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Best of… Joker

Wandelbare Witzfigur

03. Oktober 2019

Männer in Strumpfhosen: Das war meine erste Erinnerung an Batman im Fernsehen. Lächerliche Kampfszenen, eine Kulisse, wie sie billiger nicht hätte sein können und ein Titelheld, der mit dem Superhelden aus den Comics so gar nichts zu tun hatte. Entsprechend kam in jener TV-Serie aus den 60er-Jahren auch Batmans Gegenspieler Nummer eins daher: Cesar Romero hiess der erste Joker der Filmgeschichte. Er hyperte mit vorwiegend aufgerissenen Augen und einem peinlichen Schnäuzchen unter der weissen Schminke durch 22 von insgesamt 120 Episoden und sorgte dafür, dass der Joker bei mir als Bösewicht unten durch war (Batman wollte ich trotz aller Lächerlichkeit noch nicht komplett abschreiben). Die Hoffnung auf eine ernst zu nehmende Comicverfilmung reduzierte sich auf ein Minimum.

Jack Nicholson

Batman (1989)

Stärken: Starpower, Lachen
Schwäche: Zu wenig angsteinflössend

Und dann kam Tim Burton. Der Meister des fantastischen Kinos erfüllte mir mit «Batman» einen Kinderwunsch. Batman als richtiger Actionheld (auch wenn Michael Keaton nicht meine Traumbesetzung war), und siehe da: Jack Nicholson alias Joker stahl ihm die Show! Burton inszenierte den Schurken mit dem ewigen Grinsen als den durch Chemikalien verunstalteten Kriminellen Jack Napier, der in den Tod von Bruce Waynes Eltern verwickelt war – und distanzierte sich damit inhaltlich von DC Comics, in welchem der Joker nichts mit Waynes Vergangenheit zu tun hat. Der Nicholson-Joker mordet aus purer Freude.

 

Heath Ledger

The Dark Knight (2008)

Stärken: Drehbuch, psychopathische Ausstrahlung
Schwächen: Keine!

In den nächsten Jahren wurden verschiedene Batman-Filme mit grossen Namen rausgehauen, die mich aber immer weniger abholen konnten. Erst Christopher Nolan hauchte dem Fledermausmann mit seiner düsteren Interpretation von 2005 wieder neues Leben ein. Logisch, dass da auch der Joker nicht lange auf sich warten liess. 2008 war es dann so weit, und er haute uns in «The Dark Knight» alle vom Kinosessel. Die Intensität, mit der Heath Ledger diesen Bösewicht verkörperte, war beeindruckend. Erstmals nahm ich den Joker nicht nur als Clown, sondern als furchteinflössend wahr. Diese düstere Version von Ledger, der dafür zu Recht posthum den Oscar erhielt, kann eigentlich nicht getoppt werden. Die Herkunft dieses Jokers ist wie in den Comics ungewiss, er hat auch keinen bürgerlichen Namen. Er ist ein unberechenbarer Wahnsinniger, der die Charakterschwächen der Menschen erbarmungslos auslotet.

 

Jared Leto

Suicide Squad (2016)

Stärke: Irrer Blick
Schwächen: Drehbuch, Optik, Erwartungen nach Heath Ledger

Kaum ein schauspielerisches Erbe konnte grösser sein, als nach Heath Ledger den Joker spielen zu müssen. Jared Leto kann einem leid tun. Gut, gezwungen hat ihn dazu niemand. Und es ist auch fraglich, ob Leto die Rolle rückblickend nochmals annehmen würde. Denn der ebenfalls herausragende Schauspieler verpflichtete sich ganz einfach für das falsche Projekt. Nicht nur, dass «Suicide Squad» als Ganzes ein Griff ins Klo war, der in seinem düsteren Erscheinungsbild an Nolans geniale «Dark Knight»-Trilogie anknüpfen wollte. Nein, für Leto kam es noch schlimmer: Seine Szenen als Joker, welcher als Figur ohnehin zu gross für diesen Film war, wurden auf ein Minimum zusammengeschnitten. Einen bleibenden Eindruck machen konnte da nicht einmal einer mit Letos Klasse. In Erinnerung bleiben einem nur noch die Metallzähne und das Tattoo des grinsenden Munds auf Letos Hand. Bemerkenswert ist immerhin der Fakt, dass der Joker erstmals nicht geschminkt, sondern mit gebleichter Haut auftritt. Dieses missglückte Projekt kostete Leto letztlich die Rolle im geplanten Joker–Standalone-Film, für die er noch einige Zeit im Gespräch war. 

 

Joaquin Phoenix

Joker (2019)

Stärken: Drehbuch, Authentizität
Schwäche: Keine!

Jene Rolle schnappte sich schliesslich Joaquin Phoenix. Und dieser scheint nun den Joker auf eine neue Ebene zu hieven. Nicht, dass er besser wäre als Heath Ledger – an diesem Vergleich möchte ich mir nicht die Finger verbrennen. Aber die Geschichte des erfolglosen Clowns Arthur Fleck, der mehr schlecht als recht für seine kranke Mutter sorgt, bringt gleich mehrere neue Aspekte in diese komplexe Figur. Auch er ist geisteskrank und schleppt diverse Traumata mit sich herum, aber die jüngste Interpretation weckt erstmals Mitleid und ein gewisses Verständnis für den Joker. Man erlebt in Todd Phillips' intensivem Film, was ihn zu diesem mordenden Psychopathen werden liess und leidet mit ihm mit. Erstmals ist auch eine sozialkritische Note erkennbar, denn Arthur beschwört eine Clown-Bewegung in Gotham herauf. Ähnlich wie Heath Ledger wirft sich Joaquin Phoenix mit Haut und Haaren in diese Rolle. Es würde nicht überraschen, bekäme er dafür seinen längst verdienten Oscar. Es wäre das erste Mal, dass die Academy zweimal ein Goldmännchen für die gleiche Rolle vergibt. Und das ausgerechnet für die Rolle meines unbeliebtesten Comic-Bösewichts.

Im Kino

Joker

Filmstart: 10. Oktober 2019
Land: USA 2019
Länge: 121 Minuten
Besetzung: Joaquin Phoenix, Robert de Niro, Zazie Beetz
Regie: Todd Phillips