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Lego vs. Playmobil

Spielzeugschlacht im Kinosaal

08. August 2019

 

Im Kino

Playmobil: Der Film

Als ihr jüngerer Bruder Charlie plötzlich in das magische, animierte Playmobil-Universum verschwindet, muss sich Marla auf das Abenteuer ihres Lebens begeben, um ihn wieder nach Hause zu bringen. Auf ihrer unglaublichen Reise durch neue aufregende Welten, trifft Marla sehr unterschiedliche, schräge und heldenhafte Weggefährten. Im Laufe ihres spektakulären Abenteuers erkennen Marla und Charlie, dass man alles im Leben schaffen kann, wenn man an sich glaubt!

Filmstart: 7. August 2019
Land: Frankreich/Deutschland 2019
Länge: 99 Minuten
Besetzung (deutsche Synchronstimmen): Matthias Schweighöfer, Michael Patrick Kelly, Beatrice Egli, Oliver Kalkofe
Regie: Lino DiSalvo

Bier oder Wein, Auto oder Velo, Coop oder Migros (da fällt bei mir die Wahl leicht... gell, Chef?) – warum muss man eigentlich immer Entweder/Oder-Entscheidungen treffen? Mit einer der frühsten solcher Wahlen wird man bei den Spielsachen konfrontiert. Lego oder Playmobil? Wenn ich mich zurückerinnere, war mir Playmobil immer sympathischer, da ich nicht der grosse Konstrukteur war. Andere nennen es Faulheit, ich nenne es Pragmatismus, jedenfalls war bei mir nie der Weg, also das Zusammenbauen, das Ziel, sondern das Spielen. Und das ging mit Playmobil bedeutend schneller (auch wenn meine Mutter behauptet, ich hätte immer mit Lego gespielt…).

Eine Generation später tobt der Zweikampf im Kinderzimmer immer noch. Bei meinem siebenjährigen Sohn allerdings halten sich die beiden Spielzeuggiganten so ziemlich die Waage. Lange lag Playmobil deutlich vorn, doch im letzten Jahr holte Lego mächtig auf und übernahm schliesslich sogar die Führung in seinem Zimmer. Warum? Weil ich mit ihm an einem unserer seltenen reinen Männerabenden «The Lego Ninjago Movie» geschaut habe und er seither die gleichnamige Serie schaut, wann immer wir ihn lassen. Das wirkt sich direkt auf seine Weihnachts- und Geburtstagswunschliste aus – und auf seine Schwester, die von der Serie mittlerweile ebenfalls angefressen ist. So funktioniert Spielzeug-Marketing.

Der gewinnbringende Kreislauf

Marktführer Lego hat das längst erkannt. Die Dänen haben dieses Jahr mit dem «Lego Movie 2» bereits ihren vierten abendfüllenden Film in die Kinos gebracht und reiten damit auf einer beeindruckenden Erfolgswelle. Ihre Produktionen bestechen durch Selbstironie, hintergründigen Humor und viele Anspielungen auf Hollywood-Blockbuster – auch wenn die Qualität seit dem genialen ersten «Lego Movie» kontinuierlich abgenommen hat. Die Erfolge mit den Merchandising-Artikeln, also den bunten Plastiksteinen selbst, sprechen für sich. Lego hat den perfekten Kreislauf gefunden: Die Kinder (und ewigen Kinder) gehen wegen den Spielzeugen ins Kino und kaufen wegen der Kinofilme noch mehr Spielzeug.

Während Lego auf Figuren aus Blockbustern wie Batman, Star Wars oder Jurassic World setzt,

kreiert Playmobil lieber Helden aus seiner eigenen bunten Spielzeugwelt.

Nun zieht Playmobil mit «Playmobil: Der Film» nach. Das Unternehmen aus Nürnberg hat sich jeher schon am Marktführer aus Dänemark orientiert – und hinkt traditionell einen Schritt hinterher. Das war schon mit den Themenparks so. Das Ur-Legoland in Billund (DEN) besteht schon seit 1968, sechs Jahre vor der Markteinführung von Playmobil. Und während Lego mit seinen Freizeitparks nach Deutschland, England, in die USA, nach Dubai, Malaysia und Japan expandierte, musste Playmobil seine Exportversuche in den USA mangels Erfolg abbrechen und sich mit vier Standorten in Deutschland, Frankreich, Griechenland und Malta vorlieb nehmen. Eine andere Philosophie wurde den Deutschen zum Verhängnis. Gründer Horst Brandstätter wollte Bewegungsparks, keine Bahnen. Die Kinder sollten selbst spielen, anstatt bespasst zu werden – ein löblicher Gedanke, der aber gegen die Achterbahnen des Legolands letztlich aber leider den Kürzeren zieht.

Härtetest an der Kinokasse

Denn am Ende des Tags wird auch bei Playmobil nicht die Plastik-Kasse, sondern jene mit der harten Währung gestürzt. Und deshalb steigt nun auch Playmobil ins Kinogeschäft ein. Mit Figuren, die sich etwas runder bewegen als ihre Lego-Artverwandten, und mit einer Story, welche durch das ganze Playmobil-Sortiment führt, dafür mit viel weniger Werbegetöse und Staraufgebot als die Konkurrenz. Ob «Playmobil: Der Film» ebenfalls eine Fortsetzung erhält, entscheiden die Zuschauer, nicht zuletzt die ganz jungen. Im Idealfall entwickelt sich auch auf der Leinwand eine Koexistenz wie im Zimmer meines Sohns: Er lässt manchmal die Ninjago-Krieger die Playmobil-Drachenburg angreifen. Es muss nicht immer Entweder/Oder sein.