«Tenet» macht den Weg frei | Coopzeitung
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Kino 2020

«Tenet» macht den Weg frei

08. September 2020

Die Coronakrise brachte Seiten in den Menschen hervor, die man vorher nicht kannte – positive und negative. Im Fall von Christopher Nolan sind es vorwiegend positive. Dass der Brite ein aussergewöhnlicher Regisseur ist, wussten wir schon lange. Nun wissen wir aber, dass ihm das Kino wichtiger ist als der Profit: Der Kultregisseur kämpfte für einen Kinostart seines neusten Meisterwerks «Tenet» im Sommer, obwohl die Kinos in den USA – dem mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt für amerikanische Filme – erst seit dem 20. August wieder mit beschränkter Platzzahl offen haben.

Ab 1. Oktober:

Der Erfolg ist beachtlich: Am Startwochenende spielte Tenet im heimischen Markt respektable 20,2 Millionen Dollar ein, womit der anspruchsvolle Actioner weltweit nun bei rund 150 Millionen liegt. Damit hat man zwar noch nicht einmal die Produktionskosten von 205 Millionen Dollar hereingeholt, ist aber auf gutem Weg dahin. Und das ist in Zeiten wie diesen schon eine Erfolgsmeldung.

Ab 1. Oktober:

Der Mut von Nolan und dem produzierenden Studio Warner Bros. hat sich gelohnt und dürfte nun als Türöffner für die anderen Blockbuster dienen, auf die wir seit Ausbruch der Pandemie sehnlichst warten. Kleinere und mittelgrosse Produktionen sind schon länger auf dem europäischen Markt präsent und freuen sich über jeden Eintritt, den sie generieren. Bei tieferen Budgets ist auch der Erfolgsdruck weniger gross. Doch die grossen Kisten, die ursprünglich auf Frühling und Sommer geplant waren, müssen nun langsam raus. Das zeigen die neuen Trailer von «Wonder Woman 1984» und dem längst überfälligen Bond-Streifen «No Time to Die»: Mehr kann man nun wirklich nicht mehr verraten, ohne bereits den ganzen Film vorwegzunehmen. Aber gerade für einen Bond ist ein Einspielergebnis unter 200 Millionen Dollar nicht akzeptabel.

Ab 15. Oktober:

Nun steht den grossen Kisten also nichts mehr im Weg – oder? Disney scheint sich als nächster Player wieder auf den Markt zu trauen, allerdings erst nach einem Versuchsballon der speziellen Art: Die aufwändige Realverfilmung von «Mulan» erschien nicht auf der grossen Leinwand, sondern auf dem privaten Bildschirm. Das Martial-Arts-Epos ist seit letzter Woche auf Disney+, allerdings nur gegen eine einmalige Gebühr von Fr. 29.–. Fraglich, ob das «Mouse House» mit dieser Strategie viel verdienen wird, zumal illegalen Streams damit Tür und Tor geöffnet sind.

Ab 29. Oktober:

Was auch immer die Gründe für diese Strategie war: Disney hat trotz seiner Streaming-Plattform das Kino noch nicht aufgegeben. Bereits am 10. September ist der Marvel-Film «The New Mutants» angekündigt, im Oktober dürfen wir uns auf Kenneth Branaghs zweite Agatha-Christie-Verfilmung «Tod auf dem Nil» (15. Oktober) und das Avenger-Spinoff «Black Widow» (29. Oktober) freuen, bevor uns Ben Affleck in der Patricia-Highsmith-Verfilmung «Deep Water» (19. November) und Ryan Reynolds als «Free Guy» (10. Dezember) in die Weihnachtszeit begleiten, in der Steven Spielbergs starbesetzte Musical «West Side Story» (17. Dezember) glänzen soll.

Ab 12. November:

Auch die Konkurrenz hält nicht hinter dem Berg. Warner Bros., das mit «Tenet» den Eisbrecher machte, erlöst die DC-Fans am 1. Oktober mit «Wonder Woman 1984» und die Kinder mit «Jim Knopf und die Wilde 13». Für das traditionell umkämpfte Weihnachtsgeschäft hat das Studio gleich zwei Asse im Ärmel. Auf den 17. Dezember sind gleichzeitig ein Sequel und ein Remake angekündigt: «Coming 2 America», die Fortsetzung der 80er-Hitkomödie «Der Prinz aus Zamunda» mit Eddie Murphy und die Neuverfilmung von David Lynchs Science-Fiction-Epos «Dune». Allerdings muss man damit rechnen, dass einer der beiden noch verschoben wird, um sich nicht gegenseitig zu kannibalisieren.

Ab 10. Dezember:

Am meisten bedeckt von den grossen Studios hält sich Universal. Das Einzige, was sicher scheint, ist James Bond. Mit ziemlich genau einem Jahr Verspätung wird Daniel Craig am 12. November in sein letztes 007-Abenteuer «No Time to Die» aufbrechen. Daneben findet sich mit dem Animations-Sequel «The Croods 2» (17. Dezember) nur noch ein Fixpunkt im Kalender. Einige «Untitled»-Projekte lassen aber darauf schliessen, dass Universal erst abwartet, wie sich das Kinogeschäft entwickelt. Und damit steht das Studio mit dem universellen Namen stellvertretend für das universelle Jahr 2020: Nix ist fix.

Ab 17. Dezember: