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Das Kreuz mit dem Rücken

26. August 2019

Als Kind hatte ich keinen Rücken. Ich hatte Arme und Beine, Ellbogen und Knie. Mit den Armen und Beinen bin ich Bäume hochgeklettert und Rollschuh gelaufen und die Ellbogen und Knie hatte ich mir regelmässig aufgeschlagen. Aber ich hatte keinen Rücken – mal abgesehen davon, wenn ihn meine Mutter eincremte oder mich ein Stein oder ein Schneeball von hinten traf.

Dann kam die Pubertät, und ich hatte plötzlich ein Gesicht und Haut und ein paar Muskeln und, oh ja: Lenden! Aber ich hatte immer noch keinen Rücken. Irgendwann war ich in den Dreissigern und dann hatte ich langsam Zähne und ein Bäuchlein. Und ein bisschen Knie und Ellbogen. Aber ich hatte immer noch keinen Rücken.

Und dann war er plötzlich da: der verdammte Rücken. Ich weiss nicht mehr, wie und wann genau. Eine falsche Bewegung vielleicht, eine Nacht in einem zu harten Bett oder zu lange eine zu schwere Einkaufstasche getragen. Auf jeden Fall hatte ich plötzlich einen Rücken und der machte auch keine Anstalten, wieder aus meinem Leben zu verschwinden. Dass es mir damit wie drei Viertel der Schweizer Bevölkerung geht, und dass es nützliche Übungen dagegen gibt, ist tröstlich. Etwas unwohl ist mir aber beim Gedanken, dass ich noch nicht mal 50 bin und noch eine ganze Menge Rest-Körper habe.