King Arthur? Von wegen! | Coopzeitung
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Netflix-Tipp: Cursed

King Arthur? Von wegen!

17. Juli 2020

 

Die Definition einer Sage ist ganz einfach: eine Geschichte, die auf einem Erlebnis beruht, das jemand erzählt, also gesagt hat. Der Wahrheitsgehalt ist also nicht festgelegt. Insofern steht es jedem frei, eine Sage neu zu interpretieren. Wenn eine Sage bereits derart berühmt ist wie die Artussage, dann kann eine Neuinterpretation zu Irritationen führen. Und genau das tut Frank Millers Buch «Cursed», welches nun von Netflix in eine Serie umgesetzt wurde.

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Britannien ist unter der Herrschaft von König Uther (Sebastian Armesto). Das weinerliche Muttersöhnchen einen Herrscher zu nennen, wäre allerdings stark übertrieben. Wenig überraschend hat er das Land auch nicht im Griff. Vielmehr tobt ein Säuberungskrieg der «roten Palladine», die im Namen der Kirche und unter dem Kommando von Pater Carden (Peter Mullan) das friedliche Himmelsvolk der «Fey» ausrotten will. Reihenweise werden die übersinnlich begabten Feen niedergemetzelt oder als Hexen verbrannt. Auch Lenore (Catherine Walker) widerfährt dieses Schicksal. Vor ihrem Ableben übergibt die mächtige Fee ihrer Tochter Nimue (Katherine Langford) ein Schwert, das sie dem Magier Merlin (Gustaf Skarsgård) bringen soll.

Feiges Muttersöhnchen: König Uther.

Tochter und Mutter: Nimue und Lenore.

Grausamer Kreuzritter: Pater Carden.

Magier ohne Magie, dafür mit Promille: Merlin.

Doch die Mission hat es in sich, denn Nimue hat ihre zweifellos starken Kräfte noch nicht unter Kontrolle und lässt sich das Schwert der Macht bei erster Gelegenheit vom Kleinkriminellen Arthur (Devon Terrell) klauen. Doch Igraine (Shalom Brune-Franklin), Nonne und Arthurs Schwester bringt die beiden wieder zusammen – und zwar näher, als ihr lieb ist. Gemeinsam kämpfen sie gegen die Palladine und die königlichen Truppen und suchen Merlin, der seine Magie verloren hat. Aber Achtung: Neben König und der Kirche sind noch andere Parteien gierig auf das Schwert…

Arthur ist fasziniert vom Schwert der Macht.

Nimue muss lernen, ihre Kräfte zu kontrollieren.

Geht da was zwischen Nimue und Arthur?

Nimue beschliesst, das Schwert einzusetzen.

Nimue – in der Artussage als Viviane bekannt – als Auserwählte für Excalibur, ein dunkelhäutiger Arthur als Strassendieb, Merlin als Säufer, Uther als lächerlicher Schwächling? Fans der Artussage zappen bei solchen haarsträubenden Verdrehungen gleich weg. Es scheint, als habe Frank Miller alle Figuren der Sage in einen Shaker geworfen, kräftig durchgeschüttelt und dann als möglichst originelles Puzzle neu aufzustellen. Da es sich nicht um eine historisch verbürgte Geschichte handelt, ist das nicht verboten. Die Frage ist nur, wer das Zielpublikum ist. Der Verdacht liegt nahe, dass die Artussage benutzt wird, um möglichst viel Aufmerksamkeit auf eine nicht mehr als solide Fantasy-Serie mit einer zeitgerechten weiblichen Heldin zu lenken.

Um ihr Volk der «Fey» zu beschützen,

muss Nimue sie mit dem Schwert führen.

Aufgepasst auf den «Weinenden Mönch»

und auf Eiskönig Cumber, der den Thron will.

Deshalb als Tipp für alle Artus-Fans: Wenn ihr euch darauf einlasst, dann verbannt die Originalgeschichte in den Hinterkopf und lasst euch überraschen. Allen Frank-Miller-Fans sei gesagt: Mit so stylishen Gewaltszenen wie in «Sin City» oder «300» kann «Cursed» leider trotz einer Altersempfehlung von 18+ nicht aufwarten – dafür war das Budget wohl zu klein (wie auch für gute CGI-Effekte). Für alle anderen: Wenn ihr euch durch das Schauen der Serie für das Original interessiert, dann nehmt doch mal die klassischen Erzählungen von Rosemary Sutcliff oder Marion Zimmer-Bradleys «Die Nebel von Avalon» zur Hand.

Auf Netflix

Cursed

Land: USA 2020
Altersfreigabe: 18+
Staffeln: 1 (10 Folgen); ab 17. Juli 2020
Besetzung: Katherine Langford, Devon Terrell, Gustaf Skarsgård
Schöpfer: Frank Miller, Tom Wheeler