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Best of… schlechte Schauspieler

Präsenz geht über Talent

12. Dezember 2019

 

Tom Hanks, Denzel Washington, Robert De Niro – es ist einfach, die Grossen des Schauspielfachs gern zu haben. Aber Hollywood hat auch ein Herz für die weniger Talentierten. Sie tummeln sich meist in den Genres Action und Komödie, wo die feine Mimik weniger gefragt ist. Sie beweisen, dass für eine erfolgreiche Karriere in der Traumfabrik auch schon ein beeindruckender Körper, eine schlaue Filmwahl oder einfach hohe Sympathiewerte beim Publikum reichen können: Spot an für die Königinnen und Könige der «Razzies», der berühmten «Goldenen Himbeeren»!

Die Quereinsteiger

Arnold Schwarzenegger

Conan, der Barbar, Terminator, Kindergarten-Cop: Die «steyrische Eiche» ist Kult. Hasta la vista, baby!

Bestes Beispiel dafür ist Arnold Schwarzenegger, der nicht nur durch seinen schrecklichen Akzent auffällt, sondern eben auch durch seine erheblichen mimischen Mängel. Doch der Bodybuilder aus Österreich ist derart schlecht, dass er längst Kultstatus erreichte. Er führt eine Reihe von schlechten Schauspielern an, die durch ihre Wurzeln im Kampfsport Nachsicht verdienen. Dwayne «The Rock» Johnson etwa, dessen Filme immer Popcorn-Unterhaltung bieten, wie sein diese Woche startender Streifen «Jumanji – The Next Level» einmal mehr unter Beweis stellt. Ebenfalls in diese Kategorie fallen Johnsons «Fast & Furious»-Kumpel Jason Statham oder die alten Recken Jean-Claude Van Damme, Dolph Lundgren und Steven Seagal.

 

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Bei den Frauen gibt es ebenfalls Quereinsteigerinnen, die für ihr Kerngeschäft erheblich mehr Talent aufweisen als für das Filmbusiness. Allerdings ist es beim schönen Geschlecht eher die Musik als der Kampfsport. Die herausragenden Vertreterinnen dieser Kategorie der schlecht schauspielernden Sängerinnen sind Madonna (fünf «Razzies») und Jennifer Lopez.

Die Beliebten

Amber Heard

Rum Diaries, Machete Kills, Aquaman: Die schöne Texanerin verdreht nicht nur Johnny Depp den Kopf.

Ja, warum viele mässig talentierte Frauen so beliebt sind, ist auf den ersten, oberflächlichen Blick klar. Meine persönliche Favoritin dahingehend ist Amber Heard. Auch Jessica Alba, Cameron Diaz oder Demi Moore dürften die Karriere mehr ihrem Aussehen als ihren schauspielerischen Fähigkeiten verdanken. Bei den männlichen Pendants muss ich als Erstes Tom Cruise nennen. Der Mann hat ganze zwei verschiedenen Gesichtsausdrücke in seinem Repertoire, trotzdem zieht es mich immer wieder in seine Filme. Cruise hat das untrügliche Gespür für das Publikum. Dieses hatte auch einmal Nicolas Cage, der in den 90er-Jahren bei allen grossen Jerry-Bruckheimer-Blockbustern gesetzt war, doch seit 15 Jahren nur noch C-Movies produziert. Gar nie über dieses Niveau hinaus kam Adam Sandler (drei «Razzies» bei elf Nominierungen), dessen Popularität nur schwer zu erklären ist. Lustig ist er jedenfalls nicht.
Lustig wider Willen ist dafür immer wieder John Travolta. Der Kulttänzer aus den 70er-Jahren erfuhr durch «Pulp Fiction» sein wunderbares Comeback, doch der grosse Mime wird er wohl nie mehr werden. Und auch das deutsche Kino hat einen überaus beliebten Schauspieler zu bieten, der seinen Mangel an Talent mit dem Lausbuben-Bonus kompensiert: Til Schweiger.

