Der irische Harry Potter schwächelt | Coopzeitung
X

Beliebte Themen

Disney+: Artemis Fowl

Der irische Harry Potter schwächelt

12. August 2020

 

:

 

Artemis Fowl

Die Buchreihe

Mit Fantasy kann man nichts falsch machen. Erst recht nicht, wenn sie auf einer beliebten Buchreihe basiert und mit grossem Budget sowie noch grösseren Namen im Cast aufwartet. Sollte man zumindest meinen, wenn man an Harry Potter denkt. Die Filme mit dem sympathischen Zauberlehrling holte Leserschaft wie unvoreingenommenes Publikum gleichermassen ab, ja generierte durchs Kino gar neue Leser. Einen ähnlichen Effekt erhoffte sich wohl Disney von «Artemis Fowl». Doch leider ist das Endprodukt – und hier müssen wir wirklich ganz emotionsfrei von «Produkt» sprechen – für die Fans der Bücher von Eoin Colfer ebenso enttäuschend wie für die unvoreingenommenen Zuschauer.

Artemis Fowl (Colin Farrell) ist ein reicher Kunstsammler und -händler mit einem zweifelhaften Ruf: Er soll seine Kunstobjekte durch Raubzüge rund um den Globus erstanden haben. Das Weltbild seines Sohns Artemis Fowl junior (Ferdia Shaw) ist erschüttert. Doch damit nicht genug: Schliesslich verschwindet sein Vater bei einem Flug über das südchinesische Meer spurlos und wird für tot erklärt. Doch Artemis junior, ein jugendliches Genie, glaubt weder das eine noch das andere. Und wird bestätigt in seinem Verdacht, als er vom mysteriösen Opal Koboi einen Erpresseranruf erhält. Nur, wenn Artemis dem Bösewicht den «Aculos» bringt, das mächtigste Objekt der unterirdischen Feenwelt, sieht er seinen Vater lebend wieder. Zusammen mit dem der Familie Shaw treu ergebenen Butler Dom (Nonso Anozie) forscht der Zwölfjährige in den Aufzeichnungen seines Vaters einem Hinweis, wo dieser Aculos sein könnte. Und muss dabei über seinen eigenen Schatten springen, denn Artemis glaubt nicht an Feen…

Man in Black? Nein, Artemis Fowl junior.

Um seinen entführten Vater zu retten,

scheut Artemis junior keinen Kampf.

Kenneth Branagh ist zweifellos ein talentierter Schauspieler und Regisseur. Der grösste Vorwurf, der ihm in der Vergangenheit gemacht wurde, war jener der Selbstinszenierung wie zuletzt in «Mord im Orientexpress». Für «Artemis Fowl» ist der Brite davor gefeit, spielt er doch nicht selbst mit. Aber trotzdem wird er einmal mehr nicht mit Lob überschüttet werden, denn die Bücher  hätten alle Ingredienzien, die es bräuchte, um aus Artemis Fowl eine Art irischen Harry Potter zu machen. Doch davon ist dieser Film weit entfernt. Nach diesem seelenlosen Auftakt ist es sogar fraglich, ob Disney dieses teure Unternehmen fortsetzen wird. Denn nicht einmal der starke Cast mit Colin Farrell, Josh Gad und Judi Dench kann den schwachen Spannungsbogen aufrecht erhalten: Wenns dann endlich wirklich zur Sache geht, ists auch schon wieder vorbei. Von Magie fehlt jede Spur.

Um den Film zu retten, reichen weder Artemis' Gefährten,

noch grosse Schauspieler wie Dame Judi Dench

oder Colin Farrell.

«Artemis Fowl» rechtfertigt weder den Aufwand noch das Budget, welche investiert wurden. Um auch das erwachsene Publikum zu fesseln, reicht es nicht, CGI-Effekte lieblos aneinander zu reihen. Es fehlt an allen Ecken und Enden – um das zu merken, muss man noch nicht einmal die Bücher gelesen haben. Insofern kann Disney froh sein, dass die Corona-Krise dazwischen kam, denn so blieb dem «Mouse House» ein gigantischer Kassenflop in den Kinos erspart. Auf Disney+ hingegen ist «Artemis Fowl» perfekt aufgehoben: Er kostet keinen Kinoeintritt und ist okay für einen verregneten Sonntag. Der grösste Verlierer bei dieser Geschichte ist eindeutig Buchautor Eoin Colfer.

Auf Disney+

Artemis Fowl

Filmstart: 14. August 2020
Land: USA 2020
Länge: 95 Minuten
Besetzung: Ferdia Shaw, Colin Farrell, Josh Gad, Judi Dench
Regie: Kenneth Branagh