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King of Horror

Von Meisterwerk bis Trash

Er ist der Meister des Horrors: Stephen King. Aber wenn seine Bücher verfilmt werden, dann bekommen seine Fans aus einem anderen Grund Gänsehaut. Dann stellt sich nämlich die bange Frage: Wird das ausnahmsweise ein Meisterwerk oder mal wieder Trash?

05. September 2019

Von den Kritikern verschmäht, von den Fans geliebt – das ist Stephen King. Der mittlerweile bald 72-jährige liest schon lange keine Rezensionen seiner Bücher mehr. Er muss auch niemandem etwas beweisen, denn 400 Millionen verkaufte Bücher lügen nicht. Was viele seiner Kritiker nicht wissen, weil sie sich einfach nicht genug mit seinen Romanen auseinandergesetzt haben: Der Mann ist nicht nur der «King of Horror», sondern einfach ein begnadeter Geschichtenerzähler, was er erst vor knapp zwei Jahren mit der gefühlvollen Weihnachtsgeschichte «Erhebung» wieder unter Beweis stellte. King trifft unsere wunden Stellen ebenso zielsicher wie unsere positiven Gefühle, weil er die menschlichen Schwächen kennt. Herausgekommen ist ein Lebenswerk, das seinesgleichen sucht – und noch lange nicht komplett ist. Auch 45 Jahre nach der Veröffentlichung seines Debütromans «Carrie» lässt er immer noch Jahr für Jahr mindestens einen Roman raus. An Klasse hat er nichts eingebüsst.

Etwas anders sieht es mit den Verfilmungen seiner Bücher aus. Zurzeit ist King wieder in aller Munde, wenn der zweite Teil der Neuverfilmung von «Es» in die Kinos kommt. Diese ist mit seiner aufwändigen, detailgetreuen Machart und einem handverlesenen Cast absolut grandios. Und stellt mit dieser Klasse leider eine Ausnahme dar. Ansonsten wurden immer wieder Kings Werke zu mittelmässigen bis grottenschlechten Filmen missbraucht. Man kann sie gar nicht alle aufzählen, aber erwähnenswert unter all diesem Trash ist sicher «The Dark Tower» (2017), in dem Matthew McConaughey und Idris Elba ihren Marktwert aufs Spiel setzten. Da wollte man doch tatsächlich diese epische, über Jahrzehnte entstandene Reihe in läppischen 90 Minuten abhandeln – Frechheit! Unerklärlich, dass King dafür seinen Segen gegeben hat.

Doch wir wollen den wenigen Leuchttürmen im cineastischen King-Desaster kein Unrecht tun. Es gibt nämlich wirklich einige Perlen unter den Verfilmungen des Bestseller-Autors aus Maine. Zum Kinostart von «Es Kapitel 2» stellen zwei passionierte King-Leser aus der Coopzeitungs-Redaktion ihre liebsten Bücher und Verfilmungen von Stephen King vor.

Meine Top 3 der King-Bücher

Fabian Kern (44)

Der Kerns-Klappe-Autor und Coopzeitungs-Redaktor ist nicht nur ein Filmfan, sondern auch ein Bücherwurm. In seiner Jugend entdeckte er Stephen King für sich und fieberte jedem neuen Teil von «The Dark Tower» entgegen.

Lesen ist eine sehr persönliche Sache. Es hat mit Gefühlen zu tun, mit persönlichen Erinnerungen und Erlebnissen. Insofern ist es immer schwierig zu sagen, welches Buch das Beste ist. Im Fall des King-Universum fiel mir die Wahl meines Lieblingsbuchs allerdings leichter, als gewisse Bücher aus den Top 3 auszuschliessen. Ganz ausserhalb der Konkurrenz läuft bei mir «The Dark Tower». Diese Serie, die King über fast 30 Jahre in seinem Träumen verfolgte, finde ich nicht das Beste, das er geschrieben hat, aber das manchmal jahrelange Warten auf die Fortsetzung hat mich ganz speziell geprägt. Einen Podestplatz hingegen hätte «Sie» verdient, dieser hoch spannende Psychothriller. Auch «Christine», die Geschichte um das Auto mit dem mörderischen Eigenleben, ist mir in bester Erinnerung (im Gegensatz zur entsprechenden Verfilmung…). Das dritte Buch mit der ledernen Medaille wäre dann «Needful Things», bei dem ich den immer wieder faszinierenden Wunsch verspürte, das Buch möge nie zu Ende gehen. Aber eben, auf einem Podest haben nur drei Platz:

1. Es

Ich kann mich noch gut an jene Sommerferien erinnern, als ich mir das dicke Buch mit dem leuchtend roten Umschlag kaufte. Ich hatte schon Einiges von «Es» gehört und gehörigen Respekt vor dem Horror des kinderfressenden Monsters. Entdeckt habe ich dann aber eine starke Geschichte über Freundschaft, Loyalität und echten Mut, die mich nicht mehr losliess. Emotional so dicht geschrieben, saugt dich «Es» ein, als gäbe es Pennywise wirklich. Umso glücklicher war ich, als nun endlich eine würdige Verfilmung existiert.

 

2. The Stand – Das letzte Gefecht

Es war wohl das dickste Buch, das ich mir bis dahin gekauft hatte. Das Taschenbuch hatte die imposante Stärke von 1500 Seiten und packte mich sofort. «The Stand» ist eine Art Dunkle-Turm-Saga innerhalb eines Buchs. Ein Endzeitthriller, der sich dem ultimativen Kampf Gut gegen Böse kompromisslos annimmt.

 

3. Stark – The Dark Half

Auch ein begnadeter Geschichtenerfinder wie Stephen King lässt sich von der klassischen Literatur inspirieren. Die Geschichte um den Schriftsteller Thad Beaumont, der nur unter dem gewalttätigen Pseudonym George Stark erfolgreiche Bücher schreibt, ist natürlich die Kingsche Castle-Rock-Variante von «Dr. Jekyll und Mr. Hyde». Ich habe fast körperlich mit Beaumont mitgelitten, bis die Sperlinge wieder flogen…

 

Andreas Eugster (45)

Der Coopzeitungs-Redaktor ist schon seit frühester Jugend ein Stephen King Fan. Bemüht sich regelmässig um ein Interview mit dem amerikanischen Kult-Autor. Geklappt hat es bisher nicht – er bleibt dran..

Ja, ich bin ein Stephen King-Fan. Dazu stehe ich – Punkt! Die Bücher des amerikanischen Erfolgsautors beanspruchen in unserem (nicht so kleinen) Bücherregal doch ziemlich viel Platz. Entgegen der Meinung einiger Redaktionskollegen finde ich nämlich: Der Mann kann schreiben und er zieht mich mit seinen Romanen immer wieder in den Bann des Übernatürlichen, Fantastischen, des perfiden Horrors, in die Abgründe des Zwischenmenschlichen oder führt mir den Wert guter Freundschaften vor Augen.

Ich muss zugeben: Die Auswahl fiel mir nicht leicht. Zu unterschiedlich und zu gross angelegt ist das schreiberische Spektrum des ehemaligen Englischlehrers. Kurz und bündig: Mein Podium der King-Romane setzt sich aus jenen Büchern zusammen, deren Geschichten mir über die Jahre am besten im Gedächtnis blieben.

1. Todesmarsch

Ein totalitäres Militär-Regime, ein sadistischer Oberbefehlshaber namens «Major» und hundert männliche Jugendliche auf ihrem Wettlauf in den Tod. Überleben kann nur einer. Wer unter die Schrittgeschwindigkeit von vier Meilen pro Stunde fällt, erhält eine Verwarnung – bei der vierten wird er von den Begleitsoldaten erschossen. Dem Sieger hingegen winkt ein Leben im Luxus. Todesmarsch ist ein Roman, den Stephen King unter seinem Pseudonym Richard Bachmann geschrieben hat. Eine Geschichte über Abstumpfung (Gewalt) und dem Klarkommen mit den eigenen Gedanken in einer auswegslosen Situation.

 

2. Es

«Es» ist Stephen King und Stephen King ist «Es». Viel mehr muss man dazu eigentlich gar nicht schreiben. Rund 700 Seiten (je nach Ausgabe) Kampf gegen die eigenen Ängste in personifizierter Form eines Horrorclowns. Rote Ballons sind seit dieser Lektüre nicht mehr so mein Ding.

 

3. Brennen muss Salem

Ein eher untypisches King Buch. Und doch gerade deshalb in meinen Top 3. «Brennen muss Salem» ist nach seinem Erstlingswerk «Carrie» der zweite veröffentlichte Roman des Vielschreibers und wurde für den World Fantasy Award nominiert. Eine klassische Vampirgeschichte mit kingscher Erzählstruktur und eine gelungene Hommage an Bram Stokers Dracula.