Die Unterschätzten

Sylvester Stallone

Rocky, Rambo, Expendables: Wenn «Sly» zuschlägt, dann krachts meistens richtig – und die Kassen klingeln.

Falls jemand bei der Aufzählung der Muskelmänner Sylvester Stallone vermisste: Nein, das war kein Versehen. Die Action-Ikone der 80er-Jahre ist einer der meistunterschätzten Schauspieler und wird immer wieder zu Unrecht in die Ecke der Untalentierten gestellt. Vielmehr verfügt «Razzy»-Rekordmann Stallone – er gewann viermal eine «Goldene Himbeere» und war zehn weitere Male nominiert – über ein differenziertes Spiel, wie nicht nur die alten Rocky-Filme zeigen, sondern vor allem der Thriller «Cop Land» aus dem Jahr 1997. Viele Muskeln sind auch die Basis von Vin Diesels Erfolg, aber das Problem seines Images. Der Sohn eines Schauspiellehrers ist durch seine beeindruckende Physis auf Actionkracher abonniert, obwohl er in «Saving Private Ryan» noch zwei Jahre vor «Pitch Black» demonstrierte, dass er mehr auf dem Kasten hätte. Gleiches gilt für «Marky» Mark Wahlberg, dessen Rollenwahl zum Teil etwas fragwürdig ist: Seine beste Performance brachte er nicht in Machwerken wie «Transformers» oder «Ted», sondern in «The Departed». Auch im Komödienfach finden sich immer wieder Kandidaten, denen vorschnell Talent für Charakterrollen abgesprochen wird: Ben Stiller (Vergleiche mit Adam Sandler werden ihm nicht gerecht, denn Stiller ist lustig) oder Jack Black (kann mehr als nur blödeln, tut es aber von Herzen gern).
Und natürlich befinden sich auch in der weiblichen Gilde zu Unrecht Verschmähte. Kristen Stewart beispielsweise wird immer noch gerne auf ihre Teenager-Rolle der «Bella» in der «Twilight»-Saga reduziert, während Melissa McCarthy zwischen «Razzie» und Oscar hin und her taumelt. Die korpulente Frohnatur schien auf seichte Schenkelklopfer-Komödien abonniert, überraschte aber letztes Jahr mit der tragikomischen Rolle in «Can You Ever Forgive Me?», welche ihr eine Oscar-Nominierung einbrachte.

Wie die Oscars erzählen auch die «Razzies» nicht immer die ganze Wahrheit. Nicht jeder Schauspieler strebt nach einem Oscar und darf die Rollen auch nach dem Lustprinzip aussuchen. Wie sähe denn unsere Gesellschaft aus, wenn nur die Hochbegabten im Beruf Erfolg hätten?

Im Kino

Jumanji – The Next Level

Er war durchaus gelungen, der Versuch, das Effekte-Abenteuer «Jumanji» 22 Jahre nach dem Original mit Robin Williams der Videospiel-Generation schmackhaft zu machen. Von der Fortsetzung dieses Abenteuers im gefährlichen Spiele-Dschungel kann das leider nicht behauptet werden. Zwar besticht das eingespielte Ensemble um Dwayne Johnson, angereichtert durch die Alt-Stars Danny DeVito und Danny Glover, wiederum durch Witz und Selbstironie, und auch die Computereffekte sitzen. Doch auch wenn bei diesem Streifen der Anspruch an die Story sehr tief ist, enttäuscht diese trotzdem. Viel zu sehr dreht sich das Ganze um das Wechselspiel der echten Spieler, die munter die Spielfiguren wechseln. Der so schön böse Bösewicht Jurgen, der Brutale (Rory McCann, «The Hound» aus «Game of Thrones»), ist verschenkt, die Story zu platt und vorhersehbar. Das dämpft die Freude über die schöne Action.

Filmstart: 12. Dezember 2019
Land: USA 2019
Länge: 114 Minuten
Besetzung: Dwayne Johnson, Jack Black, Kevin Hart, Karen Gillan
Regie: Jake Kasdan