florian Welschen, Alexandra Brunner und Raphael Summermatter.

Die sechs Schülerinnen und Schüler sind alle mit dem Wallis verbunden. Hier sind sie aufgewachsen und zur Schule gegangen und hier möchten sie eigentlich auch bleiben. Weil «ignea» auf Lateinisch feurig bedeutet, aber auch leidenschaftlich heis-sen kann, passte der Name perfekt zu den Feuerwehrschläuchen und dem Enthusiasmus der Jugendlichen. Nicht alle ausgedienten Schläuche entsprachen den Vorstellungen der Jungunternehmer. «Viele hatten Brandblasen oder keine schöne Farbe», erzählen sie. Fündig wurden sie schliesslich bei Feuerwehren aus der Region. Als Produzent, der auch die nötigen Maschinen zur Verarbeitung von Feuerwehrschläuchen hat, fanden sie die Sattlerei Karlen Swiss in Törbel. Bei einem ersten Treffen habe man nicht nur den Produzenten, sondern auch gleich den Wirtschaftspaten gefunden, erzählt das «ignea»-Team. Die Sympathie war offenbar gegenseitig. Yvonne Karlen empfand die jungen Unternehmer von «ignea» als «top motiviert». Sie hat auch Erfahrung mit «YES»-Unternehmen: «Das ist schon die dritte Klasse, die wir betreuen», erzählt sie. «Meist haben die jungen Leute eine Beziehung zum Dorf und wir helfen gerne.» Der 1951 gegründete Traditionsbetrieb fertigt vorwiegend Taschen aus alten Militärwolldecken, alten Postsäcken und alten SBB-Sitzbezügen. «Yvonne Karlen hat uns gezeigt, wie man die Stoff- und Gummiseite eines Schlauches verwenden kann», erzählt Zurbriggen. Die Schläuche werden von den Jugendlichen zugeschnitten, gewaschen und sortiert. Auf die Rohmaterialien stickt die Firma Classic Textile AG in Interlaken das «ignea»-Logo. Die eigentlichen Näharbeiten übernimmt die Sattlerei Karlen, und beim Stanzen der Stoffe wird sie tatkräftig vom «ignea»-Produktionsteam unterstützt.

Bis heute hat das Unternehmen drei Feuerwehrschläuche zu 250 Handyhüllen (Verkaufspreis 36 Franken und Schreibetuis (46 Franken) verarbeitet und damit einen Gewinn von 2000 Franken erwirtschaftet. Im Preis einkalkuliert sind der Aufwand für Produktion, Löhne und Werbung. Zudem gehen zwei Franken von jedem verkauften Produkt an ein Hilfswerk für Kinder mit einer Behinderung. Wer noch ein solches Produkt will, muss sich aber sputen, denn weitergeführt wird das Unternehmen vermutlich nicht, auch wenn es sich unter Umständen sogar lohnen würde. Aber die sechs Schülerinnen und Schüler schreiben nächstes Jahr die Matur und haben keine Zeit mehr für «ignea» – was laut «YES»-Organisation auch nicht die Absicht ist. Vielmehr gehe es darum, den jungen Leuten die wirtschaftlichen Zusammenhänge näher zu bringen. 

«Mit ihren Handyhüllen und Schreibetuis vertreibt ‹ignea› ein schönes, nachhaltiges Produkt», sagt Noemi Mariacher, zuständig für den Coop-Nachhaltigkeits-Award. Entscheidend für die Preisvergabe sei auch die nachhaltige Lieferkette gewesen. «Fast alle Materialien kommen aus dem Wallis, und dort wird auch das meiste produziert.» Nachhaltigkeit sei ihnen auch im eigenen Leben wichtig, sagen die jungen Unternehmer. Das «ignea»-Projekt habe sie noch näher zusammengebracht. «Es war nicht immer nur einfach, die Ausarbeitung des Businessplanes und der Zeitfaktor haben uns zeitweilig schon Kopfschmerzen gemacht», erzählt Zurbriggen. «Wir haben aber einen guten Einblick in die Wirtschaft bekommen und gemerkt, was es heisst, erlernte Theorien in der Praxis anzuwenden», bestätigt Alexandra Brunner. Kein Wunder, wollen alle nach der Matur Wirtschaft studieren – mit Ausnahme von Kilian Frankiny: er will Profiradfahrer werden.

www.ignea.ch

Young Enterprise Switzerland

Young Enterprise Switzerland ist eine Non-Profit-Organisation und entwickelt und betreut praxisorientierte Wirtschaftsbildungsprogramme für Schülerinnen und Schüler mit dem Ziel, die Wirtschaft mit der Schule zu vernetzen. Am jährlichen nationalen Wettbewerb treffen sich jeweils die besten Schülerteams der Schweiz, um ihr Miniunternehmen einem breiten Publikum vorzustellen und ihre Produkte zu verkaufen. Als solches ist der Anlass fester Bestandteil des Unternehmerjahres der Schüler und beinhaltet wichtige Lernziele wie den Kompetenzerwerb in Organisation, Kommunikation, Präsentation und Verkauf. Dieses Jahr nahmen über 150 Teams am Programm teil, wovon nun die besten 25 am Finale teilnehmen durften. Die sechs siegreichen Schülerinnen von «CaraPOW» werden die Schweiz am europäischen Wettbewerb vertreten und sich mit den besten Miniunternehmen Europas messen.

www.young-enterprise.ch

Coop verleiht Spezialpreis

Am «YES Nationaler Wettbewerb» hat «ignea» den Coop-Nachhaltigkeits-Award erhalten. Als Preis bekam das Team eine Reise nach Berlin geschenkt, inklusive Übernachtung in einem Berliner Bio-Hotel. Ausgezeichnet werden Unternehmen, deren Projekt zu einer nachhaltigen Wirtschaft beiträgt. Die Produkte müssen einen hohen Innovationsgrad aufweisen, nachhaltig und praxistauglich sein. Zweitplatzierter ist «Bottleguard», ein «YES»-Miniunternehmen, das im Oktober 2012 von sechs Schülerinnen der Kantonsschule Wohlen gegründet wurde und Isolationshüllen für verschiedenste Flaschen produziert. Drittplatzierter ist das Unternehmen «JR – Jeans Recycling». Schüler des Kollegiums Gambach in Freiburg recyceln alte Jeans zu trendigen Etuis. Dank des Rohmaterials Jeans bekommt jedes Etui ein einzigartiges Design. Jedes Etui trägt das Firmenlogo «JR – Jeans Recycling».


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Text: Martina Gradmann
Foto:
Photo-Genic.ch, Olivier Maire
Veröffentlicht:
Montag 01.07.2013, 11:00 Uhr

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