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Kinotipp: Bruno Manser

Vom Kämpfer zur Legende

Bruno Manser verschrieb sein Leben dem Kampf für die Natur und für das Nomadenvolk der Penan. Im Kino lebt der verschollene Aktivist wieder auf – dank starken Aufnahmen und einem beeindruckenden Hauptdarsteller.

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FOTOS
© Ascot Elite Entertainment
28. Oktober 2019

Mit dem Filmmaterial über Bruno Manser könnte man gleich mehrere Kinoabende füllen. Aber die Produzenten wollten nicht einen weiteren Dokumentarfilm drehen. Bruno Manser ist heute, 19 Jahre nach seinem Verschwinden, schon fast eine Legende, ein Mythos. Also verdient er auch einen epischen filmischen Rahmen, einen Spielfilm. «Produzent Valentin Greutert ist im Februar 2017 auf mich zu gekommen und gab mir eine Projektmappe des Films», erzählt Hauptdarsteller Sven Schelker. «Die erste Seite war die Titelseite des Time Magazine mit Bruno Mansers Foto drauf. Ich sagte ihm: Du musst mir nichts erzählen, ich weiss, worums geht. Mir war sofort klar, dass ich das machen will und muss.» Ein Projekt mit dieser Grösse, Komplexität und Relevanz sei nicht alltäglich.

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Schelker ist die logische Wahl für die Verkörperung des Basler Umweltaktivisten. Der 29-jährige Reinacher spricht schon den richtigen Dialekt und hat mit seiner beeindruckenden Leistung in «Goliath» gezeigt, wie sehr er für eine Rolle aus seiner Komfortzone herauskommen kann. Zuerst ist er mit Regisseur Niklaus Hilber in den malaysischen Bundesstaat Sarawak auf Borneo gereist und hat dort drei Wochen mit den Penan gelebt. Mit Hilber hat er über das Projekt gesprochen und am Drehbuch gearbeitet. Zurück in Basel hat er Mansers Tagebücher und seine Biografie gelesen, mit Bekannten und Verwandten geredet sowie alle dokumentarischen Aufnahmen geschaut. Und die Sprache der Penan gebüffelt. «Sie hat gar keine Gemeinsamkeit mit irgendeiner Sprache, die ich jemals vorher gehört habe», sagt Schelker. «Duktus, Rhythmus, Melodie und Satzstellungen: Alles ist komplett anders.» Deshalb könnte er sich auch trotz intensiver Vorbereitung nicht mit den Penan unterhalten, sondern habe einfach seine Textzeilen möglichst fliessend gelernt.

 

Lifestyle

Auf den Spuren des Bruno M.

Heile Welt: Sven Schelker alias Bruno Manser streift durch den Regenwald der Insel Borneo.

Naturfreak, Idealist, Aktivist: Das Andenken an den verschollenen Basler Bruno Manser lebt durch den gleichnamigen Kinofilm wieder auf. 19 Jahre nach seinem Verschwinden ist sein Anliegen aktueller denn je.

Gedreht wurde dann beinahe rund um den Globus. Zuerst wurden die Szenen in der Schweiz, also in Basel und Genf, dann in New York abgefilmt. Erst im Januar 2018 reiste der Tross dann nach Borneo – wegen der politischen Situation aber nicht mehr in den malaysischen Teil, wo Schelker und Hilber gewesen waren, sondern in den indonesischen. Für die 62 Drehtage im Dschungeln wurde ein ganzes Camp für 80, 90 Leute in den Regenwald gebaut. «Es war sehr speziell, mit den Penan zu drehen, deren eigene Geschichte wir verfilmten», meint Schelker. Und diesen Respekt vor der Botschaft, vor der guten Sache, merkt man dem Endprodukt an. Herausgekommen ist kein alltäglicher Film, sondern ein packendes, berührendes und grosses Werk, das trotz der stattlichen Länge von 142 Minuten sehr kurzweilig daherkommt. Entsprechend emotional wurde Roger Graf, Mansers langjähriger Weggefährte, als er den Film im Juli 2019 erstmals zu sehen bekam. «Er ist erstaunlich komplett, obwohl man noch viele krasse Ereignisse hätte dazunehmen können», erklärt der blonde Zürcher, der im Film als dunkelhaariger Basler dargestellt wird. Und Raucher ist der echte Graf auch nicht. «Das stört mich überhaupt nicht», sagt Graf. «Das ist künstlerische Freiheit.

Immer noch ungeklärt ist das Schicksal von Bruno Manser. Graf war zu Beginn überzeugt davon, sein Freund habe sich das Leben genommen. «Er war so frustriert davon, dass wir nicht mehr weiterkamen», erinnert sich Graf. Doch später änderte er seine Meinung – genau wie Sven Schelker. «Anfangs war ich überzeugt davon, er sei umgebracht worden.» Dann habe er den Schweizer getroffen, der ihn als letzten gesehen hat. Der meinte, man könne bis auf wenige Hundert Meter einkreisen, wo sich seine Spur verliert.  «Und in jenes Gebiet geht wirklich niemand. Man hätte ihn dort also nicht gefunden, also war ich überzeugt, er hatte einen Unfall», sagt Schelker. Aber es bestehe auch die Chance, dass er von jemandem aus dem letzten Dorf, wo er war, verraten wurde. Das Kopfgeld war sehr hoch. Schelker schüttelt den Kopf «Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung!» Einen richtigen Mythos kann man eben nicht schlüssig erklären.

Im Kino

Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes

Filmstart: 7. November 2019
Land: Schweiz 2019
Länge: 142 Minuten
Besetzung: Sven Schelker, Nick Kelesau, Elizabeth Ballang
Regie: Niklaus Hilber