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Kinotipp: Midway

Helden über dem Pazifik

06. November 2019

Und nun also ein Kriegsfilm. Nicht vollkommen überraschend, aber doch bemerkenswert. Auch wenn Roland Emmerich sich immer wieder mit der Vergangenheit auseinandersetzte («Der Patriot», «10'000 BC», «Anonymous»), so ist er doch berühmt für seine eher pessimistischen und spektakulären Zukunftsvisionen. Das Projekt «Midway» hat er schon seit langer Zeit im Kopf. «Meine Faszination für die Schlacht um Midway ging schon vor 20 Jahren los, als ich eine Dokumentation gesehen und gedacht habe: Es wäre toll, darüber einen Film zu machen», verrät der Deutsche.

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Zu Beginn wähnt man sich in «Pearl Harbour» – ich meine den Film, nicht den Ort. Los geht es mit dem vernichtenden Angriff der Japaner auf das Hauptquartier der amerikanischen Marine auf Hawaii während des Zweiten Weltkriegs. Aber was in Michael Bays romantischem Kriegsdrama von 2001 schon fast abendfüllend über die Leinwand donnert, dient Emmerich bloss als zehnminütiger Auftakt. Denn sein Film behandelt die Folgen dieses Stichs tief ins amerikanische Herz. Edwin Layton (Patrick Wilson) fühlt sich als Offizier des Navy-Geheimdienstes mitverantwortlich für Pearl Harbour und engagiert ein neues Team für die Entschlüsselung der abgefangenen japanischen Kommunikation. Rückendeckung erhält er von Admiral Chester Nimitz (Woody Harrelson).

Doch das ist nur die strategische Seite eines Schachspiels zwischen den USA und den im Pazifik überlegenen Japanern. An der Front müssen Menschen aus Fleisch und Blut ihr Leben auf die Richtigkeit der Entscheidungen aus Pearl Harbour setzen. Angeführt vom gesundheitlich angeschlagenen Vice Admiral William «Bull» Halsey (Dennis Quaid) führt die Besatzung des Flugzeugträgers USS Enterprise die verordneten Angriffe durch. Der Waghalsigste unter ihnen war Pilot Dick Best (Ed Skrein), der viele Freunde in Pearl Harbour verloren hat und sich deshalb mit Todesverachtung in die Flab-Feuer stürzt, dass es sein Bordschütze regelmässig mit der nackten Angst zu tun bekommt. Und da sind wir nun nicht mehr bei «Pearl Harbour», sondern eher bei der intensiven Landungsszene von Steven Spielbergs «Saving Private Ryan». Und genau das wollte Emmerich: «Ihren Mut wollte ich zeigen. Ich habe viel über die «Hell Divers» gelesen.»

Das Resultat geht unter die Haut. Als Zuschauer ist man mit den wagemutigen Piloten an Bord, spürt die Geschosseinschläge in Flügel und Rumpf beinahe physisch, hat das Gefühl, demnächst in einen japanischen Kreuzer einzuschlagen. Der Heldenmut der Amerikaner ist beeindruckend und war schliesslich auch der Knackpunkt gegen die Japaner, welche die Schlacht um die strategisch wichtigen Midway-Inseln niemals hätten verlieren dürfen. Sie hatten mehr Schiffe und die weitaus besseren Flugzeuge. Aber eben: Sie unterschätzten den Mut der Amerikaner, der bis zur Selbstopferung ging.

Trotz allen filmischen Spektakels bei den Kampfszenen hat Emmerich einen klassischen Kriegsfilm geschaffen. Mit Bests Frau Ann (Mandy Moore) kommt zwar auch eine Frau vor, doch die romantischen Gefühle müssen – im Gegensatz zu «Pearl Harbour» – klar zurückstehen hinter dem Patriotismus, dem Einsatz für das Vaterland. Viel grösseren Platz nimmt dafür die Strategie-Entwicklung, das zähe Ringen um die Bedeutung jedes einzelnen Funkspruchs ein. Es war ein faszinierendes Schachspiel zwischen USA und Japan, das Emmerich unterhaltsam auf der grossen Leinwand inszeniert. So spannend kann Geschichtsunterricht sein!

Im Kino

Midway

Filmstart: 7. November 2019
Land: USA 2019
Länge: 138 Minuten
Besetzung: Ed Skrein, Luke Evans, Woody Harrelson, Dennis Quaid
Regie: Roland Emmerich