Vom Drogenbaron zum Gutmenschen | Coopzeitung
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Netflix-Tipp: Sergio

Vom Drogenbaron zum Gutmenschen

17. April 2020

Es gibt Rollen, die machen einen berühmt. Das sind meistens gute Rollen, denn sie katapultieren einen Schauspieler in eine neue Kategorie, sowohl betreffend Gage als auch Rollenangebote. Allerdings gibt es auch Rollen, die so populär werden, dass sie grösser sind als der Schauspieler selbst. Die werden dann für den betreffenden zur erdrückenden Last, er wird durch sie definiert und erhält in der Folge keine anderen Rollen mehr. Das Paradebeispiel dieses Schicksals ist Mark Hamill, der bis zu seinem Lebensende immer Luke Skywalker sein wird. Auch wenn der Sprung von «Star Wars» zu «Narcos» etwas gewagt erscheint, stellt sich eine ähnliche Frage bei Wagner Moura. Den Brasilianer kannte vor der Netflix-Serie «Narcos» kein Mensch, erst durch seine mitreissende Darstellung des kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar wurde er zum Weltstar. Die Frage ist nur: Kann er auch jemand anders sein, oder wird er Opfer seines Erfolgs?

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Das Geheimnis des Erfolgs von «Narcos» liegt darin, dass Moura Escobar viel besser spielte, als dieser jemals war. Man fühlte mit dem brutalen, skrupellosen Drogenboss mit, was die Jagd auf ihn so mitreissend machte. Als die Serie ohne ihn in die dritte Staffel ging, war sie nicht mehr dieselbe. Immer noch gut, aber es fehlte etwas. Nun ist Wagner Moura zurück auf Netflix – in einer komplett anderen Rolle als noch in «Narcos». Der Schnauz ist weg, das Wohlstandsbäuchlein ebenso, dafür trägt Wagner Moura neuerdings ein herzliches, ansteckendes Lachen zur Schau. Es steht ihm gut, wie die ganze Rolle als Spitzendiplomat der UNO. Geblieben sind seine mitreissenden Reden als charismatischer Anführer, der Sergio Vieira de Mello war. Denn die Geschichte des brasilianischen Hohen Kommissars für Menschenrechte der UNO ist wahr.

Sergio de Mello lebte für seine Missionen. Er war die rechte Hand von UNO-Generalsekretär Kofi Annan und galt als mächtigster Mann in der internationalen Organisation. Der Film zeigt uns, mit welcher Leidenschaft dieser Mann Gutes in der Welt vollbringen wollte. Er vermittelte in den 90er-Jahren und zu Beginn der Nullerjahre in den Krisengebieten dieser Welt: Bosnien, Osttimor, Irak. Er verhandelte mit Rebellenführern und Terroristen. Er lebte seine Mission. Doch auch Sergio de Mello war kein Superman, er konnte nicht überall sein. Nicht jede Mission war erfolgreich, auch seine Mission Familie nicht. Seine beiden Söhne wuchsen bei der Mutter in Genf aus und wurden ihm zunehmend fremd. Dafür verliebte er sich in die argentinische Wirtschaftsberaterin Carolina Larriera (Ana de Armas), die in den Krisengebieten Aufbauarbeit leistete. Und diese Liebe machte ihm bewusst, dass er nicht mehr bereit war, sein Leben allein der Friedensmission zu widmen. Nach dem gemeinsamen Einsatz mit Carolina im Irak wollte er mit ihr in Rio de Janeiro ein neues Leben beginnen. Nur noch eine letzte Mission…

Ein Film, der enthüllt: Wahre Gutmenschen sind einsam. Ähnlich wie Drogenbarone – nur leider leben sie auch ähnlich gefährlich. Die zweite Erkenntnis ist eine viel positivere: Wagner Moura funktioniert auch ohne Pablo Escobar. Und wie.

Auf Netflix

Sergio

Filmstart: 17. April 2020
Land: USA 2020
Länge: 118 Minuten
Besetzung: Wagner Moura, Ana de Armas, Brían F. O'Byrne
Regie: Greg Barker