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Der perfekte Zmorge

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06. März 2018

Chefredaktor Silvan Grütter

Das gemütliche Frühstück gehört zu den drei grossen Lebenslügen. Genau wie das Früher-zu-Bett- gehen-Wollen und der Wunsch nach mehr Bewegung.

Selten aber gehen Wunsch und Wirklichkeit so sehr auseinander wie beim Zmorge. Wenn ich an Frühstück denke, dann sehe ich eine glückliche Familie am Holztisch, die Sonne scheint, alles lacht und frohlockt, die Tafel ist reich gedeckt: frisches Brot, Käse, Früchte.

Der Kaffee duftet und das Kätzchen stibitzt etwas Wurst vom Tisch.

Mein Morgen gleicht eher einer Ouvertüre des Wahnsinns: Der Wecker reisst mich mitten in der Nacht aus dem Tiefschlaf, es ist stockdunkel, und im Wohnzimmer stolpere ich über Spielzeug und den Kater, der sich in mein Bein verkrallt. Die Kaffeemaschine braucht Wasser und schon wieder frische Kaffeebohnen und genau, das war es ja, was ich noch einkaufen wollte: Milch. Piep, piep, die ersten Mails treffen auch schon ein und der Kater hängt immer noch am Bein. Irgendwann schaffe ich es unter die Dusche, vorher kurz einen Espresso Macchiato, jetzt halt mit Sojamilch. Schmeckt zwar scheusslich, aber was solls. Dann noch schnell die Tochter wecken, es ist immer noch dunkel, und ab Richtung Bahnhof.

Beruhigend: In der Titelgeschichte meiner Kollegin Susanne Stettler lese ich, dass das Frühstück nicht mehr als die wichtigste Mahlzeit des Tages gilt. Und irgendwann wird man sicher noch herausfinden, dass mehr Bewegung und Schlaf auch nicht unbedingt nötig sind.