Meine Top 3 der King-Verfilmungen

Fabian Kern

Bei den guten Filmen ist die Auswahl für eine Top-Liste nur einen Bruchteil so gross wie jene der Flop-Liste. Und dennoch muss ich mich für meine Endauswahl wohl erklären. Denn die beiden wohl berühmtesten Verfilmungen von King-Romanen kamen bei mir nicht in die Kränze. «Carrie» (in der Originalversion von 1976) ist zwar eine grossartige filmische Umsetzung, aber ich mag die Geschichte einfach nicht. Mochte ich nie, auch als Buch nicht. «The Shining» mit dem überragenden Jack Nicholson ist zwar auch ein absoluter Nägelbeisser, aber leider traf Stanley Kubrick den Geist des Buches nicht. Fand übrigens auch Stephen King, der an dem Film ebenfalls keine Freude hatte. Hingegen ein knappes «Leider nein» erhielten zwei andere Filme. «Stand By Me» (1986) ist quasi «Es» minus Horror und wurde von Rob Reiner gefühlvoll umgesetzt. Gar hauchdünn neben dem Podest landete das dreistündige Meisterwerk «The Green Mile» (1999) mit Tom Hanks.

1. Die Verurteilten (1994)

Erst musste ich wirklich über die Bücher, als eine neue, tolle King-Verfilmung ins Kino kam. «The Shawshank Redemption»? Als ich dann Tim Robbins und Morgan Freeman beim Ausbruch in diesem grossartigen Film (der leider trotz 7 Nominationen bei den Oscars leer ausging) sah, wusste ich: Das ist nach einer Kurzgeschichte aus «Frühling, Sommer, Herbst und Tod».

 

2. Es (2018/19)

Ich konnte mich noch an meine Enttäuschung der ersten Verfilmung von 1990 erinnern: Ein billiger TV-Film für so einen grossartigen Roman!  Andy Muschiettis Neuverfilmung wollte ich mir erst gar nicht anschauen, doch ich wurde belohnt mit Erinnerungen an mein Bucherlebnis in der Jugend. Nicht nur den Horror, sondern vor allem diese packende Aussenseiter-Geschichte hat er auf den Punkt getroffen.

 

3. Sie (1990)

Bestseller-Autor Paul Sheldon (James Caan) gerät nach einem Autounfall ausgerechnet in die pflegenden Hände seines grössten Fans Annie Wilkes (Kathy Bates). Doch als diese erfährt, dass ihre Lieblingsfigur sterben wird, lässt sie Paul dafür büssen. «Sie» hat seither ein Gesicht – das der Oscar prämierten Kathy Bates. Ihr habe ich sogar verziehen, dass sie Axt gegen Hammer tauschte.

Andreas Eugster

Im Gegensatz zu meiner Bücherauswahl musste ich mir bei der Rangliste der King-Verfilmungen nicht lange den Kopf zerbrechen. Der simple Grund: Es gibt fast keine guten. Warum? Tja, das haben sich schon andere gefragt. Meine eigene Hypothese ist die, dass die komplexen Geschichten und Hirnwindungen des amerikanischen Autors einfach nicht auf die Leinwand zu bündeln sind. Ausnahmen gibt es...

1. The Green Mile (1999)

Nicht umsonst wurde das Werk des Regisseurs Frank Darabont für vier Oscars nominiert. Abseits der billigen Splatter-Horror-Verfilmungen einiger King-Romane, ist The Green Mile ein Streifen mit Tiefgang – auch dank der Besetzung mit Tom Hanks und Clarke Duncan in den Hauptrollen.

 

2. The Shining (1980)

Wer kennt das Bild nicht? Die hässliche Fratze von Jack Nicholson, der sein Gesicht durch den Türspalt zwängt – den Wahnsinn in den Augen. Auch wenn Stephen King nicht hinter der Verfilmung von Erfolgsregisseur Stanley Kubrick steht (milde ausgedrückt), da dieser im Film andere Schwerpunkte setzt als seine literarische Vorlage – mir gefällt er.

 

3. Stand By Me (1986)

Weder Horror noch Fantasy, sondern ein Film über Freundschaft und Zusammenhalt, während das eigentliche Verbrechen in den Hintergrund rückt. Stand by me basiert auf der Novelle «Die Leiche» von Stephen King, die wiederum aus dessen Kurzgeschichten-Sammlung «Frühling, Sommer, Herbst und Tod» stammt.