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Forever in Blue Jeans

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12. März 2018

Chefredaktor Silvan Grütter

Eine Hose ist bloss eine Hose. Eine Jeans hingegen ist ein Tempel. Ein Museum der Erinnerungen. Sie erzählt eine Geschichte.

Ich spreche hier nicht von der Büro-Jeans, frisch gewaschen und gebügelt mit Bundfalte und in einschlägigen Kreisen gerne hoch auf der Taille getragen.

Ich spreche von einer richtigen Jeans mit Charakter, Patina und Persönlichkeit. Die mit dem kleinen Brandloch am Oberschenkel von der letzten Sommernachtsparty. Mit dem Farbspritzer am Hintern von der frisch gestrichenen Parkbank in New York. Der ausgebeulten linken Hosentasche, weil dort tausendfach das Handy eingesteckt und wieder herausgeklaubt wurde. Eine Jeans gibt immer etwas über ihren Träger preis. Sie ist ehrlich. Vielleicht haftet ihr auch deshalb fast 150 Jahre nach ihrer Patentierung immer noch etwas Unangepasstes, Widerspenstiges und Revolutionäres an. Ein Anzug oder ein Kostüm sind Teil einer Uniform eine Jeans ein Stück Freiheit. Sie ist ein Teil von uns.

Meine Kollegin Giorgia von Niederhäusern hat sich für die Titelgeschichte dieser Ausgabe auf die Spuren der Jeans gemacht. Dabei ist sie auch auf den wahrscheinlich grössten Jeansliebhaber der Schweiz gestossen: Ruedi Karrer hortet einen zehn Tonnen schweren Jeans-Schatz, was ungefähr 12000 Kleidungsstücken entspricht. Als echter Kenner trägt Karrer selber stets dasselbe Paar Jeans, ungewaschen, so lange es geht. Sein Rekord liegt bei 1002 Tagen. Seine Geschichte lesen Sie hier.