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Editorial

Das Schweigen der Büropflanze

12. April 2019

Ich weiss schon lange, dass Pflanzen kommunizieren können. Meine Büropflanze etwa sendet mir ganz klare Signale der Verachtung. Ihr Problem: Sie wird nicht damit fertig, dass sie nicht stolz im Regenwald steht, sondern in einem Topf mit Lavasteinchen vor meinem Pult dahinvegetiert. Ein erbärmlicher Anblick, das gebe ich zu – aber letztlich nicht mein Verschulden. Ich würde manchmal auch lieber als Surflehrer auf Hawaii leben, anstatt im Büro zu arbeiten – aber jeder hat sein Bürdeli zu tragen ... 

Was ich allerdings etwas schwierig finde, ist die Art und Weise der Kommunikation meiner Pflanze. Ich würde sie vorsichtig als «nicht sehr offen» bezeichnen. Meine Büropflanze würde mir zum Beispiel nie an den Kopf werfen, was mit mir nicht stimme, dass ich ihr kalten Kaffee in den Topf giesse oder ob ich wirklich der Meinung sei, dass sie Blöterliwasser möge. Nein, sie drückt ihren Frust lieber durch penetrante Stille und Nichtbeachten aus. Menschen, die in einer Beziehungen leben, wissen vielleicht, wovon ich spreche, Psychologen nennen das passiv-agressiv. 

Als Nächstes kaufe ich mir Erbsen, die hören wenigstens gut zu. Warum das so ist, lesen Sie hier.