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Editorial

Reine Zeitverschwendung

16. September 2019

Die Zeit ist der kleinste gemeinsame Nenner der Menschheit. Eine Stunde ist eine Stunde. In Ouagadougou, Oberägeri, New York und Tokio. Einzige Ausnahme bildet meine Frau, die mit «ich bin in zehn Minuten fertig» eine Zeitspanne von fünf bis fünfundfünfzig Minuten abdeckt. Ansonsten ist die Zeitmessung etwas vom Wenigen, worauf sich die Bewohner dieses Planeten ohne Streit, Krieg und Blutvergiessen einigen konnten.

Dass wir irgendwann nur noch Sklaven dieser Zeit sind, war aber sicher nicht im Sinne des Erfinders. Unsere Terminkalender sind voll, Arbeit und Freizeit sind streng durchgetaktet. Zeit ist Geld – und der wahre Luxus unserer Zeit folgerichtig die Zeitverschwendung. Das Gute: Jeder kann sie sich leisten. Wenn Sie nicht genau wissen, was Zeitverschwendung ist, dann müssen Sie sich nur fragen: Was will mein Chef, meine Ehefrau/mein Ehemann, meine Kinder oder die Schwiegermutter, dass ich es NICHT mache? Wenn Sie morgen nicht zur Arbeit gehen und sich stattdessen zu Hause den ganzen Tag Tierfilme im Fernsehen anschauen, sind Sie ziemlich nah dran. Ihr Chef, Ihr Lebenspartner und Ihre Kinder werden das – alle aus unterschiedlichen Gründen – nicht gutheissen.

Selbstverständlich will ich Sie nicht zum Blaumachen ermutigen. Aber man gönnt sich ja sonst nichts.