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Kinotipp

Mörder und Mimosen

19. März 2019

 

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«Diamonds are a girls’ best friend», sang einst Marilyn Monroe selig. Schaut man sich Jacques Audiards «The Sisters Brothers» an, kommt man zum Schluss: «Gold is a man’s worst enemy.» Die Verfilmung der Romanvorlage von Patrick deWitt setzt sich mit den Menschen im Kalifornien des Jahrs 1851 auseinander. Warum gerade dann? Weil damals Goldrausch Glückssucher aus aller Welt in den mehrheitlich noch wilden und unberührten Küstenstaat einfielen und den dünn besiedelten Landstrich in ein Tummelfeld aus Raub, Mord und Totschlag verwandelten.

Mittendrin in diesem von Gier geprägten Sündenpfuhl bewegen sich auch zwei Brüder: Charlie (Joaquin Phoenix) und Eli Sisters (John C. Reilly). Der eine laut und wild, der andere ruhig und sensibel. Das ungleiche Paar hat nicht genug im Kopf, um grosse Raubzüge in Alleinregie durchzuziehen – sie morden auf Auftrag des mysteriösen «Commodore». Und auf ihrem Weg nehmen sie jede Gelegenheit war, jemanden auszurauben. Ihr Motto: Erst schiessen, dann fragen.

Die Sisters-Brüder kommen eigentlich ganz gut damit durch, bis sie den Auftrag erhalten, Herman Kermit Warm (Riz Ahmed) umzubringen. Der Chemiker hat eine revolutionäre Methode entwickelt, um das Gold ohne das mühsame Sieben aus den Flüssen zu gewinnen. Damit will er der Menschheit Wohlstand verschaffen, möglichst fair verteilt. Ein hehrer Wunsch des ebenso sympathischen wie gebildeten Warm, der mit dieser Einstellung im kalifornischen Goldrausch natürlich ziemlich alleine dasteht. Auf seiner Reise zu den goldreichen Flüssen trifft er auf den Chronisten John Morris (Jake Gyllenhaal), der den Reichtum wittert und den Inder beschützt – vor allem vor den Sisters-Brüdern. Ein Kampf um Glück und Gold, auf Leben und Tod, beginnt.

Kein Wunder, sagt Joaquin Phoenix in unserem Interview, «The Sisters Brothers» sei kein klassischer Western. Denn was als blutiger Raubzug beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einem Drama um menschliches Verhalten. Denn das Setting dieser hochintensiven Phase des Goldrauschs ist faszinierend: Die niederen Triebe der Menschen sind in Reinkultur zu bewundern. Mit zunehmender Dauer gewinnen die als Prototypen eingeführten, eindimensionalen Figuren immer mehr an Tiefe. Beispielsweise bricht die raue Schale des schiesswütigen, saufenden und herumhurenden Charlie Sisters auf und offenbart seine Angst vor dem Alleinsein. Die Jagd nach Gold wiederum mündet in der philosophischen Frage, ob eine ideale Gesellschaft erstens möglich und zweitens überhaupt erstrebenswert ist.

Was als klassischer Western beginnt, wächst zu einem überraschend vielschichtigen und emotionalen Film heran. Einem sehr sehenswerten Film, der alle abholt, die einer guten Schiesserei und markigen Sprüchen nicht abgeneigt, aber nicht auf reine Ballerei aus sind.

Im Kino

The Sisters Brothers

Filmstart: 21. März 2019
Land: Fr, Sp, USA, Rom 2018
Länge: 121 Minuten
Besetzung: Joaquin Phoenix, John C. Reilly, Jake Gyllenhaal, Riz Ahmed
Regie: Jacques Audiard

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