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Porträt: Judi Dench

«Mein Enkel zeigt mir viel auf TikTok»

10. Juni 2020

 

Auf Disney+

Artemis Fowl

Der 12-jährige Artemis Fowl II (Ferdia Shaw) ist der Spross einer berüchtigten irischen Gangsterfamilie und ein kleines kriminelles Genie. Um seine Familie vor dem finanziellen Ruin zu retten, entführt er die lebhafte Elfe Holly Short (Lara McDonnell), um Gold als Lösegeld zu erpressen. Bald entbrennt ein erbitterter Kampf mit den mächtigen Elfen, die Artemis verdächtigt, für das Verschwinden seines Vaters Artemis Fowl I (Colin Farrell) verantwortlich zu sein. Als sich Holly befreien kann und ein Kommandant auf Artemis angesetzt wird, droht der Plan komplett außer Kontrolle zu geraten. Nach Eoin Colfers gleichnamiger Buchreihe.

Filmstart: 14. August 2020
Land: USA 2020
Altersfreigabe: 10+
Länge: 115 Minuten
Besetzung: Ferdia Shaw, Josh Gad, Colin Farrell, Judi Dench
Regie: Kenneth Branagh

60 Jahre. Das muss man sich mal vorstellen: Seit 60 Jahren steht Judi Dench vor der Kamera. Ob sich die Britin das erträumen liess, als sie sich im zarten Alter von 24 Jahren in der englischen TV-Serie «Hilda Lessways» erstmals auf den TV-Bildschirmen sah? Wohl eher nicht. Noch weniger konnte sie 1959 erahnen, dass sie als «M», die Vorgesetzte des britischen Super-Agenten James Bond, in die Filmgeschichte eingehen würde – der erste 007-Streifen «James Bond jagt Dr. No» wurde erst 1962 gedreht. Sieben Mal von 1995 bis 2012 verkörperte die 1,55 Meter kleine Schauspielerin mit klassischer Bühnenausbildung die charismatische Chefin des britischen Geheimdienstes «MI6» und spielte sich damit in die Herzen eines Weltpublikums. Sie war nicht nur die erste weibliche «M», sondern auch ganz einfach viel besser als ihr langjähriger Vorgänger Robert Brown. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass sich dessen Rolle auch nie über den strengen Bürochef hinauskam.

Judi Dench auf «M» zu reduzieren, wäre jedoch ein grosser Fehler. Denn mindestens so gross wie ihre Ausstrahlung in den James-Bond-Filmen ist ihre Vielseitigkeit. Sei es als elegante Queen Elizabeth in «Shakespeare in Love» (1999), wofür sie mit ihrem bisher einzigen Oscar ausgezeichnet wurde, sei es als Alzheimer-Patientin «Iris» (2001), als herzzerreissend leidende Mutter «Philomena» (2013) oder nun als Feen-Commander Root im Fantasy-Spektakel «Artemis Fowl», das ab 12. Juni in nicht-deutschsprachigen Ländern und ab 14. August in der Schweiz auf Disney+ zu sehen ist: Ihre Präsenz wertet jeden Film auf. 

 

Filmografie Judi Dench

Ihre wichtigsten Filme

 

1995: James Bond 007 – GoldenEye

1997: James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie

1998: Shakespeare in Love

1999: James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug

2000: Chocolat

2001: Iris

2002: James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag

2005: Stolz & Vorurteil

2006: James Bond 007 – Casino Royale

2008: James Bond 007 – Ein Quantum Trost

2011: Best Exotic Marigold Hotel

2012: James Bond 007 – Skyfall

2013: Philomena

2015: Best Exotic Marigold Hotel 2

Frauen über 40 haben in Hollywood oft einen schweren Stand. Auf Dame Judi Dench, wie sie sich seit dem Ritterschlag zum «Dame of the British Empire» nennen darf, trifft das überhaupt nicht zu – im Gegenteil: Sie kam erst im Alter von 60 Jahren mit «GoldenEye» (1995) richtig in Hollywood an. Davor hatte sie nicht nur auf der Bühne gestanden, sondern auch fleissig vor der Kamera, aber eben nicht in Kinoproduktionen. Und spätestens seit ihrem Oscar-Gewinn 1999 war Judi Denchs zweite Karriere so richtig in Schuss. Sie gab sich in ernsthafte, komische und ernsthafte Rollen gleichermassen.

Eine ihrer Stärken ist, dass sie weiss, was sie kann und was nicht – denn auch das gibt es. «Ich kann einfach nicht improvisieren», sagt sie und verweist auf ihren Kollegen Josh Gad von «Artemis Fowl»: «Ich finde, amerikanische Schauspieler können das meistens sehr gut. Und Josh ist einfach wundervoll, wenn er improvisiert.» Dieser gibt das Kompliment zurück: «Ich spielte nicht nur neben einer der grössten Schauspielerinnen, sondern auch neben einem meiner Idole.» Dass Judi Dench auch im fortgeschrittenen Alter verspielte Rollen wie im Kassen-Flop «Cats» (2019) oder eben nun in «Artemis Fowl»  – «Man wird nicht jeden Tag gefragt, einen 800 Jahre alten Mann zu spielen!» – nicht scheut, liegt an ihrer aufgeschlossenen Art. «Mein Enkelsohn bringt mir bei, wie man zu Songs tanzt, wie das die Kids von heute tun», erklärt Dench. «Also sind wir sehr viel auf diesem TikTok.» Und auch ihren Geist lässt sie nicht verkümmern. So hat sie den Ehrgeiz, alle 154 Sonette von William Shakespeare auswendig zu lernen. Und bereits hat sie drei weitere Filme abgedreht, die noch 2020 in die Kinos kommen sollen. Na dann: Auf die nächsten 60 Jahre, Dame Judi Dench!