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Die Lust

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26. Juni 2018

Chefredaktor Silvan Grütter

Die menschliche Lust ist weit mehr als nur das Lüsterne in uns.

Lust bedeutet Leben. Oder wie Lutz Jäncke, Neuropsychologe an der Uni Zürich, sagt: Wenn das Lustzentrum in unserem Gehirn nicht existieren würde, wären wir alle tot.

Bei der Recherche zur aktuellen Titelgeschichte brachte meine Kollegin Julia Gohl Erstaunliches in Erfahrung: Die Lust ist nicht nur Trieb, sondern auch Triebfeder: Wir brauchen den Anreiz der Belohnung, damit wir überhaupt etwas machen, erklärte ihr der Neuropsychologe. Die Lust, dieses vielleicht menschlichste aller menschlichen Gefühle, hält uns aber nicht bloss am Leben, sie macht das Leben auch lebenswerter: Es ist die Lust auf gutes Essen, die uns zu kulinarischen Höchstleistungen antreibt. Die Lust am Schönen beflügelt Schriftsteller, Regisseure und Designer. Und ohne Lust auf Körperlichkeit gäbe es keine Fortpflanzung, kein Leben. Egal aber, um welche Art von Lust es sich handelt: befriedigt wird sie immer erst durch die entsprechende Belohnung. Ein gutes Essen, ein Schmuckstück oder den sexuellen Höhepunkt.

Spannend: Die vollkommene Hingabe an die Lust ist gefährlich. Forschungen zeigen, dass Menschen, die ihre Gier auf Belohnung kontrollieren, erfolgreicher durchs Leben gehen. Entscheidend ist die richtige Dosierung von Hingabe und Verzicht. Oder wie der römische Dichter und Denker Horaz schon empfahl: Drum, solang es vergönnt, mische mit Lust den Ernst Süss ist Leichtsinn am rechten Ort!
 

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