X

Beliebte Themen

Netflix-Tipp

Auf in den Klassenkampf!

17. Mai 2019

 

Auf Netflix

The Society

Land: USA 2019
Altersfreigabe: 12+
Staffeln: 1 (10 Folgen)
Besetzung: Kathryn Newton, Sean Berdy, Jacques Colimon, Alex Fitzalan
Drehbuch: Christopher Keyser

 

Die Anführerin

Cassandra Pressman (Rachel Keller) plädiert für eine demokratische Gesellschaft.

Die Einwohner des wohlhabenden Ostküsten-Städtchens West Ham leben ein Bilderbuch-Leben. Die High-School-Schüler freuen sich auf die Prom-Night, ihre Schulabschlussfeier und werden alle von ihren liebenden Eltern verabschiedet, als es auf die Abschlussreise geht. Friede, Freude, Eierkuchen. Doch der Ausflug ist zu Ende, bevor er begonnen hat. Die Busse müssen umdrehen und kehren nach West Ham zurück. Doch niemand wartet auf sie. Niemand ist telefonisch erreichbar. Niemand ist zu Hause.

Was ist geschehen?

Der Rebell

Campbell Eliot (Toby Wallace) plädiert fürs Faustrecht. Er weiss, wie er Leute manipulieren kann.

Hat das irgend etwas mit dem komischen Gestank zu tun, der in den letzten Tagen den beschaulichen Ort belagerte und nun ebenfalls verschwunden ist? Noch seltsamer: Alle Zufahrtsstrassen sind von dichtem Wald überwuchert – West Ham ist komplett von der Aussenwelt abgeschnitten. Eine Gruppe Schüler macht sich auf, um irgendein Zeichen von Zivilisation zu finden, doch ausserhalb gibt es nur Wald. Nun gut, kein Grund zur Panik. Immerhin laufen Strom, Wasser und Handys – zumindest untereinander – noch, und die Regale im Supermarkt sind voll. Party!

Was bedeutet der Bibelspruch?

Der Wald fordert das erste Opfer.

Ärzte? Do it yourself!

Wie soll es weitergehen?

Die Übergangene

Allie Pressman (Kathryn Newton) sieht in der neuen Situation die Chance, endlich aus dem Schatten ihrer Schwester zu treten.

Doch nach jedem Besäufnis kommt der Kater. Die Schüler fragen sich, was geschehen ist. Noch wichtiger aber: Wie soll es weitergehen? Wie lange werden sie Strom haben? Wie lange reichen die Lebensmittel? Um die charismatische Cassandra formiert sich eine Gruppe von Vernünftigen, die alle von der Notwendigkeit überzeugen – inklusive der Reichen, Schönen und Beliebten –, die Lebensmittel zu rationieren und alle Schüler auf ein Minimum von Häusern zu verteilen. Friede, Freude, Eierkuchen? Mitnichten! Als die Rich Kids um Harry und Campbell «niedere» Arbeiten verrichten müssen, regt sich Widerstand gegen die neu gegründete Gesellschaft. Der soziale Kampf ist eröffnet, alles ist erlaubt – ist ja schliesslich keiner da, der es verbieten könnte…

Wo liegt der Reiz?

Der Snob

Harry Bingham (Alex Fitzalan) möchte seinen Status als Zugehöriger der High Society erhalten.

Der Mensch ist ein Tier. Die niederen Triebe setzen sich in Notsituationen eher früher als später durch. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis. Der Klassenkampf ist ein ewig wiederkehrendes Thema, seit Menschen zusammenleben. Und natürlich wurde dieses sozialkritische Gedankenspiel seit William Holdings Buch «Herr der Fliegen» schon in verschiedensten Szenarien verfilmt. Warum soll ich mir das mit «The Society» also nochmals antun? Nun, die Antwort ist einfach: Weil es einfach guter Stoff ist. Das menschliche Verhalten fasziniert, weil es uns alle angeht. Man beobachte schon nur, was mit den zivilisierten Menschen passiert, wenn mal ein Bahnhof oder Tramnetz lahm liegt. Jeder kämpft um einen Platz im Ersatzbus, als ginge es ums nackte Überleben. Und nun stell dir vor, du bist 18 Jahre alt, und jegliche Autorität ist weg: keine Eltern, keine Lehrer, keine Polizei. Was tust du?

Was ist der grosse Plan?

Der Aufsteiger

Der Waise Will LeClair (Jacques Colimon) wittert seine Chance auf sozialen Aufstieg: Nun sind alle Waisen.

Doch nicht nur deshalb vermag «The Society» zu packen. Noch spannender als die höchst unterschiedliche Entwicklung der einzelnen Charaktere ist der zweite Handlungsstrang: Die Frage nach dem Warum. Immer wieder werden kleine Hinweise eingestreut, die darauf hindeuten, dass die Jugendlichen Gegenstand eines gigantischen Experiments wurden. Mal ganz abgesehen davon, dass ausserhalb der Stadtgrenzen nur noch Wald existiert, ist ein Graffiti, das noch tags zuvor da war, plötzlich spurlos verschwunden. Die Sonnenfinsternis, die sie erleben, hätte laut Astronomie-Büchern erst in vielen Jahren auftreten sollen. Sind sie in einem anderen Sonnensystem? In einem Parallel-Universum? Oder gar in einem riesigen Forschungszentrum à la «The Truman Show»?

Die Antworten werden kommen. Doch nicht alle Jugendlichen von West Ham werden sie erleben.

: