X

Beliebte Themen

Faszination Star Wars

Ende einer Saga

Jetzt ists passiert – Star Wars ist Geschichte. Da bleiben nur zwei Möglichkeiten: Auf so gute Spin-offs wie «The Mandalorian» hoffen oder einfach bei Episode IV wieder anfangen. Für Letzteres sprechen mindestens fünf Gründe.

FOTOS
© Disney
23. Dezember 2019

Kinotipp

Star Wars «at its best»

Das Warten hat ein Ende. In «Star Wars: The Rise of Skywalker» geht nicht nur der Kampf zwischen Gut und Böse in die letzte Runde. Mit einem epischen Finale findet die über vierzig Jahre andauernde Star-Wars-Saga ihren würdigen Abschluss.

Nun geht es also zu Ende. Nach 42 Jahren. Aber eigentlich können wir froh sein, dass wir überhaupt so weit gekommen sind, oder nicht? Denn wenn wir ganz ehrlich sind, dann war die Saga mit dem Herauskommen der seelenlosen, langweiligen Episode I im Jahr 1999 tot. Tot und beerdigt. Die ganze riesige Vorfreude auf die Vorgeschichte der tollen Geschichte wich einer bodenlosen Enttäuschung. Und wer noch nicht alle Hoffnung fahren lassen wollte, tat das spätestens zwei Jahre später angesichts des herumfliegenden Yoda in Episode II.

Da wurde offensichtlich, dass George Lucas die besten Episoden seiner neun Teile schon zu Beginn rausgelassen hatte. Kein Wunder, hatte er nach dem dritten Film «Die Rückkehr der Jedi-Ritter» etwas vorschnell verkündet, nie mehr einen Star-Wars-Film zu drehen. Doch der Reiz war dann halt doch zu gross, die Vorgeschichte und schliesslich das Sequel zu erzählen und aus einer Trilogie eine Saga zu machen. Heute sind wir ihm dankbar dafür – vor allem für die Sequel-Trilogie. Denn 2015 erhob sich Star Wars mit «The Force Awakens» wie Phönix aus der Asche. Die alten Recken Harrison Ford, Mark Hamill und Carrie Fisher tauchten aus der Versenkung auf, und plötzlich war es wieder wie früher. Es fühlte sich an wie nach Hause kommen. Aber was macht die Faszination Star Wars aus? Die fünf wichtigsten Punkte aus unserer Sicht.

1. Einfache Story

Die Weiten des Weltraums sind unendlich, Völker gibt es unzählige, die Politik ist hochgradig verworren. So richtig begriffen, haben wir vieles wohl bis heute nicht. Dennoch reduziert sich der ganze Plot auf das einfachste Duell überhaupt: Gut gegen Böse, Licht gegen Dunkelheit, weiss gegen schwarz (auch wenn die Stormtroopers weisse Rüstungen haben). Das macht die Geschichte für das breite Publikum auf, das sich nicht für die politischen Hintergründe zu interessieren braucht, wenn es nicht will. Und jene, die etwas schwerer von Begriff sind, holt Komponist John Williams mit seinem ikonischen Soundtrack ab. Sogar mit geschlossenen Augen merkt man, ob wir gerade bei den Guten oder den Bösen sind. Undurchsichtig wird das ganze Star-Wars-Universum höchstens durch die Spin-offs und Serien, welche meist nicht an das Niveau der Filmsaga herankommen. Der 2018 erschienene «Solo» markiert dabei den absoluten Tiefpunkt. Ein Film zum Davonlaufen. Doch es geht auch anders: Die neue Serie «The Mandalorian» (Disney+), die vor allem durch den süssen Baby Yoda im Moment in aller Munde ist, gibt Hoffnung auf gute Ableger.

Am Ende ists immer ein Duell: Rey gegen Kylo Ren, blaues gegen rotes Lichtschwert,  Gut gegen Böse.

2. Bahnbrechende Effekte

Den Grundstein für den Erfolg legte George Lucas gleich in seinem ersten Film der Sternensaga. Die Computereffekte, die er in «Star Wars – Episode IV» zeigte, waren für das Jahr 1977 bahnbrechend. Bis dahin hatte man noch nie ein vergleichbares technisches Niveau im Kino gesehen, und die ersten drei Filme blieben auch bis tief in die 80er-Jahre das Mass aller Dinge. Ohne die entsprechende Optik ist auch die beste Geschichte verloren, vor allem in einem so anspruchsvollen Genre wie Science Fiction. Und wer denkt, er hätte schon alles gesehen, wird spätestens in der letzten Episode der Saga nochmal so richtig aus den Socken gerissen. 

Sind die Computereffekte lahm, hat im Science-Fiction-Genre auch die beste Story keine Chance.

