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Kinotipp

Virtuell verlieben zeigt kaum Gefühl

Diese Woche läuft die Verfilmung des Bestsellers «Gut gegen Nordwind» mit Nora Tschirner und Alexander Fehling an. Dem Film gelingt nicht, was das Buch zum Erfolg machte: In Worte gefasste Gefühle aufleben zu lassen.

09. September 2019

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Die Geschichte erinnert an den Film «E-Mail für dich» aus dem Jahr 1998: Durch Mails tauschen sich zwei Menschen virtuell aus. Diese Ebene ist intim und ehrlich. Bei Meg Ryan und Tom Hanks hat diese Form der Kommunikation bis zum Verliebtsein funktioniert. Ähnlich aufgebaut ist der österreichische Briefroman von 2006 namens «Gut gegen Nordwind». Die deutsche Regisseurin Vanessa Jopp hat den Roman nun verfilmt. Darin lernen sich Emma Rothner (Nora Tschirner) und Leo Leike (Alexander Fehling) per Mail aufgrund des Vertauschens eines Buchstabens kennen. Es beginnt eine Unterhaltung, die mit Anfeindungen in bester «Was sich neckt, das liebt sich»-Manier aufwartet.

Die allmählich wachsende Intimität, wie sie durch den Austausch in den Mails entsteht, wird im Film nicht gebührend portiert. Zu lange zieht sich der Erzählstrang in der ersten Stunde hin, in welcher der Fokus vor allem auf Leo und seiner dann bald Ex-Freundin liegt. Zudem ist das Kleben vor dem Bildschirm der Protagonisten cineastisch zeitweilen langweilig gelöst. Bei einem zweistündigen Film will man nicht nur auf die Displays der Akteure blicken müssen.

So richtig Fahrt nimmt die Geschichte erst auf, als Emmas Ehemann von den zutiefst persönlichen Mails zwischen seiner Frau und diesem Unbekannten Wind bekommt. Er wendet sich an Leo und bittet ihn, seine Frau zu treffen. Allenfalls auch eine Nacht zu verbringen, wenn es denn nötig ist. «Solange sie eine Fantasie bleiben, habe ich keine Chance.» Hier gehen die Gefühle richtig tief, hier macht es weh.

Der Film hat mit erheblichen Längen zu kämpfen, was das Vergnügen schmälert. Für echte Höhenflüge sorgt die Filmmusik, die gekonnt im richtigen Moment auf die Tränendrüse drückt. Und wem dies nicht reicht, den wird die Schick-mir-ein-Zeichen-von-dir-Szene mit Feuerwerk über Köln sicherlich verzaubern. Trotzdem bleibt der Gedanke: Musste dieses Buch tatsächlich verfilmt werden? Manchmal ist Kopfkino das bessere Kino.

Im Kino

Gut gegen Nordwind

Filmstart: 12. September 2019
Land: Deutschland 2019
Länge: 123 Minuten
Besetzung: Nora Tschirner, Alexander Fehling, Ulrich Thomsen, Ella Rumpf
Regie: Vanessa Jopp