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Netflix-Tipp

Aufklärung für Fortgeschrittene

05. März 2019

 

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Gibt es eine Altersbegrenzung für Teenager-Serien? Ich habe mir ernsthaft überlegt, ob ich mit meinen 43 Lenzen tatsächlich noch das adäquate Publikum einer Coming-of-Age-Komödie bin. Doch «Sex Education» in dieselbe Schublade der plumpen amerikanischen Teenager-Machwerke über die sexuelle Findungsphase zu stecken, würde der britischen Serie nicht ganz gerecht.

Auf Netflix

Sex Education

Land: USA/UK 2018
Altersfreigabe: 16+
Staffeln: 1 (10 Folgen)
Besetzung: Asa Butterfield, Gillian Anderson, Emma Mackey
Regie: Laurie Nunn

Zugegeben – die Handlung an sich klingt schon wie eine unbeschwerte Klamotte: Der 16-jährige Otis (Asa Butterfield) leidet nicht nur an einem etwas gestörten Verhältnis zu seinen Genitalien, sondern auch unter dem Fakt, dass er von den Tätigkeiten seiner Mutter Jean (Gillian Anderson) viel mehr mitbekommt als ihm lieb ist. Die Sexualtherapeutin behandelt ihre Patienten tagsüber zuhause und nutzt die Nächte dazu, ihr umfassendes Wissen an fleissig wechselnden Partnern zu erproben. In der Schule in der englischen Provinz ist Otis ein Aussenseiter, der mit seinem einzigen Freund, dem schwulen Eric (Ncuti Gatwa), zu den Lieblingsopfern von Schul-Rowdie Adam (Connor Swindells) gehört. Bis dieser herausfindet, was Otis’ Mutter beruflich macht und Otis dem Gespött der Schule preisgibt. Doch Rebellin Maeve (Emma Mackey) beschliesst, daraus Profit zu schlagen und überredet Otis, zusammen mit ihr in der Schule eine inoffizielle Sexberatung aufzuziehen. Das passt ja nicht schlecht, zumal Otis heimlich in Maeve verschossen ist…

Kritiker bemängeln die fehlende Ausrichtung: Soll das nun eine Komödie oder ein lustiges Porträt der heutigen Jugendlichen sein? Womit wir wieder bei meiner Ausgangsfrage sind: Ist das für Junge? Für junge Erwachsene? Oder gar für Eltern, damit sie verstehen, wie ihre Kids sexuell ticken? (Bitte nicht – too much information!!) Doch diese Schwäche ist gleichzeitig die grösste Stärke der Serie. Stets dann, wenn der Humor in Klamauk abzudriften droht, schlägt «Sex Education» wieder einen ernsteren Ton an. Und genau deshalb sind die Episoden nicht auf die 30-Minuten-Länge von Komödien angelegt, sondern auf 50 Minuten. Die üblichen Stereotypen werden eingeführt: der Aussenseiter, der Schwule, Rowdie, die Rebellin, die Clique der Schönen und dazu noch die tabulose, sexuell aktive Mutter. Im Gegensatz zur breiten Masse bricht die Serie aber mit einem Stereotypen nach dem anderen. Das macht die Figuren menschlich und gibt ihnen Tiefe.

«Sex Education» ist eine Dramödie. Oder eine Tragikomödie. Oder einfach eine zeitgerechte, unterhaltsame Serie, die für alle Altersstufen ab Pubertät (es geht ziemlich explizit um Sex!) geeignet ist. Auf dem Filmportal imdb.com hat sogar ein 67-Jähriger «Sex Education» mit 10 von 10 Sternen bewertet. Die breite Ausrichtung scheint zu funktionieren: Netflix hat bereits eine zweite Staffel angekündigt. Hier der Teaser: