Scheidung? Bitte nur als Komödie! | Coopzeitung
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How-to: Scheidungsfilme

Scheidung? Bitte nur als Komödie!

24. Juni 2020

 

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Filmemacher dieser Welt, ich weiss nicht, was euch dazu bewegt, einen Film oder eine Serie zum Thema Scheidung zu drehen, aber es scheint euch ein Anliegen zu sein. Vielleicht seid ihr selbst davon betroffen, direkt oder indirekt. Vielleicht fasziniert euch auch einfach die Tatsache, dass zwei Menschen nach jahrelangem Zusammenleben plötzlich nicht mehr miteinander können. Was ich aber mit Bestimmtheit weiss, ist, dass es in eurem potenziellen Publikum eine stetig wachsende Gruppe gibt, die solchen Werken mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber steht: Scheidungskinder. Ich gehöre selbst dazu und kann euch exklusiv verraten: Je schwerer der Stoff ist, desto schwerer tu ich mich damit. Von älteren Werken wie dem Oscar-prämierten «Kramer vs. Kramer» (1979) mit Dustin Hoffman und Meryl Streep bis zu neueren Filmen wie dem ebenfalls mit einem Oscar ausgezeichneten «Marriage Story» (2019) – ich hab mir einige angesehen, und am Ende war ich nur deprimiert. Sogar bei «Gloria Bell» (2019) konnte ich mich beim besten Willen nicht der verehrten Julianne Moore anschliessen, die mir im Interview persönlich versicherte, der Film sei hoffnungsvoll gemeint.

Im Kino

Hope Gap

Filmstart: 25. Juni 2020
Land: UK 2019
Länge: 100 Minuten
Besetzung: Annette Bening, Bill Nighy, Josh O'Connor
Regie: William Nicholson

Diese Woche kommt wieder ein solcher Film in die Kinos. «Hope Gap» beschreibt das Ende einer langen Ehe. Grace (Annette Bening) und Edward (Bill Nighy) leben seit Jahrzehnten im südenglischen Küstenort Seaford. Ihr Sohn Jamie (Josh O'Connor) ist inzwischen erwachsen, und nach 29 Ehejahren haben sich gewisse Muster eingespielt: Sie mäkelt an ihm herum, hält ihm seine Gleichgültigkeit vor, weil er nicht mit ihr über seine Gefühle spricht. Er schweigt, denn er hat aufgegeben. Was er ihr ebenfalls verschweigt: Edward hat das Gefühl, dass sie nicht füreinander geschaffen ist. Just, als Grace ihn im Streit dazu bringen will, ihre Ehe neu zu beleben, eröffnet er ihr, dass er sich in eine andere Frau verliebt hat. Doch Grace weigert sich, das hinzunehmen. Sie will um ihre Ehe kämpfen.

Problem 1: Es gibt nur Verlierer

Eine Scheidung ist eine traurige Sache. Ursachen dafür gibt es viele: Erloschene Liebe (einseitig oder beidseitig), Seitensprung, einer verliebt sich in jemand Drittes, man hat sich auseinander gelebt. Meistens gibt es nur Verlierer. Sowohl der Verlassende als auch der Verlassene leidet, von allfälligen Kindern ganz zu schweigen. Was sollen also solch ernsthafte Filme über Scheidungen bezwecken? Eine Scheidung ist per definitionem das Gegenteil eines Happy Ends, und das mit anzusehen, deprimiert einfach nur.

Problem 2: Es gibt keine Botschaft

Wenn schon ernsthaft, dann sollte wenigstens eine Moral rausschauen. Aber was, bitteschön, sollen wir aus solchen Filmen lernen? Dass wir nicht den/die Falsche heiraten sollen? Die Scheidungsraten zeigen: Die Menschheit ist in dieser Hinsicht beratungsresistent. Zudem steht hinter jeder Scheidung eine ganz eigene Geschichte, die sich nicht so einfach auf ein anderes Paar übertragen lässt. Dafür wird jeder, der persönliche Erfahrungen mit einer Scheidung gemacht hat, wieder mit seinen eigenen Gefühlen konfrontiert, was einen auch nicht weiterbringt.

Lösung: Wenn Scheidung, dann bitte lustig

Top 3

Scheidungskomödien

  1. «Crazy, Stupid, Love.» (2011). Steve Carell wird von Julianne Moore auf die Strasse gesetzt und erhält Anmachtipps von Ryan Gosling. Köstlich!
  2. «Divorce» (Serie, 3 Staffeln, 2016-19). Sarah Jessica Parker und Thomas Haden Church gehen getrennte Wege, die sich in einer Kleinstadt aber immer wieder kreuzen.
  3. «Der Rosenkrieg» (1989). Der Trennungsprozess der handfesten Art. Zum Brüllen, wie sich Kathleen Turner und Michael Douglas gegenseitig Saures geben.

Ihr seht, es ist ziemlich schwer, uns gebrannte Kinder mit dem Thema Scheidung ins Kino zu locken. Doch einen Ansatz gibt es, nämlich das Ur-Motiv, sich einen Film anzusehen: Unterhaltung. Wenn man darüber lachen kann, dann ist es ok. Die gelungenen Umsetzungen handeln dann meistens nicht vom Trennungsprozess, sondern davon, wie man mit der Scheidung umgeht, wie zum Beispiel die seichten und absolut harmlosen Komödien «Der Club der Teufelinnen» (1996) oder «Wenn Liebe so einfach wäre» (2009) oder die etwas bessere Variante «Genug gesagt» (2013). Noch besser sind aber meine Top 3 der Scheidungskomödien, die ihr in der Box findet. So kann Scheidung sogar uns gebrannten Kindern Spass machen!