3. Unperfekte Helden, unverwechselbare Schurken

So bunt der Mix aus skurrilen aber auch liebenswürdigen Figuren ist, so breit ist die Palette an potenziellen Identifikationsfiguren – und das vor allem in den Episoden IV bis VI. Neben Luke Skywalker und Prinzessin Leia gab es da Han Solo, Chewbacca oder R2-D2. In den Episoden I bis III waren es der drollige Jar Jar Binks, Padmé und der junge Anakin Skywalker, bei den letzten drei Teilen sind Rey und Kylo Ren hinzugekommen. Sie alle taugen zum Mitfiebern, weil sie menschlich sind – auch jene, die gar keine Menschen sind. Keiner von ihnen ist perfekt, hat im Grunde aber das Herz am rechten Fleck (oder hatte es zumindest mal). Allerdings fällt auf, dass die Identifikationsfiguren mit zunehmender Dauer der Saga abnehmen. Beste Beispiele dafür sind in der aktuellsten Trilogie Finn und Han-Solo-Nachfolger Poe. Beide sind viel zu blass, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Doch Star Wars bietet nicht nur Helden zum Anfassen, sondern auch «Böse Buben», die begeistern. Neben den klassischen Schurken der Sorte Darth Maul, Darth Sidious, Count Dooku oder Boba Fett, sind es auch skurrile Sonderlinge wie der schleimige Jabba the Hutt, die uns nicht nur das Fürchten lernen, sondern auch für Unterhaltung sorgen. Doch vor allem die komplexen Bösen bleiben in Erinnerung: der Jedi Anakin Skywalker, der durch seine Verlustängste zum ikonischen Darth Vader wird und dessen Enkel Ben Solo, der als Kylo Ren auf die dunkle Seite der Macht wechselt. Er ist auch der wohl vielschichtigste Bösewicht der ganzen Saga. Angsteinflössend und gleichzeitig bemitleidenswert – grossartig.

Ob Chewbacca, BB-8, C-3PO, Rey, Poe oder Finn (v.l.n.r.) – Identifikationsfiguren gibts für jeden Geschmack.

4. Unterschiedliche Szenerien

Die Hochglanz-Atmosphäre der futuristischen Raumschiffe und der Weltraum machen es uns irdischen Menschen oft schwierig, einen emotionalen Zugang zu finden. George Lucas hat es verstanden, uns mit ganz elementaren Landschaften zu packen, die zwar auf Planeten in weit, weit entfernten Galaxien angelegt sind, uns aber sehr bekannt sind: endlose Wälder, sturmumtoste Meere, Eisplaneten mit schneebedeckten Bergen und Wüstenlandschaften. Besonders letztere sind ganz wichtig, denn sie sorgen für ein Western-Feeling mit viel Staub und handfesten Auseinandersetzungen. Das kennen wir, das lieben wir, und in Kombination mit klassischen Sci-Fi-Elementen ergibt das den ganz eigenen Star-Wars-Zauber.

Irdische Landschaften mit ausserirdischen Gadgets: Die richtige Mischung ist das Geheimnis des Erfolgs.

5. Liebe zum Detail

Das Schönste an den Kulissen sind die unzähligen Details. Am liebsten würde man jede Szene in einer Weltraumbar anhalten und selbst in das Wimmelbild steigen, um sich alles in Ruhe anzusehen. Weil das nicht möglich ist, schaut man sich die Filme einfach mehrmals an und entdeckt jedes Mal wieder etwas Neues. Und nicht nur die Szenerien, sondern auch die einzelnen Figuren, die Kostüme sind liebevoll und bis ins Detail gestaltet. Die atemberaubenden Roben und Frisuren von Padmé Amidala in den Episoden I bis III sind nur die Spitze des Eisbergs.

Von den Kostümen bis zu den Kulissen: In den Star-Wars-Filmen gibts immer viel zu entdecken.

Auch wenn man immer wieder auf Leute trifft, die mit Star Wars nichts anzufangen wissen, lässt sich die Beliebtheit der Weltraum-Saga guten Gewissens als global bezeichnen. Allein Darth Vaders Atemgeräusche durch seinen Helm lösen beim Grossteil der westlichen Zivilisation Assoziationen mit Laserschwertern und dem Kampfstern aus. Angesichts dieser unglaublichen Dimensionen ist es leider nur logisch, dass das Merchandising solch gigantische Ausmasse angenommen hat, dass es einem als Fan schon fast die Freude am Wesentlichen verdirbt – am Moment, wenn das Weltall erscheint und die berühmte Schrift mit den einleitenden Sätzen nach hinten läuft und die Melodie erklingt, die wir alle kennen. Aber vielleicht ändert sich das nach dem Abklingen des Hypes um die finale Episode IX, und Star Wars bleibt einfach als das in Erinnerung, was es ist: Eine grossartige Geschichte.